Adieu, Susanne!

Ein trauriger Abschied

Gestern habe ich sie zufällig angerufen – und dabei erfahren, dass sie gestern früh, ganz plötzlich, ganz unerwartet von uns gegangen ist. Vorige Woche haben wir einander getroffen, in einer kleinen Gruppe. Sehr tapfer, sehr positiv hat sie uns erzählt, dass sie Krebs hätte und jetzt eine Therapie beginnen würde. Sie scherzte, dass aufgrund dessen wohl Haarausfall zu erwarten wäre, und diese dann nicht in der gewünschten Farbe nachwachsen würden. Sie war die Jüngste aus unserer kleinen Runde – sie ist nur 74 Jahre alt geworden.

Wir hatten einander kennengelernt, als wir beide vor vielen Jahren gleichzeitig in die Bank eingetreten waren. Wir arbeiteten in derselben Abteilung. Es waren damals noch wenig Frauen in der Computerbrache, in der wir beide tätig gewesen sind. Wir waren in unterschiedlichen Projekten eingesetzt.

Susanne kehrte nie ihre akademische Ausbildung hervor. Sie war blitzgescheit, aber sie ließ das andere nicht fühlen. Manchmal habe ich Susanne beneidet, sie konnte so viel besser mit Menschen umgehen als ich. Sie erreichte mit Lächeln und guten Worten, wofür ich kämpfen musste. Unser Karriereverlauf war ähnlich, beide – halt Frauen – stießen wir an die „gläserne Decke“, Susanne bekümmerte das weniger als mich. Selbst nachdem sie diesen berühmten Managementkurs in Fontainebleau aufgrund hervorragender Testergebnisse besuchen durfte (das gelang mir nie), wurde sie zwar allseits hochgeschätzt, aber nie in eine Management Position befördert.

Nach vielen Umstrukturierungen arbeiteten wir beide wieder letztlich in derselben Organisationseinheit zusammen. Die Gebiete waren wieder unterschiedlich, aber der Kontakt doch viel enger.

Ich kann mich gut erinnern, als sie nach Alland zog – das hatte große Vorteile, als dann endlich die Gleitzeit eingeführt wurde. Strahlend erzählte sie uns, wie sehr sie ihr Frühstück im Garten genossen hatte. Andererseits kämpfte sie im Winter mit hängengebliebenen Lastern, die die Allander Autobahn verstopften.  Wir haben sie dort auch besucht. Schließlich lag ja Alland auf dem Weg, wenn wir von Pernitz über den Hals nach Wien gefahren sind. Susanne liebte ihren Garten und erfreute sich an allem, was dort so wuchs. Sie brachte uns ihre getrockneten Äpfel ins Büro – zum Naschen. Sie waren wirklich köstlich.

Susannes großes Hobby war „Malen“. Sie fuhr gerne ins Stift Geras, wo sie Malkurse besuchte, um unterschiedliche Techniken zu erlernen. Letztlich – so glaube ich – hat sie sich aufs Aquarellmalen spezialisiert. Sie hat mir jedenfalls zu einem späteren runden Geburtstag ein einen gemalten Bougainvillea-Zweig geschenkt, weil sie wusste, wie sehr ich diese Pflanze mag. Auch das war „Susanne“, sie wusste viel über die Menschen ihrer Umgebung.

Susanne fand im Büro die Liebe ihres Lebens. Lang haben die beiden gewartet, bis sie dann endlich geheiratet haben. Sie waren einander sehr zugetan, respektierten einander und teilten eine große Leidenschaft: das Reisen.

In der Pension führte das dazu, dass die Winter in Guadeloupe verbracht wurden, der Rest des Jahres in Europa, einerseits in Alland, aber andererseits in gemieteten Ferienhäusern an interessanten, schönen Plätzen, oder auch auf Schiffen. All das war auch möglich, da Susanne in verschiedenen Sprachen sehr gewandt war, und immer neugierig auf bis dahin „Fremdes“ war. Überall fanden sich Freunde, mit denen sie ihre Interessen teilen konnte.

Bei einem der letzten Treffen hat sie mir zum Geburtstag Gewürze aus der Karibik mitgebracht, mit einer genauen Anleitung, wofür sie einzusetzen wären, da sie wiederum wusste, dass ich gerne koche. Ja, und nicht zu vergessen, einen Pareo aus Guadeloupe hatte sie auch für mich im Gepäck.

Ihr Lachen, ihre Fröhlichkeit, ihre Lebensbejahung, ja auch ihr gelegentlicher leichter humorvoller Sarkasmus werden uns allen abgehen.  

Wir vermissen Dich jetzt schon – liebe Susanne. Adieu!

Adieu, Susanne!

6 Gedanken zu “Adieu, Susanne!

  1. Kaya Licht schreibt:

    Ein wirklich einfühlsamer und umfangreicher Nachruf für Susanne. Ohne dieser Frau je begegnet zu sein, hinterlässt sie jetzt auch bei mir einen Eindruck.
    Sie müssen diese Frau wirklich sehr geschätzt – auch gemocht – haben, so fein haben Sie Susanne dargestellt.

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  2. Othmar E.R. PUSCH sen. schreibt:

    Liebe Christa, danke für Deinen einfühlsamen Blog. Genau so perfekt, wie ich Dich liebe Frau Professor Jahrzehnte (ich als Mathematiker im RZ & Du in der IT-ORGA … Stichwort: KIS-DB) in der ehemaligen CA-BV absolut schätz(t)e & kenne(kannte). Ich habe mir daher keck erlaubt (a) diesen Deinen werten Blog heute an Kurti (Gatte von Susanne) & Emmi (Ihr damaliger CA- & BA-ZBR) weiterzuleiten. Weiters haben wir (Ingrid, Gerhard, Kurt & meine Wenigkeit) auch einen Nachruf zu Susanne auf die Banker-HP http://www.pensis.net gestellt. Danke nochmals für die lieben Worte / Dein alter RZ-IT_Othi“ PS: Kommenden Mittwoch (9.IX.’20) ist das Begräbnis in Wien/Ober-St.Veit CORONA-bedingt darf/kann ich leider nicht dabei sein – in Gedanken bin ich aber sehr wohl dabei.

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    1. Lieber Othi,danke für Deie serh freundlichen Worte, natürlich freuen sie mich (aber bite Titel weglassen, ich verwende den Professor nicht). Ich beziehe meine Infos aus einer Facebook Gruppenamnes CA – friends of Creditanstalt. (In die pnesis werde ich in Zukunft hineinschauen) Ich werde wahrscheinlich über das Begräbnis berichten. Alles Gute inzwischen christa

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