Von der patzenden Feder zum spinnenden Laptop

Probleme mit Schreibgeräten

Geht’s Ihnen zuweilen auch so? Ihr elektronisches Gerät, welches auch immer, das sie dringend funktionsfähig benötigen, um eine Arbeit fertigzustellen, beginnt mit Ihnen zu „reden“ – d.h. Nachrichten an Sie zu schicken, die Ihnen weitgehend unverständlich sind – und wenn Sie darauf nicht reagieren – nicht weitertut – wie Sie es eigentlich erwarten oder benötigen.

Ich werde dann fuchsteufelswild und setzte die wahrscheinlich völlig falschen Aktionen. Dann rufe ich meist verzweifelt meinen Computerguru an, der dann – sobald er Zeit hat (eh meist bald) – die richtigen Aktionen setzt, bis das Zeugs halt wieder „normal“ funktioniert. Die abzuliefernde Arbeit hat sich dann natürlich verzögert!

Wie war denn das eigentlich früher. Da schrieb man noch mit Bleistift und Feder. Bleistifte konnten abbrechen, aber es reichte, wenn man sie dann spitzte. Federn musste man noch in Tinte eintauchen, da konnte es schon passieren, dass man „patzte“ und einen Tintenkleks auf einem Brief platzierte. Naja, diesen Brief oder ein anderes Schriftstück musste man dann auch noch einmal schreiben. Außerdem der Schreibfluss war schon unterbrochen, durch das ewige Eintauchen ins Tintenfass.  Ich habe noch mit Federn zu schreiben gelernt.

Und wie war das denn dann, wenn man noch etwas einfügen wollte? Da musste man auch komplett wieder von vorne anfangen. Man war mindestens genau so wütend, wie man jetzt ist, „wenn das Graffel wieder einmal nicht ordnungsgemäß funktioniert“, dass man die mühsame Arbeit wiederholen musste.

Später hatte man dann schon eine Füllfeder, auf meine erste war ich besonders stolz, ich benutzte sie sehr lange, bis sie mir später – im Büro – entwendet wurde, ich habe ihr nachgetrauert. Man musste die Tinte einpumpen. Bevor man eine Schularbeit zu schreiben hatte, musste man sicherstellen, dass die Füllfeder ordnungsgemäß gefüllt war, denn wenn während des Schreibens dieser Schularbeit die Tinte ausging, war das eher schon peinlich, denn zu dieser Zeit gab es dann schon keine Tintenfässer mehr in den Pulten.  Später gab es Tintenpatronen für die Füllfedern, und da konnte man eine Reservepatrone einstecken – aber wenn man die vergessen hatte – oje, oje.

Meine Mutter hatte dafür gesorgt, dass ich Stenographieren lernte, das war ein sehr ungeliebtes Freifach, und natürlich – Schreibmaschineschreiben, in den Ferien!!!!  Da schaffte ich die Abschlussprüfung gerade noch. Die Arbeiten an der Universität mussten mit der Maschine geschrieben werden. Wohlhabende Studenten konnten es sich leisten, diese Arbeiten von „Fachkräften“ abtippen zu lassen. Zu dieser Gruppe gehörte ich leider nicht. Es war ja nicht nur das Tippen, es waren die Kopien (Durchschlagspapier etc.) die ebenfalls angefertigt werden mussten. Es gab noch keine, gar den Studenten zur Verfügung stehende Kopiermaschinen. Diese Umsetzung von meinen handschriftlichen Unterlagen machte mir mehr Mühe, als das inhaltliche Schreiben. Korrigiert sollte nicht werden, eingefügt konnte nichts werden … Damals nahmen wir es mit den Fußnoten noch nicht ganz so genau, denn die waren der größte „Hund“, denn sie mussten möglichst auf derselben Seite erscheinen.

Und nur noch kurz ein Ausflug: auch das Recherchieren war viel komplizierter ohne Google und Wikipedia. Wir mussten uns Bücher in Bibliotheken besorgen, das war gar nicht so einfach, denn man musste sie in großen „Zettelkatalogen“ suchen. Zeitschriften war noch unbequemer, denn es gib sie noch nicht auf Microfiche, wie dann später. Daher schrieb man nichts von anderen ab – denn „copy-and-paste“ standen erst späteren Generationen von Studenten zur Verfügung.

Die Schreibmaschinen hatten selbstverständlich auch ihre Tücken. Mein Mann war einmal so wütend, weil er mit einem neuen Farbband nicht zurechtkam, dass er mit der Faust auf die Maschine eindrosch.  Das Ergebnis war eine kaputte Maschine und eine verletzte Hand.

Im Büro kämpfte ich darum, ja nicht für jemand anderen (meist männlichen Wesens) etwas auf der Schreibmaschine „schreiben“ zu müssen. Es gelang mir ganz gut, genau so wenig wie ich Kaffee kochte und servierte. Aus einer derartigen Position kam man dann nur sehr schwer heraus. Im Gegenteil, ich versuchte immer, eine „anteilsmäßige“ Sekretärin zu haben, die meine Briefe, Berichte etc. in anständiges Format brachte. In den Anfangsphasen meiner Computertätigkeit musste ich noch selber meine Programme in Lochkarten „punchen“ (=stanzen).

Ich habe mich lange gewehrt, mithilfe von Tischcomputern meine Texte selbst zu schreiben. Aber irgendwann „wurde ich überwunden“. Eine Sekretärin führte mich ein – und seither schreibe ich kaum mehr etwas mit der Hand. Meine Handschrift ist seitdem leider etwas „verkommen“ und meist nur mehr von mir selbst zu lesen. Ich scheue mich, Briefe mit der Hand zu schreiben, obwohl das die „Etikette“ in manchen Fällen erfordert.

Und unter diesen Umständen muss man halt in Kauf nehmen, dass der Laptop halt zuweilen seine „Stimme erhebt“ und seine Rechte geltend macht. Alleweil noch besser, mit Wikipedia und Word arbeiten zu können, als mit Zettelkatalogen und (patzenden) Federn oder klemmenden Schreibmaschinen.

Für diesen Fortschritt bin ich ehrlich dankbar!

Von der patzenden Feder zum spinnenden Laptop

2 Gedanken zu “Von der patzenden Feder zum spinnenden Laptop

  1. Es gibt viele Berufe, die für den Computer sehr dankbar sein müssen. Ich habe z.B. den Originalkaufvertrag meiner Urgroßeltern für ein ein Grundstück in Lübeck. Der Vertrag ist noch handschriftlich in einem Notariat verfasst, mehrere Seiten sowieso. Vermutlich wurde er noch mit einer Feder geschrieben. Es gibt sicher nicht nur eine Ausfertigung davon. Heute wird ein Vertrag vom Notariat verlesen. Wenn dabei etwas auffällt, was geändert weden soll, wird das Dokument einfach im Computer geändert und neu ausgedruckt.

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