Gedanken bei der Fahrt durch die Wachau

Wie angekündigt möchte ich noch über unsere „Rückreise“ von der Schallaburg berichten. Wir fuhren nämlich nicht direkt über die Westautobahn zurück – eigentlich auch landschaftlich sehr hübsch, aber halt durch die Schallschutzwände diesbezüglich einigermaßen beeinträchtigt.

Von der Schallburg fuhren wir Richtung Melk, über die Brücke dort über die Donau an dann entlang des großen Stromes Richtung Wien. Trotz anfänglich trübem Wetter war dann bei dieser Fahrt die Sonne herausgekommen. Es ist schon bemerkenswert, welche Kulturleistung dahintersteckt, dass an steilen Hügeln aus dem dunklen Granit der Böhmischen Masse Steinterrassen errichtet werden konnten, auf denen der der berühmte Wachauer Wein wächst. Es ist wenig Schiffsverkehr derzeit auf der Donau, einen Schlepper und zwei Ausflugsschiffe haben wir gesehen.

Und was fällt einem so ein, während einer Fahrt entlang der Donau in dieser Gegend: die berühmteste Wachauerin, die Venus von Willendorf. Sie ist unvorstellbare 30 000 Jahre alt und man kann sie in Wien, im Kunsthistorischen Museum bewundern.  Solange siedelt man schon hier.

Und – geschichtlich gesehen, war die Donau der Limes, die Grenze des römischen Reiches – als Provinz Noricum. Das Kastell Favianis (heute Mautern) sicherte den Ausgang der Wachau und entlang des Südufers entstanden mehrere Burgi, d. h. kleine wachturmartige Kastelle, deren Reste (zumeist als Teile neuerer Gebäude) noch erhalten sind, vor allem der Burgus Bacharnsdorf. Mit der zumindest teilweisen Evakuierung der romanischen Bevölkerung auf Anordnung von König Odoaker 488 endete die römische Herrschaft.

Im Mittelalter wurde die Wachau durch die Kuenringer beherrscht, die in Aggstein (südlich der Donau) und in Dürnstein (nördlich der Donau) Burgen besaßen. Heinrich I. und Hadmar III. waren als „Hunde von Kuenring“ verrufen und galten als Raubritter, „deren Knechte die Donauschiffer grausam ausraubten“. Dicke, starke Ketten wurden von Burg zu Burg über die Donau befestigt, die von den Schiffen der Kaufherren nicht durchbrochen werden konnten. Unter den Kuenringern entstand jedoch ein vergleichsweise hoch entwickeltes Gemeinwesen. Die Kuenringer wurden schließlich militärisch geschlagen und ihre Burgen zerstört.

In die Kuenringer Zeit fällt auch die Einkerkerung des englischen Königs Richard Löwenherz in Dürnstein. Richard Löwenherz wurde in einer Gaststätte in Erdberg bei Wien als solcher erkannt, als er auf dem Rückweg nach England war, gefangen genommen und nach Dürnstein überstellt. England verblutete fast an dem Lösegeld, das für ihn gezahlt werden musste.

Wir kamen auch an der ältesten Kirche der Wachau vorbei: an der Wehrkirche St. Michael in Weißenkirchen.  Sie steht an der Stelle einer kleinen keltischen Opferstätte. Karl der Große errichtet ca. 800 anstelle der keltischen Opferstätte ein Michaelsheiligtum. 1395 erfolgten die Stiftung und der Bau des gotischen Karner (Beinhaus). Eindrucksvoll steht er neben der Kirche und erinnert an die Endlichkeit des Lebens. Als Vorsichtsmaßnahme gegen die vordringenden Türkenheere wurde der Kirchenbau befestigt.

Auch an der Drudenwand bei Wösendorf kamen wir vorbei. Dazu gibt es selbstverständlich, wie bei vielen anderen Orten in der Wachau eine Sage: ich will sie Ihnen nicht vorenthalten: Auf den Höhen nördlich von Wösendorf liegen auf einer heideartigen Wiese, auf der sogenannten „Geis“, einige ungeheure Felsblöcke aufeinander getürmt. Daneben zeigt eine Steinplatte zwei Fußeindrücke. Deutlich sind einen Meter lange Plattfüße mit den Zehen erkennbar. Das Volk sagt, diese Eindrücke stammen von einer Drud her, welche einst hier bei dem Felsen gehaust hat. Alte Leute glaubten, dass diese Füße stets wachsen. Merkwürdigerweise ist die eine Fußspur kürzer als die andere. Wie an anderen Orten suchten auch hier die Druden des Nachts Menschen auf und drückten sie während des Schlafes. Einmal war im Orte Wösendorf eine sehr böse Magd, die durch die Drud den Tod gefunden haben soll. Diese saugte ihr durch die Haut hindurch das Blut aus und verjüngte sich an dem Atem der Schlafenden.

Es waren die verschiedenen Klöster, die im späten Mittelalter den Weinbau in dieser Gegend förderten.

In Dürnstein hielten wir nicht an, erinnerten uns aber der Schlacht von Dürnstein (auch bekannt als Schlacht bei Loiben) – 1805. Sie fand mitten in den Napoleonischen Kriegen statt. Die Konfliktparteien waren Frankreich einerseits und Russland und Österreich andererseits. Besonders hohen Blutzoll forderte die Schlacht von den Österreichern, man schätzte 4.000 Gefallene. Die französischen Verluste waren geringer. Sie werden mit 21 Toten und 85 Verwundeten angegeben. Allerdings dürften die Franzosen bemüht gewesen sein, die Verlustzahlen geringer darzustellen, als sie tatsächlich waren, um die Moral der Truppe nicht zu gefährden. Noch ungenauer waren die russischen Verlustangaben. Ihr Gesamtverlust kann mit 4.000 Mann angenommen werden, davon 1.500 Verwundete. Schwere Verluste erlitten aber die betroffenen Ortschaften, besonders Ober- und Unterloiben, aber auch Dürnstein, Stein und Krems. Die beiden Loiben wurden von Franzosen, vor allem aber von den Russen geplündert. Krems und Stein mussten die Last der Einquartierungen und die Unterbringung der Verwundeten tragen. Auch wenn die Niederlage von Dürnstein für Napoleon keine dauernden Nachteile mit sich brachte, so zeigen doch die ausgegebenen Bulletins, dass man mit allen Mitteln versuchte, die Niederlage zu verschleiern. Am 14. November ordnete Napoleon an, die besonders schwer verwundeten Russen von Krems nach Wien zu bringen, um die Stadt von der schweren russischen Niederlage zu überzeugen. General Kutusow wurde am 14. November 1805 mit dem Großkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens ausgezeichnet. Keine Quelle konnte zur Mär, dass die Donau erst durch die französischen Uniformen blau gefärbt wurde, gefunden werden.

Auch wenn Sie schon oft in der Wachau gewesen sind, vielleicht zur Marillenblüte oder auch zur Marillenernte, besonders wenn Sie gerne Marillenknödel essen oder Marillenschnaps trinken, eine Fahrt durch die liebliche Wachau lohnt jederzeit – sei es mit dem Schiff auf der Donau oder mit dem Auto auf dem nördlichen oder südlichen Ufer der Donau. Setzen Sie sich den schattigen Garten eines Heurigen, eines Restaurants, betrachten sie das gemächliche Fließen des großen Stromes– sie werden erholt und zufrieden nach Hause zurückkehren.

Gedanken bei der Fahrt durch die Wachau

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