Gestern haben wir Bilder aufgehängt

Dabei habe ich über Änderung von Wohngewohnheiten nachgedacht

Das kam so: durch das Umräumen, das für das Installieren der 3er-WG notwendig geworden war, mussten viele unserer liebgewordenen Bilder abgehängt werden. Außerdem – und darauf will ich später noch zurückkommen, unterscheidet sich der Geschmack meiner Enkel – was Bilder betrifft – ziemlich stark von dem meinen. Auf die Frage, ob ich wirklich alle wieder aufhängen möchte, äußerte ich ein (zugegebenermaßen ziemlich heftiges) JA.

Dann ging’s darum, etwas Ordnung in die herumstehenden und -liegenden Haufen zu bringen und möglichst passende Orte zu finden, wo sie sinnvollerweise einander gegenüber oder nebeneinander hängen sollten. Es war nicht ganz einfach, denn auch die Größe der Bilder musste berücksichtigt werden. Letztlich musste ja auch an die Optik gedacht werden.

Eine grobe Zuordnung war nach einigem Hin- und Her endlich getroffen, und jetzt ging’s ans physische Befestigen an der Wand.  Dazu war ein Bohrer, Dübel, Nägel unterschiedlicher Größe, selbstverständlich Hammer, Zange et. etc. vonnöten.  Über Hammer und Nägel verfügt ich gerade noch – aber der Rest? Also rückte mein Schwiegersohn – handwerklich von seinem Vater geschult – mit einer Vielzahl von notwendigen Geräten an.  Beim ersten Bild stellte auch er, bei Berücksichtigung aller Notwendigkeiten fest, dass wir keine Wasserwaage hätten. Die diesbezügliche App auf dem Handy erwies sich als nicht sonderlich praktikabel für diesen Zweck, also mussten wir uns aufs Augenmaß verlassen ob die Bilder nun grad oder schief hingen.  Ich glaube wir haben es dann letztlich doch recht gut geschafft.

Leicht war’s nicht: unserer Räume sind hoch, und Bilder mussten auch „hoch“ – also auf der Leiter turnend – aufgehängt werden. Und schwer waren manche dieser Bilder auch, womit haltbare Befestigungen angebracht werden mussten, die Bilder hinauf gehievt werden etc. Ich war ja nur observierend zugegen, halt auch um genaue Standorte anzugeben. Möbel mussten verschoben (und später wieder zurückgerückt) werden, um die große Leiter an die Wände heranzubringen.

Mein Enkel und sein Vater (= mein Schwiegersohn) haben einige Stunden ziemlich schwer geschuftet, aber am Ende haben wir gemeinsam festgestellt, dass wir mit dem Ergebnis zufrieden waren.

Und ich hatte zwischenzeitlich Gelegenheit darüber nachzudenken, wie sich der Einrichtungsgeschmack seit meiner Jugend verändert hat.  Als wir unsere erste Wohnung bezogen, war es selbstverständlich eine Küche zu haben, einen abgetrennten Raum, wo man „fuhrwerken“ konnte. Z.T. waren damals – aber eher am Land – noch so genannte Wohnküchen üblich, in denen sich das gesamte tägliche Leben abspielte. Diese abgesonderten Küchen waren halt für Haushalte mit einer Köchin konstruiert, über die sich heutzutage nur noch wenige freuen können. Der Nachteil einer derartigen abgetrennten Küche ist die Tatsache, dass die Hausfrau bei der Zubereitung der Mahlzeit von den anderen abgesondert ist, aber auch von eventuellen (Klein)-Kindern, die eigentlich ständig die Aufmerksamkeit der Mutter erfordern.  Soweit ich das feststellen kann, sind auch Gehschulen nicht mehr „in“ (Argument: Gitterstäbe dürfen Kinder nicht einengen).  Also ein Dilemma. Heutzutage sind also Küchen in Wohnräume integriert. Mich würde es nicht freuen, denn wenn man in einer derartigen Küche kocht, muss man ständig alles wegräumen. Außerdem – in einer Küche, in der ordentlich gekocht wird, riecht es: manche mögen Zwiebelgeruch, Geruch gedünsteten Krauts, Knoblauch etc. Mein Mann konnte Küchengeruch nicht leiden, ich musste immer die Küchentür geschlossen halten.  Heute muss man einen ordentlichen Abzug installieren, die die Gerüche absaugt …

Ein weiterer Unterschied, der mir auffällt, ist, dass viele junge Leute keine Vorhänge mögen, sie ziehen Jalousien vor. Ich – altmodische Person – mag duftige Stores (ja, ja, ich gebe zu, man muss sie häufig waschen) und halt schwere Übervorhänge (möglichst gefüttert).  Ich finde, dass sie einen Raum wohnlich machen. Das Aussuchen der Stoffe und Farben – das habe ich immer gerne gemacht und es hat mich gefreut, sie hängen zu sehen. Man kann auch „ohne“ auskommen, aber das Hereinschauen des Gegenübers ist dann nicht ganz auszuschließen – aber vielleicht ist man damit geselliger?

Auch Teppiche sind nicht mehr so gefragt. Selbst in meiner Generation wurden sie durch so genannte Teppichböden ersetzt. Die sind auch schon wieder „passé“ und man schätzt derzeit eher nackte Holzböden (möglichst Parkett). Ich finde, dass damit die Wohnungen lauter sind, aber bitte. Ich habe gerade einen alten Teppich restaurieren lassen, einfach weil er mir gefällt.

Die Biedermeiermöbel, so geschätzt in meiner Generation, finden jetzt gar keinen Gefallen bei den Jungen.  Wie habe ich mich bemüht, nur solche aus Kirschholz – zizerlweise – zu erwerben. Ich gebe zu, schon mein Mann konnte die fragilen Sessel nicht leiden – ich bestand darauf.  Und jetzt hab‘ ich das Problem, dass die wunderschönen Empire-Betten meinen Enkeln zu kurz sind!

Jedenfalls bin ich froh, dass die Bilder wieder hängen und die Wohnung wieder – zumindest in meinen Augen – wieder wohnlicher ausschaut – andere finden sie vielleicht ang’räumt und altmodisch, aber mir g’fallt’s.

Gestern haben wir Bilder aufgehängt

2 Gedanken zu “Gestern haben wir Bilder aufgehängt

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