Ein Geburtstag meiner Urenkelin

und die Vorschule beginnt

Meine Urenkeltochter hat Geburtstag. Es wird gefeiert: Selbstverständlich im Kindergarten, die Mutter bäckt eine Torte und die wird dorthin gebracht. Und das Kind bekommt eine selbstgebastelte Vase mit Rosen, eine Krone – geschmückt mit ihrem Kindergartenemblem, einer Rübe. Ja und dann gibt’s natürlich dem obligaten Kindergeburtstag in der Familie, die Großmutter hat als Geburtstagsgeschenk einen Clown eingeladen – der nicht nur allerlei Kunststücke vorzeigte, sondern auch zaubern konnte. Und weil es ja noch weitere Großeltern (sowie eine Urgroßmutter = nämlich mich) gibt, wird am kommenden Sonntag am Nachmittag, am Bisamberg noch einmal gefeiert. Zum Glück ist dieses kleine Mädchen ein eher bescheidenes Kind.

Und das wirklich große Ereignis ist aber nicht nur der Geburtstag, sondern die Tatsache, der Kindergarten zu Ende ist und die Vorschule beginnt. Und das scheint doch eine sehr ernsthafte Angelegenheit zu sein. Denn dafür gibt es Anforderungen: es muss ein Schüttelpennal mitgebracht werden, Buntstifte – zehn an der der Zahl, 1 Bleistift, ein Radiergummi und ein Dosenspitzer. Mir wurde diese Ausstattung als Geburtstagsgeschenk übertragen. Aber so ganz traute man mir diese Einkäufe nicht zu.

Meine Enkeltochter – die Mama der kleinen Vorschülerin – hatte ein Geschäft in Mariahilf ausfindig gemacht, ein Papierspezialgeschäft mit Schulabteilung. Wir trafen uns in der Mariahilfer Straße, meine Urenkelin mit ihrem neuen (zweirädrigem) Roller, da jener mit den drei Rädern an die kleine Schwester gegangen war. Ein prächtiges Stück – in rosa.

Ich war schon länger nicht in dieser Gegend gewesen und war über das quirlige (wurlerde) Leben auf der Mariahilfer Straße einigermaßen erstaunt. So viele Menschen, so viele lustige junge Menschen. Es stimmt schon, die Crowds in der Kärntnerstraße bestehen aus Touristen – die fehlen halt jetzt noch, jene in der Mariahilfer Straße sind einkaufende Wiener, aber auch Käufer aus den Bundesländern. Da hat sich aufgrund von Corona nicht so viel verändert.

Wir pilgerten in das Papiergeschäft in der Neubaugasse, auch hier keine Autos, nur Menschen.  Nicht ganz auf Anhieb fanden wir die Schulabteilung, wo wirklich alles zu finden ist, was man sich für einen Schulanfang vorstellen kann, und das in allen Farben und Ausführungen. Damit fiel die Auswahl wieder schwer. Letztlich einigten wir uns auf ein rosa (no na, ich weiß nicht, warum kleine Mäderln so auf Rosa fixiert sind) Schüttelpennal mit zwei Fächern, mit Pferdedekor – innen und außen, sowie einigen Glitzerelementen.  Meine Wahl wäre also ganz sicher nicht auf dieses Objekt gefallen. Die Buntstifte, laut dort tätiger Fachkraft sehr bruchsicher, wurden einzeln ausgesucht, bis alle gewünschten Farben beieinander waren. Einige Buntstifte – die erforderlichen für die Vorschule, die anderen für zu Hause, denn da wird ja auch gemalt, kamen noch dazu.   Dann noch ein paar Stifte für die kleine Schwester, die sich sonst die Stifte von der Großen „ausborgt“. Und dann noch eine Schachtel mit „Glitzerstiften“, das war dann das eigentliche Wunschobjekt. Selbstverständlich noch ein Spezialradierer, und der Dosenspitzer – da war die Auswahl wieder recht schwierig. Eigentlich fiel das Auge der Kleinen schon auf die Schultaschen, aber die kommen dann erst nächstes Jahr dran.

Was mir dabei auffiel – wir hatten doch gar nichts Besonderes eingekauft, aber die Kosten läpperten sich, was macht da eine Familie mit geringem Einkommen?

Und nach dieser anstrengenden Auswahl begaben wir uns zum Eis-Essen. Wir mussten ein Weilchen warten, bis endlich ein Tisch frei wurde. Die Auswahl war groß, bei der jungen Dame waren halt dann die Augen viel größer als der Magen. Obwohl sie Schlagobers auf zwei kleinen Kugeln bestellen durfte, schaffte sie es dann doch nicht, das alles aufzuessen. Aber weil ihre Mutter erwähnt hatte, dass sie Geburtstag hätte, war eine kleine Kerze in Form eines Herzerls auf ihrem Eis – das Anzünden erwies sich bei dem Wind ein bisserl schwierig. Außerdem bekam sie noch zwei hauseigene Rubbellose mit denen sie aber nichts gewann. Sie war dann doch ein wenig enttäuscht. Ich finde das sehr beachtlich, dass Kellner und Kellnerin – bei dem Wirbel der dort herrschte – es für nötig befunden hatten, auf den Geburtstag dieses Kindes Rücksicht zu nehmen.  

Aber dann kam ein Luftballonverkäufer vorbei – als Clown verkleidet. Die ohnedies schon schwer schleppende Mutter, meinte dennoch, dass es „für heute genug wäre“. Das wurde widerspruchslos akzeptiert.

Das einzige, was diesen Ausflug etwas eintrübte, man durfte einander nicht die Hand geben, man durfte einander nicht umarmen oder küssen. War auch für meine kleine Urenkeltochter schwierig, mir nicht damit danken zu können.

Ein Geburtstag meiner Urenkelin

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