Elegie auf meine Schultasche

eine „klassische“ Lederschultasche halt – sehr langlebig und vielseitig einsetzbar

Eine Schultasche ist eine auf dem Rücken getragene Tasche zum Transport von Schulmaterialien, ähnlich einem Rucksack oder Tornister. Historisch hat sich die Schultasche aus dem Rucksack (Tornister), dem Kalbfell- und Segeltuchtornister des Soldaten entwickelt. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand die Schultasche allgemeine Verbreitung. Bis Mitte der 1970er Jahre wurden Schultaschen fast ausschließlich aus Leder und Leinen, teils zusätzlich mit Fell (meist Kalbs- und Kuhfell) kaschiert, gefertigt. Seit Mitte der 1970er Jahre werden Schultaschen überwiegend aus textilen Geweben und Kunststoffen hergestellt Die körpergerechte Leichtschultasche aus Nylon geht auf eine Erfindung des Österreichers Georg Essl III. zurück.

Traditionell unterscheiden sich die Schultaschen für Mädchen und Buben. Bei der traditionellen Schultasche aus Leder oder Leinen hatte die Ausgabe für die Buben eine lange Klappe, der für Mädchen hingegen eine kurze. Die traditionelle Schultasche für Buben war mit Riemchen (Rollschließen) ausgestattet, die im Laufe der Zeit durch Steckschließen ersetzt wurden. Die traditionelle Schultasche für Mädchen besaß demgegenüber sich auf der Klappe kreuzende Riemen, die dem Verschließen der Schultasche dienten. Die traditionell geschlechtsspezifisch ausgerichtete Gestaltung von Schultaschen hat sich weitestgehend erhalten: Heute richtet sich die überwiegend kindlich bunt gehaltene Motiv- und Farbgebung der Schultaschen entweder auf  Buben  (zum Beispiel Autos, Ritter, Fußball) oder auf Mädchen (rosa Feen, Elfen, Pferde). Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit werden Schultaschen zusätzlich oft mit Signalfarben und Reflektoren ausgestattet. Die meisten modernen Schultaschen haben an der Außenseite zusätzlich kleinere Außentaschen, etwa zur Aufbewahrung einer Trinkflasche oder Brotbüchse – oder eines Handys.

Heutzutage wird auf Ergonomie großer Wert gelegt (zurecht). Als Faustregel gilt für normalwüchsige, gesunde Kinder, dass das Gewicht der zu tragenden, gefüllten Schultasche zehn Prozent des Körpergewichts des Kindes nicht übersteigen sollte. Schultaschen sollten Kindern anatomisch angepasst sein, Hochformate sind hier günstiger als Querformate. Sie sollten nur am Rücken getragen werden, nicht in der Hand, am Bauch oder sogar um den Hals. Die Tragriemen sollten beim Tragen angezogen sein.

Eine Variation der Schultasche ist der Schulrucksack, der, mit seiner weichen Beschaffenheit auf gesunde Körperhaltung, Gewichtsverteilung und Tragekomfort ausgelegt, eine Weiterentwicklung des Wanderrucksacks ist. Der Schulrucksack wird heute von vielen Kindern, Schülern und Studenten als Transportmittel für Schul- und Lernmaterialien verwendet.

Gar nicht so leicht haben es die Eltern heute, als ich gestern im Spezialgeschäft für Schulausstattung die Schultaschen angeschaut habe. Ganz schön teuer sind sie auch, und in großer Vielfalt werden sie angeboten, die Schultaschen.

Als ich (in grauer Vorzeit) in die Volksschule gekommen bin, habe ich eine lederne Schultasche bekommen. Sie hat eher ausgesehen, wie die Aktentaschen, die früher die Herren ins Büro begleitet haben, in denen aber nur meist die Jause eingepackt war. Riemen hatte sie halt auf der Rückseite, damit man sie umhängen konnte. Eine derartige Vielfalt – so wie heute – gab’s nicht. Aber natürlich habe ich mich darüber gefreut – und sie hat mich dann bis in die Studienzeit begleitet. Anfänglich wurde ihr Inhalt täglich von meiner Mutter überprüft, es durfte nur mitgenommen werden, was am jeweiligen Tag gebraucht wurde. Später gab es nicht sonderlich viel zu schleppen, denn in der Unterstufe hatten wir kaum noch Schulbücher  (die mussten – nach der Nazizeit inhaltlich erst neu konzipiert werden, und Papier war auch rar!).

Meine Schultasche konnte selbstverständlich vielfältig eingesetzt werden, denn sie war sehr robust. Als ich in der Kriegszeit in Oberösterreich in die Schule ging, lagen der Ort und die Schule auf einem Hügel, wir haben im Tal in einer Hammerschmiede gewohnt. Im Winter – und die waren damals ziemlich schneereich, bin ich halt auf dieser Schultasche sitzend ins Tal nach Hause gerodelt

Später, als wir uns schon sehr erwachsen vorkamen (also Teenager waren, aber das Wort gab es damals noch nicht – wir waren noch Backfische), galt es als extrem unschick (auch uncool sagte man damals noch lange nicht) die Schultasche am Rücken zu tragen. Man trug sie am Henkel in der Hand, oder unterm Arm, aber sicher nicht am Rücken.   

Auch die Jause wurde in der Schultasche befördert, meist allerdings in einem wiederverwendeten Papiersackerl. Da musste man schon sehr aufpassen, dass das Schmalz der mitgeführten Schmalzsemmel keine Fettflecken auf die Hefte machte.

Die Schultasche wurde zuweilen vom Turnsackerl begleitet. Dieses hatte allerdings die Eigenschaft – des Öfteren – sehr zum Leidwesen der Mutter – verloren zu gehen. Dann mussten halt neuerlich ein weißes Leiberl, eine schwarze Klothhose und Turnpatschen angeschafft werden. Da wir nicht gerade wohlhabend waren, war dieser Vorgang meist mit einer Strafe verbunden.

Was letztendlich aus meiner Schultasche wurde, nachdem sie im Laufe ihres Dienstes mehrfach repariert werden musste, daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern.

Die Schultaschen meiner Enkel und Urenkel werden sicher kein so langes Leben haben, wie dies meine Schultasche gehabt hat.

Elegie auf meine Schultasche

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