Der Kümmerer

Eine leider ausgestorbene Erscheinung

Als ich gestern über meine Autosituation (ich möchte über eines zeitweilig verfügen aber keines kaufen) geschrieben habe, kamen diverse Ratschläge: z.B. Namen preisgünstiger Verleihfirmen, aber auch der Hinweis mir einen Freund mit Auto zu suchen.  Naja, ich habe wahrheitsgemäß geantwortet, dass das in meinem Alter recht schwer, wenn nicht unmöglich sein würde, was wiederum eine liebe Freundin zu dem Kommentar veranlasste: „in unserem Alter einen „passenden“ Partner zu finden? Da ist die Wahrscheinlichkeit höher, am Nordpol von einem Spaniel gebissen zu werden!“

Und dabei ist mir der „Kümmerer“ eingefallen. Ich meine nicht die Wikipedia Definition: krankes oder geschwächtes Tier, um das man sich kümmern muss, oder den „Organisations-Kümmerer: eine Person, die sich dazu bereiterklärt oder verpflichtet wurde, sich um etwas zu kümmern, das nicht in den vorbestimmten Aufgabenbereich eines Mitarbeiters bzw. Kollegen fällt bzw. das von dem zuständigen Mitarbeiter etwa aufgrund von Abwesenheit o. ä. nicht erledigt werden kann. Es spielt dabei weder eine Rolle, welche Position der Kümmerer innerhalb des Unternehmens hat (er hat als solcher die verabredete Vollmacht über die zu erledigende Aufgabe), noch, was für eine Aufgabe er konkret zu erledigen hat – das kann von „Bier holen“ bis hin zu wichtigen Aufgaben innerhalb des Unternehmens alles umfassen.

Sondern ich meine jenen früher existierenden Kümmerer, der eine Dame begleitet, wenn sie seiner bedarf, er sollte (aus meiner Sicht) hochgebildet sein, um seine Aufgabe gut erfüllen zu können, er muss aber auch respektvoll, diskret und rücksichtsvoll sein. Gute Manieren werden selbstverständlich vorausgesetzt. Sexuelle Absichten darf er keine zeigen, höchstens ein bisserl flirten kann ihm zugestanden werden.  Und was waren so seine Aufgaben: die Dame ins Theater, in die Oper, ins Konzert zu begleiten, hinterher mit ihr auf ein Glas Champagner gehen, um das Gesehene und Gehörte zu besprechen. Er muss selbstverständlich auch belesen sein, um mit ihr die Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt diskutierten zu können. Er musste selbstverständlich gut zuhören können und auf gewünschte Themen eingehen können. Er durfte die Dame auch bei Einkäufen begleiten – und ihre Pakete tragen (wunderschön beschrieben bei Schnitzler, Anatol – die Weihnachtseinkäufe).

Diese Herren gab es noch in meinen jüngeren Jahren. Ein Ehemann war nicht eifersüchtig auf einen Kümmerer, sondern eher dankbar, dass er gewisse Aufgaben übernahm, die vielleicht der Ehemann gar nicht so gern erfüllte.

Und wenn ich mir alle diese Eigenschaften so überlege – und sie mit meinem Auto- „Problem“ verknüpfe, muss ich dann heutzutage doch eher an eine Autoverleihfirma wenden?

Der Kümmerer

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