Zum großen Rückreise-Stau

an der slowenisch-österreichischen Grenze – 22/23. August 2020

Nicht, dass ich vorhätte, große Reisen quer durch Europa anzutreten, aber es betrübt mich schon, dass überall wiederum die Grenzen dicht gemacht werden, und wiederum ist es keine europäische Aktion, sondern sind es, die einzelnen Länder, die die Rückkehrer aus manchen Nationen in Quarantäne schicken.

Wurde denn noch immer nicht erfasst, dass ein Virus an der Grenze nicht halt macht, an keiner Staatsgrenze, an keiner Bundesländergrenze. Ich war ja nicht betroffen, aber jene Reisenden, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag (22/23.8.2020) an der slowenisch-österreichischen Grenze standen, man liest zwischen 12 und 15 Stunden, werden sicher den österreichischen Behörden die Schuld geben. Viele Familien waren mit Kindern unterwegs, da man mit einer kürzeren Reise gerechnet hatte, ging vielen das Essen, aber auch das Wasser aus. Und sicher stand auch nicht eine ausreichende Menge von Toiletten zur Verfügung.  Da es für die Wartenden keine Versorgung gab wurde zeitweilige die Stimmung ziemlich aggressiv. Das Rote Kreuz rückte aus, um den Wartenden so gut wie möglich beizustehen.

Am Samstag (23. August) wurden wegen der steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Kroatien die Grenzkontrollen verschärft. Seitdem müssen nicht nur Einreisende einen negativen Test vorweisen oder sich in Quarantäne begeben. Auch alle Durchreisenden, die in Kroatien waren, mussten ein Formular ausfüllen und sich registrieren. Wo kamen die Formulare – welchen Inhalts, dann auch so schnell her – und war eine ausreichende Menge davon verfügbar? Ja, man konnte sie „herunterladen, aber viele Reisende wussten das halt nicht, vor dem Antritt ihrer Rückreise in die Heimat.  

Alles dies war durch diese kurzfristig erlassene Verordnung des Gesundheitsministeriums verursacht worden, wonach „Durchreisende aus Risikogebieten“ ein Formular vorweisen müssen. Die neue Regel für Transitverkehr aus Risikogebieten sei vom Gesundheitsministerium erst am Freitag (21. August) erlassen worden und den lokalen Behörden vorab nicht kommuniziert worden. Das heißt, man war nicht vorbereitet.  In Kärnten interpretierten die Gesundheitsbehörden das so, dass alle Inländer und Ausländer (auch die nur durchreisen) gecheckt werden sollen. Daraufhin mussten nicht nur Einreisende einen negativen Test vorweisen oder sich in Quarantäne begeben. Alle Durchreisenden, die in Kroatien waren, mussten ein Formular ausfüllen und sich registrieren. Das Gesundheitsministerium „dachte“ an Stichproben, die Kärntner interpretierten das anders und hielten alle an. Innen- und Verteidigungsministerium, die die Kontrollen durchführen, „fühlten“ sich nicht zuständig.

Spät – nämlich erst am Sonntagmorgen – sah der Landeshauptmann von Kärnten, Peter Kaiser, eine akute Gefahrensituation für die vielen Wartenden und ihre Kinder und ordnete an, Transitreisende nur mehr stichprobenartig zu kontrollieren. Die Wartezeit verkürzte sich, betrug aber am Karawanken-Tunnel, sowie bei dem kleineren Grenzübergang am Loiblpass noch immer mehrere Stunden.

So etwas dürfte doch in einem geeinten Europa selbst mit Corona nicht vorkommen. Dass Erlässe zu Anfang der Pandemie schlampig, ohne Berücksichtigung der sonstigen Gesetzeslage, verlautbart worden waren, kann man ja noch einsehen, niemand war vorher mit einer derartigen Situation konfrontiert gewesen.  Abe wie kann es jetzt noch passieren, dass ein Erlass, ohne klare Durchführungsbestimmungen in Kraft gesetzt wird. Man hätte doch wissen können, dass es zu verstärktem Rückreiseverkehr kommen würde.

Ich bin nur ein schlichter Staatsbürger (ohne genaue Kenntnis der Abläufe bei Verordnungen) aber ein paar Gedanken über die Durchführbarkeit (in erwartbaren Stresssituationen) – zusätzlich zur Überprüfung auf Gesetzeskonformität – hätte sich doch jemand machen müssen. Besonders da genau für Stresssituation ungeschultes Personal eingesetzt werden musste (Bundesheersoldaten).

Ich weiß schon, die Anforderungen ab alle Beteiligten sind hoch, und immer steht die Gesundheit der Menschen im Vordergrund. Die Gesundheit muss geschützt werden, eine Rückverfolgung bei einem auftretenden Fall möglich sein. Und es wurden auch bei bereits Rückgekehrten aus Kroatien Corona-Fälle entdeckt. Aber bei dieser Rückreisewelle handelte es sich doch in der Mehrzahl um Durchreisende.

Hinterher sind wir immer alle klüger. Aber ein bissel mehr Kommunikation würden wir uns schon wünschen, hätte man nicht rückfragen können, als sich der Stau immer weiter verlängerte? Ja, es war Wochenende, und wahrscheinlich nur ein Journaldienst im Ministerium vorhanden.

Eines ist sicher, unsere Nachbarländer, Slowenien, auch Kroatien besonders aber Deutschland werden von unserer Handlungsweise nicht gerade begeistert sein. Auch hier würde ich mir mehr Koordination erwarten, überfallsartige Aktionen sind kein Glück.

Und könnte nicht endlich in Brüssel jemand aufwachen und einige koordinierte Vorgansweisen entwerfen? Mir gefiele ja ein „europäisches Ampelsystem“, wie es unser Bundes-Rudi vorgeschlagen hat, schon recht gut, dann könnten sich alle dran halten und nicht jedes Land müsste alle anderen im Auge haben, und fragen , ob man von dort nicht die Einreise verschärfen müsste.

Ich würde auch hier gerne die Wort verwenden, die bisher an die Österreicher gerichtet worden ist, um sich an Corona-Regeln zu halten, um sie jetzt auch an die Institutionen in Brüssel zu richten: „Reisst’s Euch z’samm“ und vereinheitlich diese Chaos-Corona-Regelungen um die Wiederholung derartiger Vorkommnisse, wie an der slowenisch-österreichischen Grenze passiert sind, zu verhindern!

Niemand steckt gerne stundenlang im Stau – innerhalb Europas! Wir hatten das doch schon hinter uns!

Zum großen Rückreise-Stau

2 Gedanken zu “Zum großen Rückreise-Stau

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