Der Bienenzaun gegen Elephanten

Es ist kaum zu glauben, aber Elefanten haben große Angst vor Bienen.

Lassen Sie mich Ihnen einmal eine nette Geschichte erzählen. Ich habe sie von einer Freundin gehört.

Es geht um Elephanten. Vorauszuschicken ist, dass bei den Elephanten das Matriarchat herrscht. Das Wohlergehen eines Elefantenclans hängt ganz entscheidend vom Alter seiner Matriarchin ab. Je erfahrener die Leitkuh, desto besser kann sie fremde Elefanten an ihrem Ruf erkennen und auf nahende Gefahren aufmerksam machen. Diverse Katastrophen hat sie schon erlebt und weiß daher, wie man damit umgehen muss.  Je älter diese Leitkuh ist, umso sicherer ist auch der soziale Zusammenhalt der matriarchalisch organisierten Herde. Durchschnittlich zehn miteinander verwandte Elefantenmütter und ihre Kälber bilden die fest verbundene Herde. Das dominanteste Weibchen mit der größten Erfahrung führt die Gruppe an. Diese Leitkuh bestimmt das Familienleben und stellt sich bei Gefahr als Erste schützend vor ihre Herde.

Elephanten bewegen sich über ihnen wohlbekannte, meist ebene Trampelpfade durch die Wälder. Wenn nun diese Wälder abgeholzt werden, um bebaubares Land für die Bevölkerung zu schaffen, kommt es zu Konflikten, denn die Dickhäuter ändern ihre Trampelpfade nicht. Die Bauern hingegen, deren Felder zertrampelt werden, versuchen „etwas“ gegen diese Tiere zu unternehmen.

Sind die Elefanten hungrig, stürmen sie herdenweise die Felder der Bauern. Die Verteidigung ihrer Felder ist für die Bauern schwierig und nicht selten lebensgefährlich für sie und ihre Familien. Um dieser „Plage“ Herr zu werden, wäre die Errichtung von großen, massiven Zäunen, die elektrisch geladen sind, eine Lösung. Nur ist dies für die kleinen Farmer oft schlichtweg nicht bezahlbar.

Böse Methoden werden derzeit z.B. in Indien verwendet:  tropische Früchte, wie z.B. Ananas, werden mit Feuerwerkskörpern, oder Gift gefüllt. Die Tiere erleben einen grauenhaften Tod. Elektrische Zäune verletzen sie, werden aber dennoch niedergetrampelt. Beide, Mensch und Tier, werden verletzt und am Ende getötet.

Man sucht neue Wege. Ein „Problem“ ist, dass Elephanten hochintelligente Tiere sind, die auch lernfähig sind, und die Maßnahmen der Menschen mit der Zeit umgehen lernen. Man muss schon flexibel sein, um Elephanten langfristig überlisten zu können. Die Dickhäuter „überfallen“ lieber Farmen, auf denen sich keine Menschen befinden, mit Anwesenheit von Menschen auf gut sichtbaren Wachtürmen lässt sich das Problem minimieren.

Nun werden laufend neue Methoden gesucht. Man versuchte die Abwehr von Elephanten von bebautem Land mithilfe von Bienen. Denn die großen Dickhäuter fürchten sich so sehr vor den kleinen Bienen, dass sie alleine schon von ihrem Summen vertrieben werden. Denn Bienen attackieren die großen Elephanten nämlich in ihren Rüsseln und stechen sie genau dort – und das ist für die großen Riesen extrem schmerzhaft. Und damit sind Bienen bislang damit sehr erfolgreich im Fernhalten von Elephanten von bebautem Land.

Das geht so: man sucht Baumstämme, höhlt sie aus schneidet sie in ca. 30 cm lange Stücke und hängt sie in Abständen von 10 Metern auf. Die Enden werden abgedeckt und innen werden sie mit einer aus Bienenwachs, Zimt und einem zuckerähnlichen Produkt bestehenden Paste ausgeschmiert. Die Stöcke werden mit Seilen verbunden. Dieser Geruch zieht Bienen an. Stößt ein Elefant aber an den Bienenstock oder das Seil, schwingen alle Bienenstöcke entlang dieses natürlichen Zaunes mit. Dies aktiviert die Bienen, die ihren Stock verteidigen wollen – und aufgeregt auf die Elefanten losgehen.

Für die oft kleinen familienbetriebenen Farmen ist das ein großer Erfolgsfaktor mit einem sehr geringen Aufwand und wenig Kosten. Das führt für die Bauern zu einer „win-win-Situation“. Ihre Felder liefern bessere Erträge, aufgrund der verstärkten Bestäubung durch Bienen, denn damit wird die Pflanzenvielfalt und den Fruchtertrag der Felder gesteigert. Der geerntete Honig bildet dann ein sehr willkommenes Zusatzeinkommen für die Bauern. Das Produkt wird unter dem Namen „Elephant-friendly honey“ vermarktet. Und vor allem – die Elephanten bleiben fern!

Ein Erfolgsprojekt, das das sich durchsetzt: Der natürliche Zaun aus Bienenstöcken wird mittlerweile in Teilen Afrikas wie Kenia, Botswana, Uganda oder Mosambik, aber auch in Sri Lanka und in Thailand eingesetzt.

Vielleicht können einander so Elephanten und Menschen nicht mehr nur als Feinde wahrnehmen und beide halbwegs friedlich nebeneinander leben.  

Der Bienenzaun gegen Elephanten

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