Der Konflikt Armenien – Aserbaidschan

Sehr alt – und doch 2020 neu aufgeflammt

Ich finde jeden Krieg schrecklich, egal, wo er stattfindet. Und besonders betrübt er mich, wenn er in einem Land stattfindet, das ich schon einmal besucht habe. Im Moment ist es die Auseinandersetzung zwischen Armenien und Aserbaidschan. Leider habe ich Armenien nie besucht, aber eine Menge darüber gelesen. Aserbaidschan habe ich bereist, und es ist noch nicht einmal so lange her. Von dort sind mir jedenfalls die Heldenfriedhöfe bekannt, die im Rahmen eines Besuchsprogrammes gezeigt wurden. Es waren die Gräber vieler, vieler junger Männer, die „für ihr Vaterland gefallen“ sind, die teilweise geschmückt an prominenter Stelle z.B. in Baku zu finden sind. Und jetzt werden wieder neue dazu kommen – ich lese, dass bereits Soldaten (als Helden bezeichnet) „gefallen“ sind.

Dieser Konflikt ist nicht neu. Es gibt ihn schon sehr lange. Es geht um die Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen. Berg-Karabach (oder Nagorni-Karabach) geistert schon lange durch unsere Nachrichten, aber auch Geschichtsbücher.  Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Der Konflikt um die Region entbrannte nach dem Ende der Sowjetunion 1991, in der Berg-Karabach den Status einer autonomen Region der UdSSR innehatte. 1992 brach Krieg um das Gebiet aus, in dem in den folgenden zwei Jahren etwa 30.000 Menschen getötet und Hunderttausende Menschen vertrieben wurden. Aserbaidschan hatte damals die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren. Eine 1994 vereinbarte Waffenruhe wird bis heute immer wieder gebrochen. Aber zum ersten Mal seit diesem Waffenstillstand vom Jahr 1994 wird neuerlich entlang der Konfliktlinie gekämpft. Es gibt Tote und Verletzte.

Diesmal verhängte Armenien zuerst das Kriegsrecht, später folgte auch Aserbaidschan, wobei dort der Kriegszustand nur für einige Landesteile gilt. Für die schwerste Eskalation seit Jahren machen sich beide Seiten gegenseitig verantwortlich.

Die Eskalation im Südkaukasus hängt auch mit einer gewissen Frustration in Baku zusammen. Selbst nach 30 Jahren und ungeachtet zahlreicher Friedensverhandlungen hat man das Territorium, das völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt ist, nicht zurückbekommen. Bakus Priorität war immer, diese Frage innerhalb der anerkannten Grenzen zu lösen. Seit 28 Jahren wird seitens Aserbaidschan versucht, das Problem friedlich zu lösen, aber es klappt nicht. Deshalb führe man jetzt den „Gegenangriff“ durch. Auf der anderen Seite konnte Armenien seine Kontrolle über Berg-Karabach konsolidieren, während sich der Friedensprozess unendlich hinzieht. Armenien hat jetzt zwei Optionen: Maximale Mobilisierung, um den aserbaidschanischen Angriff zu erwidern und dem Gegner möglichst viele Verluste beizubringen. Oder in Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft versuchen, die aserbaidschanische Führung zu besänftigen. Eriwan wolle Baku aufzeigen, welch überaus hoher Preis für die Eskalation im Sinne von militärischen Verlusten und Menschenleben gezahlt werden müsse.

In Aserbaidschan hofft man auf militärische Erfolge und kann sich eine weitere Waffenruhe nur unter „absolut neuen Bedingungen“ vorstellen, „mit einem festen Zeitplan des Waffenabzugs aus besetzten aserbaidschanischen Gebieten, alles streng nach vier früheren Beschlüssen des UN-Sicherheitsrates.“

Eine Waffenruhe ist schwer vorstellbar, denn es setzt ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Vertragspartnern und Vermittlern voraus. Und im Moment gibt es null Vertrauen zwischen Eriwan und Baku.

Ein gewichtiger Grund für die Eskalation liegt auch in der internationalen Lage, die sich seit dem Waffenstillstand 1994 dramatisch verändert hat. Denn nun fehlt die USA als koordinierender Faktor und es mischen Russland, die Türkei und der Iran mit

.  Gemeinsame internationale Bemühungen, die Eriwan und Baku genug Sicherheit versprechen könnten, um in einen friedensrelevanten Dialog einzusteigen, seien „abwesend“. Da suche man lieber einen „geopolitischen Patron“, als einen diplomatischen Weg ohne „solide internationale Basis“. Die Situation ist daher auch deshalb so gefährlich, weil es international derzeit keine Kräfte gebe, die genug Druck für einen Waffenruhe aufbauen könnten. Außerdem bleibt die Frage, wie weit die Türkei bei ihrer Unterstützung Aserbaidschans gehen werde: Empathie und Solidarität mit Aserbaidschan waren schon immer da, aber nun wachsen sie zu aktiveren Formen der Unterstützung, einschließlich militärischer Hilfe. Das Potenzial für weitere Eskalation und die Einmischung anderer Staaten in den Konflikt ist durchaus vorhanden, es sei denn, beide Seiten könnten ihre Auseinandersetzung nach wenigen Tagen mit einem „Erfolgsnarrativ“ beenden.

Während meiner Reise nach Aserbaidschan besuchten wir die Grenze zu Berg-Karabach. Erkennbar war das auch an dem dort stationierten Militär. Diese Gegend war traumhaft schön, bewaldete Hügel, freie Wiesen, ein See … Fast wie bei uns im Salzkammergut. Ich könnte mir das als touristisches Paradies vorstellen, wenn nicht grad Krieg dort herrscht!

Der Konflikt Armenien – Aserbaidschan

Wie es weitergeht

Nach meinem Hineinfall

Vorweg möchte ich allen danken, die meine Beiträge im WordPress (Twitter, Facebook bzw. Google) gelesen haben und mir auch so freundlich darauf geantwortet haben. Die Freundlichkeit und das Mitgefühl, das ich erfahren darf, sind sicherlich auch eine große Stütze. Den Verlust – so versichern mir auch meine betroffenen Kinder – werden wir verschmerzen. Wir sind alle gesund geblieben. Aber Zuspruch freut!

Mein Leben läuft derzeit etwas „anders“ – als gewohnt – ab. Durch die Betrügereien, die ich unter „Warnung“ beschrieben habe, verfüge ich über kein Bargeld, keine Bankkarten, keine Kreditkarten. Ich habe auch die Jahreskarte der Wiener Linien eingebüßt, oder die ÖBB Vorteilskarte für Pensionisten und auch den Führerschein.  Ich habe keine Karte mehr, um mich als ehemalige Angestellte bei der meiner Bank ausweisen zu können. Ich habe meine „Jahreskarten“ für das Kunsthistorische Museum, für die Albertina, aber auch für das Leopoldmuseum auf diese Art „verloren“. Ich kann nichts einkaufen, ich kann keinem Bettler, mag er mich kennen und noch so treuherzig dreinschauen, keine Münze in die Hand drücken …. Ob ich am Sonntag Geld für den Klingelbeutel in der Kirche haben werde, weiß ich noch nicht.

Ich brauche auch keine Handtasche, was soll ich reintun? Das (verbliebene) Handy und die neuen Schlüssel (die Schlösser sind schon ausgetauscht) haben auch im Mantelsack Platz. Dumm war heute nur, dass doch auch die sonst immer vorhanden Maske natürlich nicht dabei war.

Mir geht es in dieser Situation nicht schlecht. Esswaren sind im getrockneten und gefrorenen Zustand vorhanden (da sind noch „Corona-Reste“ vorhanden). Wir werden nicht verhungern. Wasser – warm und kalt – gibt’s, Gas, Licht und Wärme sind auch vorhanden.  Also keine Notsituation – wie bei einem Blackout beschrieben. Eigentlich fühle ich mich erleichtert.  Seltsam, wie „Dinge“ und zahllose Möglichkeiten doch belasten können. Ich kann keinen Spontankauf machen (allerdings neige ich eh nicht dazu), ich brauche nicht drüber nachdenken, was denn so unbedingt zu besorgen wäre. Es ist ein wenig „Freiheit“ dabei.

Ich weiß, dass das kein Dauerzustand ist. Die gesperrten Karten werden irgendwann wieder ersetzt werden (also ich schätze, dass das ca. eine Woche dauern wird). Dann kann ich ja das „frühere Leben“ wieder aufnehmen.

Zwischenzeitlich schlage ich mich damit herum, alle Stellen, die diese Dokumente ausgestellt haben, davon zu informieren, dass ich Ersatz benötige. Das ist mühsamer als man denken könnte. Bei Telephonnummern wartet man endlos, E-Mail-Adressen sucht man vergebens (ÖBB), und den Formularen, die man auf diversen Home-Pages finden kann, kann man nichts beilegen. Ich fürchte, ich werde zu den verschiedenen Stellen pilgern müssen, um alle notwendigen Ausweise etc. wieder zusammen zu bekommen. Ich könnte ja warten, ob die Verbrecher (oder muss ich mutmaßliche Verbrecher sagen?) diese Unterlagen wegwerfen, was manche tun und eine freundliche Seele macht sich die Mühe sie abzugeben. Aber darauf zu hoffen, reicht halt leider nicht.

Vielleicht darf ich Sie noch auf eine Broschüre aufmerksam machen, die ich von der Polizei jetzt erhalten habe: „Gemeinsam. Sicher in den besten Jahren (es gibt auch einen Link dazu: www.gemeinsdamsicher.at) Man sollte hineinschauen (z.B. unter „Trickbetrügereien“). Vielleicht sollte überhaupt eine Liste von Varianten der Trickbetrügereien zusammengestellt und immer erweitert werden, die abgefragt werden kann.  

Mir werden derzeit – besonders aufgrund einer Notiz in einer Gratiszeitung – aus allen Ecken und Enden Erzählungen über erfahrene Betrügereien mitgeteilt.  Vielleicht, wenn das dann alles vorüber sein wird, werde ich sie Zusammenstellen und noch einmal verlautbaren.

Nur noch eine klitze-kleine Bemerkung zu der Notiz in der Gratiszeitung: ich wurde als „Frau von TC und Mutter von CC“ vorgestellt. Ich habe mein ganzes Leben eigenständig gearbeitet, ich schreibe meinen Blog ohne auf meine diesbezüglichen familiären Verhältnisse hinzuweisen. Ich wünsche mir als das wahrgenommen zu werden, was ich bin – und nicht wer ich in Verbindung mit wem bin. Aber vielleicht macht das eine Story „interessanter“ (schade!).

Wir sollten uns als Gesellschaft gegen diese wirklich professionellen Betrüger besser wehren können. Aber da müssten wir, jeder von uns, beginnen, keine Daten in den sozialen Medien weiterzugeben. Ich gebe zu, in meinem Blog lebe ich auch sehr „öffentlich“ und man kann durch Kombination von unterschiedlichen Datenquellen sehr viel über jeden von uns herausfinden. Wie wir alle wahrhaben sollten: z.B. Facebook oder Twitter etc. wissen mehr über uns als unsere langjährig vertrauten Angehörigen. Und die Verbrecher sind bestens geschult, psychologisch und auch sonst.

Ich bin ja wirklich gegen einen Überwachungsstaat, aber manche der Tools, die wir alle immer wieder so vehement ablehnen, hätten bei dem Kampf gegen diese „G’fraster“ schon ihre Berechtigung.

Wie es weitergeht

Warnung (Teil 2)

Profis bei ihrer Arbeit

Ich befinde mich in meiner Wohnung inmitten einer vermeintlichen Verbrecherjagt am Telefon. Der Anrufer erklärte mit harschen Worten, dass ich verpflichtet wäre der Polizei zu helfen, und ich könnte nur auf der Straße ausreichend beschützt werden, gleichzeitig würde sich dadurch der letzte freie Täter zeigen.  Ich sollte die gesamte Zeit das Handy am Ohr halten und ja mit niemandem sprechen. Ich stand also vor dem Haustor und der wurde telephonisch angewiesen, die Schwarzenbergstraße entlang zu gehen. Als ich vor dem Café Schwarzenberg stand, fragte ich wohin ich nun gehen sollte. Durch den Straßenlärm war ich nicht in der Lage, die Anweisungen zu verstehen. Geschützt durch den Eingang fragte ich: links – rechts – geradeaus?   Der Anrufer schien verwirrt und gab mir trotzdem konkrete Anweisungen, was ich genau zu tun hätte. Ich fühlte wie in einer pervertierten Schnitzeljagd unsicheren Ausgangs.

Natürlich wäre es jetzt am gescheitesten gewesen, wieder nach Hause zu gehen, aber der Anrufer drangsalierte mich mit Aussagen wie „Achtung sie werden verfolgt – halten sie sich an meine Anweisungen, dann sind sie sicher. Ich ging also den Ring entlang Richtung Wollzeile, als ich plötzlich aufgefordert wurde, in die Fichtegasse einzubiegen, dort würde mein „Beschützer“ (der Bote von vorhin) auf mich warten. Er kam ein Weilchen nicht. Ich erklärte meinem Anrufer, dass ich dem Boten nicht als meinen Beschützer ansah und der wies darauf hin, dass er ja in meiner Wohnung gewesen wäre – und mich auch nicht erschossen hätte. Beide, der Anrufer und mein Begleiter forderten mich dringend auf, dass ich ihm meine Handtasche – in der die Wertsachen enthalten waren, übergeben solle. Es wurde von beiden Seiten pausenlos auf mich eingeredet, “sie müssen unbedingt unseren Anweisungen folgen, denn nur so können wir sie beschützen“. Immer wieder – wie ein Trommelfeuer – wurde immer wieder von dem Anrufer mein Name wiederholt. Ich wies darauf hin, dass ich die Tasche sicher nicht abgeben würde, er könne neben mir gehen und die Tasche halte, die aber über meiner Schulter hing. Nun versuchte man mir zu erklären, dass ich im Falle, dass ich die Tasche selbst trüge, vom Täter angeschossen würde und wenn der Begleiter die Tasche trüge, dieser eher verletzt würde.

Ich wollte mich beim Boten einhängen, aber das wurde wiederum aus „Sicherheitsgründen“ abgelehnt. Diese Tatsache wurde von einer jungen Frau interessiert beobachtet – es wirkte ja wie ein Streit – aber leider habe ich sie nicht um ihren Namen gebeten, das war in der Gegend des Oberstufengymnasiums Hegelgasse. Kurz darauf kam ein Anruf – einerseits an den Begleiter und mir wurde „Notlage“ entgegengeschrieen. Der Begleiter riss sich von mir los, entnahm mir die Tasche und rannte davon – zu seinem Auto. Wie mir der Herr am Telefon erklärte musste er das tun um die „Verfolgung aufzunehmen“. Ich kann einem 25jähringen leider nicht mehr nachlaufen – er lief die Hegelgasse Richtung Marriott davon.

Der Anrufer versuchte mich zu beruhigen, die Tasche würde gleich zu mir zurückgebracht werden, ich möge nach Hause gehen und vor dem Haustor warten. Ich wies darauf hin, dass ich keine Schlüssel hätte (die wären in der Tasche, ebenso wie Geldbörse und natürlich alle weiteren Wertgegenstände). Ich war einigermaßen wütend (wahrscheinlich auch auf mich selbst) und brüllte herum, worauf er erklärte ich wäre hysterisch (no na) und ob er nicht (fürsorglich) eine Rettung rufen solle.

Der immer noch mit mir verbundene Anrufer versprach, dass der junge Mann doch bald vor meiner Haustür auftauche würde, und ich meine Tasche dann zurückerhalten würde. Ich wartete – leider zu lange – und drohte zur Polizei zugehen. Natürlich kam der junge Mann nicht. Endlich brach ich die Verbindung zu dem Anrufer ab – er rief dann, entgegen den bisherigen Vorgangsweisen auch nicht mehr an.

Hierauf begab ich mich in nächstgelegene die Polizeistation. Dort nickte man nur, als ich meine Geschichte zu erzählen begann – es schien den Polizisten und Polizistinnen dort ein bekanntes Muster zu sein.  Auch die Tatsache, dass bei einmaligem Notruf eine „Fangschaltung“ bestünde war bekannt. Ja, da muss man gleich dahinter noch einmal 133 anrufen!

Man half mir dort sofort die Kreditkarten zu sperren, versorgte mich mit Wasser und Kaffee, uns gleichzeitig wurde ein Trupp zur Wohnung geschickt, da ja die mutmaßlichen Verbrecher auch meine Wohnungsschlüssel in der Handtasche finden könnten.  Dort – da jetzt auch mein Enkel dort eingetroffen war, wurde sogleich eine Spurensicherung durchgeführt, aber dieser schlaue Täter, der die Wohnung ja betreten hatte, war sehr vorsichtig gewesen und hatte vorsorglich anscheinend nichts angefasst.  

Es wurden Anzeigebestätigungen über die verlorenen Wertgegenstände, über schweren Betrug und eine Zeugenvernehmung durchgeführt und dokumentiert. Man versicherte mir, dass alle die Unterlagen zum Landeskriminalamt übermittelt würden, wo sie weiterbearbeitet würden. Man machte mir auch wenig Hoffnung auf die Rückerstattung meiner Verluste, weil man zu wenige Ansatzpunkte zur Täter Erfassung hätte – die seien längst über die Grenze!

Natürlich mache ich mir Vorwürfe, jetzt – aber nicht unter einem Trommelfeuer von Anweisungen – sehe ich zahlreiche „Abzweigungen“, die ich hätte nehmen können oder sollen, aber ich war in einem derartigen Mix auch Angst, Druck und Bedrohung, dass ich kaum einen klaren Gedanken hätte fassen können. Ich habe das Gefühl gnadenlos professionell von den Tätern manipuliert worden zu sein.

Ich kam dann eher total erschöpft nach Hause, ich fühle mich schamlos betrogen. Meine Familie kümmerte sich liebevoll um mich, obwohl der Verlust auch sie betrifft. Abgesehen vom materiellen Wert waren (gerade beim Schmuck) Stücke dabei, die großen emotionalen Wert für mich haben, da sie mir von meinem verstorbenen Mann geschenkt worden waren. Aber jetzt geht’s mir ohnedies wieder halbwegs gut.

Das einzige, das mich jetzt vielleicht rösten könnte, wäre, dass dieser Raub armen Menschen zugutekommen würde, aber daran habe ich leider meine Zweifel!

Warnung (Teil 2)

WARNUNG (Teil 1)

Eine böse Geschichte

Diese Geschichte schreibe ich, um Sie zu warnen, obwohl sie mich nicht im besten Licht erscheinen lässt. Ich kann eine Reihe von Gründen anführen, warum ich mich so blöd verhalten habe, aber das machen wir dann am Schluss dieser Aufzeichnungen.

Gestern am Nachmittag, gerade als ich eine Analyse des neuen Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan zu analysieren versucht habe (kommt demnächst), hat mein Festnetztelephon geläutet. Dran war „die Polizei“. Ich wurde gefragt, ob mein Telephon ein langes Kabel hätte, um damit in der Wohnung herumgehen zu können. Ich schlug vor, mich doch am Handy anzurufen und nannte meine Telephonnummer.  

Dann wurde mir mitgeteilt, dass in der meiner Umgebung ein Einbruch stattgefunden habe, zwei Einbrecher hätte man dingfest machen können, drei wären auf der Flucht – und sehr gefährlich. Bei den Festgenommenen hätte man einen Zettel gefunden, auf dem mein Name aufscheine, und und die Fakten, dass ich allein wohne, sowie  Bargeld, Schmuck und Gold in der Wohnung aufbewahren würde. Ich wurde befragt, ob ich „verdächtige Personen“ in der Umgebung in letzter Zeit wahrgenommen hätte (nein), oder ob Autos mit ausländischen Nummern hier parken würden (ja).  Der Anrufer fragte, ob ich mich hier auskenne, wüsste wo sich die Schwarzenbergstraße oder die Mahlerstraße befänden (ja).

Der „Polizist“, weiterhin am Telephon, meinte, dass ich jetzt sehr gefährdet wäre und ich die Polizei unterstützen solle. Da er mit einem nicht-wienerischem Akzent sprach, fragte ich nach seiner Herkunft, – München – er arbeite beim BKA, bei der Bandenbekämpfung zusammen mit Österreich (später erwähnte er die EUROPOL). Er machte aber kleine grammatikalische Fehler beim Sprechen.

Der Anrufer meinte, das Gold und der Schmuck müssten „erfasst“ werden. Naja, ich solle Goldmünzen zählen und Goldschmuck abwiegen. Mir kam das alles bereits eher komisch vor, und ich fing an mich den Aufträgen zu verweigern. Er meinte, ich müsste das ernst nehmen sonst mache ich mich strafbar. Als ich weiterhin nicht kooperierte „verband“ er mich mit der „Staatsanwaltschaft“, wobei mir ein Mann (mit ähnlicher „Sprache“) zuredete, mich doch nicht der Verbrechersuche zu verweigern. Ich war weiterhin skeptisch, und da meinte er, ich solle den Polizeinotruf 133 anrufen – und nach ihm (er nannte mir einen Namen) fragen. Das tat ich umgehend – und beim Notruf wurde ich wieder zu dem ursprünglichen Anrufer verbunden.  Hinterher erklärte mir die echte Polizei, dass die Verbrecher eine Fangschaltung eingerichtet hätten, weshalb ich im Endeffekt erst nach geschehener Tat mit der „echten Polizei“ redete! In so einem Fall müsste man ein zweites Mal 133 anrufen. Der permanente Anrufer verbot mir, irgendjemand anzurufen oder mit irgendjemand zu sprechen (auch dazu erklärte mir die echte Polizei später, das würden sie nie verlangt werden, außer man wäre bereits verhaftet). Der fiktive Polizist meinte, ich solle alle Vorhänge zuziehen, dass mich niemand von außen beobachten könne. Machte ich nicht.

Hinterher ist man immer g’scheiter, auch weil man nicht unter dem permanenten Druck der Verbrecher steht, die sehr überzeugend argumentieren, Angst schüren und drohen.

Wie von der fiktiven Polizei nachdrücklich beauftragt zählte und wog ich alle Wertgegenstände ab.  Danach meinte der Anrufer (der permanent am Telephon blieb und mich beschimpfte, sobald ich auflegte), er würde jetzt jemand schicken, der die Wertsachen sicher verwahren würde. Ich weigerte mich, sie herauszurücken. Er drohte, dass, wenn ich mit der Polizei nicht kooperiere, ich andere Menschen gefährde und dafür haftbar gemacht werden könne. Ich fragte nach was „haftbar“ hieße. Bekam aber keine befriedigende Antwort. Außer wegen Nicht-Kooperationsbereitschaft mit der Polizei.

Er meinte, dass gleich jemand an meine Tür käme, der die Wertsachen nur photographieren würde. Ich verlangte einen Ausweis, er hatte keinen – der Mann am Telephon meinte, er wäre ein verdeckter Ermittler ohne Polizeiausweis. Ich ließ ihn nicht herein. Wenn ich auflegte, rief er immer wieder an. Der Anrufer sagte, ich solle per Telephon überprüfen, dass der Mann vor der Tür mit der Person am Telefon ebenfalls in Verbindung stehe. Ich schaute kurz auf die Nummer, sie begann mit 90 – und ich meinte, dass das keine österreichische Nummer wäre. Darauf der Anrufer – das wäre eine Polizei-interne Nummer.  Ich war bereits in höchster Alarmbereitschaft, ließ aber den Boten unter massiven Druck der falschen Polizei am Telefon dann doch herein – er photographierte alles und ging wieder.

Dann meinte der Anrufer, dass jetzt grad eine Verbrecherjagd stattfände, und dass ich das Ziel der Verbrecher wäre. Ich sollte die Wertsachen zusammenpacken und damit auf die Straße gehen. Ich erwiderte, dass ich zuerst alles aufräumen müsste, bevor ich wegginge. Er drängte, dass wir keine Zeit hätten. Ich legte immer zwischenzeitlich auf, auch um alles wegzuräumen, mir fiel z.B. eine Münze hinunter, ich musste sie aufheben (hätte ich sie nur liegengelassen!!!!). Der Anrufer drängte zu Eile, die „Verbrecher entkämen uns“ so meinte er mehrmals (und ich wäre schuld).

Ich wollte nicht auf die Straße. Der Anrufer meinte, dass die Polizei zwei weitere „Verbrecher“ gefasst hätte, nur noch einer fehle, der wäre aber sehr bedrohlich. Ich wäre nur sicher, wenn ich seinen Anweisungen genau Folge leisten würde.

Fortsetzung folgt im nächsten Blog.

WARNUNG (Teil 1)

Mein ereignisreicher Sonntag

An dem ich erstmals nicht geschrieben habe

Irgendwo hat mir etwas gefehlt, als ich gestern nichts geschrieben habe. Es hat sich angefühlt, als ob ich ein Gespräch mit Ihnen verpasst hätte.

Aber jetzt muss ich Ihnen doch über den Twitter-, Facebook, WordPress-, Google- freien Sonntag erzählen. An Wochenende ratscht bei mir der Wecker nicht, das heißt, ich stehe erst auf, wenn ich von selbst wach werde (das ist dann meist etwas später, als sonst, unter der Woche).

Gestern war auch das erste Philharmonische Abonnement Konzert (es ist zwar kein richtiges Abonnement, so wie sonst, weil man die Karten einzeln bestellen kann, aber für mich spielt das keine Rolle). Ich habe mich riesig darauf gefreut. Na sicher, es war anders, erstens hat es nicht um 11, wie sonst, sondern11:30 begonnen. Dann ist mir meine Freundin abgegangen, die ich sonst meist schon am Weg getroffen habe – wir haben kürzlich ihre Seelenmesse gefeiert.  Der übliche „Andrang“ hat sich in Grenzen gehalten, es waren nur wenige Menschen vor dem Eingang. Vom Seitentor, das ich sonst gerne benutzt habe (da kommt man schnell zur bequemsten Stiege auf den Balkon) wurde ich weggeschickt (nicht mehr für Besucher zulässig). Auf dem Platz vor dem Gebäude steht ein Container, dort kann man sich Anweisungen holen, wo man eintreten darf (bei den Bundestheatern wurde das brieflich nach Hause mitgeteilt). Aber dennoch wurde ich falsch informiert. Man hatte mir „Hauptportal“ gesagt, dort schickte man mich wieder weg, ich musste einen Eingang neben dem Hauptportal verwenden. Also jetzt weiß ich’s, für’s nächste Mal. Ich wollte schon die Stiege anpeilen, da öffnete sich der Lift – niemand war weit und breit zu sehen (ich benutze Lifts halt jetzt – Coronazeit – nur allein). Auf einen Mantel konnte ich noch verzichten, daher gab ich keine Garderobe ab. Und flugs konnte ich meinen Platz einnehmen.  Vor mir saß zwar jemand, aber rechts und links niemand. Buffet war geschlossen, also kein Kaffee mehr vor der Aufführung und Pause war keine vorgesehen.

Nun das Konzert hat mir sehr gut gefallen, trotz vorheriger Unkereien im Bekanntenkreis, dass der Dirigent – schon 90 – zu langweilig wäre. Ich mag die Musik Mendelsohns sehr gerne, und für meinen (unmaßgeblichen Geschmack) wurde sie sehr inspiriert dargeboten. (Trostlos ist der teilgefüllte Saal schon – im Theater nimmt man das während der Vorstellung halt nicht wahr!). Dass zuletzt der Kaiserwalzer gespielt wurde, fand ich sehr gut, man dachte an das Neujahrskonzert – und an den Philharmonikerball und Techniker Cercle, die in diesen Räumlichkeiten „üblicherweise“ stattfinden. Diesbezüglich kann man nur hoffen, dass sich die Situation entspannen wird. Nicht, dass ich vorhabe hinzugehen, ich wünsche mir nur, dass diese Bälle stattfinden können (Vielleicht als Maskenbälle?).

Am Heimweg hörte ich am Ring lautes Hupen. Dann fuhr eine ganze Kolonne von dichtbesetzten Autos hupend vorüber, an den Spiegeln waren rote Tücher angebunden – ich schloss darauf auf eine türkische Hochzeit.  Und das erste, das mir einfiel war nicht Glück und Segen für das Brautpaar – sondern: das wird möglicherweise ein neuer Corona-Cluster. Soweit ist es schon mit mir, traurig!

Und da gestern einer meiner Enkel Geburtstag hatte, gab’s selbstverständlich einen Geburtstagsjause. Und da wir in Corona-Zeiten leben, fand diese im Garten seiner „anderen“   Großmutter in Ober St. Veit statt. Mit dem Wetter hatten wir im Vergleich zum Vortag (und darauffolgenden Tag) durchaus Glück. Es war trocken und die Sonne schien, zu mindestens teilweise. Und dieser wunderschöne Garten liegt teilweise in einer Senke, in der es nicht windig ist. Also Ideal! Ich bin schon ziemlich warm angezogen angerückt. Die Runde viel verhältnismäßig klein – im Vergleich zu sonstigen Familienfeiern, da z.B. die Geschwister aus verschiedenen Gründen verhindert waren. Daher kam es, dass das Geburtstagskind das einzige männliche Wesen der Runde war (anwesend: Ehefrau, Cousinen, Tanten, Mutter und Großmütter). Nur der Hund war noch männlich. Selbstverständlich gab es eine köstliche Torte, selbstgebacken von der frischgebackenen Ehefrau des Geburtstagskindes, daher eine neue Variante in der Familienrunde. Tee und Kaffee, wobei hier unterschieden wurde, in Espresso – musste aus dem Haus geholt werden und Instantkaffee. Der Tisch war wunderschön gedeckt, und salzige Knabbereien gab’s auch. Die Geschenke hielten sich in Grenzen, einerseits gab es Bücher und andererseits „finanzielle Unterstützung“ für die derzeit stattfindende Einrichtung der neu bezogenen Wohnung.

Es war ein lustiges Fest; ich dachte an die Geburt des jetzt jungen Mannes. Meine Tochter und mein Schwiegersohn lebten damals zu Ausbildungszwecken in den USA. Als Mutter der Tochter fand ich, sollte ich nach der Geburt meiner Tochter beistehen (die war zwar durchaus in der Lage das allein zu bewältigen). Jedenfalls – der Flug war gebucht, das Kind noch nicht geboren. Nach dem langen Flug übernachteten wir in Los Angeles (eh am Flughafen) und stellten den Wecker – auf ehr früh, um den Anschlussflug nach Phoenix nicht zu verpassen. Was uns aufweckte, war aber dann nicht der Wecker, sondern ein Anruf meines Schwiegersohnes, dass das Kind schon das Licht der Welt erblickt hätte.

So konnten wir unseren Enkel, nur ein paar Stunden nach seiner Geburt sehen. Ich blieb dann bei meiner Tochter (die mitgebrachten Stoffwindel kamen nicht in Einsatz – es waren die Wegwerfbaren – bei allen Bestrebungen der Umweltschonung).  Mein Mann setzte sich bald ab – zu seinem Freund nach Washington – und holte mich dann später in Phoenix wieder ab.

Kinderwagen wurde von meiner Tochter abgelehnt, wo soll ich damit fahren – bei 40° und keinen Gehsteigen? Wir einigten uns auf eine Babytrage und einen Kindersitz für’s Auto. Das Baden des Babys verlegten wir auf den Balkon, denn die (Studenten-)Wohnung war gut gekühlt.

Und jetzt ist der junge Mann verheiratet, hat seinen Master – und sucht einen passenden Job.

Mein ereignisreicher Sonntag

Zum Problem der Diskriminierung

Unserer muslimischen Mitbürger

Wie angekündigt, möchte ich „im Sinne der gemeinsamen Integrationsbemühungen“ ein paar Fakten zum Islam darlegen, in der Hoffnung, dass damit das Verständnis der Mehrheitsbevölkerung für ihre islamischen Mitbürger steigt.

Es wird geklagt, dass Muslime (so wie auch Menschen mit dunkler Hautfarbe) auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden.

Muslimische Frauen entscheiden sich häufiger dafür, sich um ihre Familie zu Hause zu kümmern, statt einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Da spielt das konservative Rollenbild der Frau im Islam eine große Rolle, der Mann ist nach den Regeln des Koran verantwortlich für den Unterhalt der Frau bzw. seiner Familie. Das Geld, dass „sie“ verdienen würde, gehört nur ihr.  Es scheint klar, dass dieser Mann seine Frau nicht zur außerhäuslichen Arbeit drängen wird. Dadurch, dass sie im Gegensatz zur „arbeitenden Frau“ weniger Kontakte in der Gesellschaft hat, werden ihre Sprachkenntnisse mangelhaft bleiben, sie wird mit ihren Kindern nur in ihrer Muttersprache sprechen, und deren Deutschkenntnisse werden bestenfalls verzögert, wenn nicht gar verhindert. Zusätzlich kann sie wahrscheinlich ihren Kindern zu Hause bei ihren schulischen Herausforderungen weniger helfen, als eine Frau die in die Gesellschaft gut integriert ist. Das hat sich ja jetzt bei Home-Schooling Herausforderungen deutlich gezeigt. Aber diese Frau wird nicht von der Gesellschaft diskriminiert!

Neben dem Bildungsniveau der Eltern spielt das Alter, in dem junge Menschen heiraten, eine entscheidende Rolle. Das durchschnittliche Erstheiratsalter er in Österreich nach Geschlecht betrug im Jahr 2019 33 Jahre bei den Männern und 30,8 Jahre bei den Frauen. Statistiken über Heiratsalter der Muslime liegen nicht vor (aus Datenschutzgründen darf Religion auch bei Bevölkerungszählungen nicht abgefragt werden). Aber es ist evident, dass das Heiratsalter bei z.B. bei Kindern türkischen Zuwanderern erheblich unter diesem österreichischen Durchschnitt liegt. Je früher die Eheschließung desto höher ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass eine eventuelle Ausbildung abgebrochen oder nicht fortgesetzt wird. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass Männer, die jung heiraten, rasch Geld verdienen müssen und ihre jungen Frauen kümmern sich um den Haushalt und Kinder, die ehebaldigst geboren werden. Bekannt ist, dass sich die Zahl der Kinder in einem Haushalt negativ auf die schulische Leistung jedes einzelnen dieser Kinder auswirkt. Der Grund dafür ist, dass das Geld und die Zeit, die Eltern zur Unterstützung der schulischen Laufbahn ihrer Kinder haben, begrenzt sind. Darüber hinaus spielten die Deutschkenntnisse der Eltern eine erhebliche Rolle.

Eine gute Kenntnis der Sprache des Einwanderungslandes in Wort und Schrift ist von erheblicher Bedeutung bei der Jobsuche. Dieses Faktum allein führt zu höheren Chancen, einen Job zu finden und zwar einen besser bezahlten, als ohne diese Sprachkenntnisse. Ist das Diskriminierung? Die Tatsache, dass Muslime stärker als andere Gruppen getrennt von der Mehrheitsgesellschaft leben, hat direkte Folgen für ihre Sprachkenntnisse und damit für ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Es kann nicht geleugnet werden, dass soziale Kontakter für den Erfolg auf dem Arbeitsmarkt sehr wichtig sind. Ich rede hier nicht von Nepotismus oder Freunderlwirtschaft, sondern von Kontakten außerhalb der eigenen Gruppe. Diese Kontakte ermöglichen Zugang zu neuen Informationen und Ressourcen. Nicht-muslimische Nachbarn oder Freunde könnten erklären, wie der Arbeitsmarkt funktioniert, wie man ein Bewerbungsschreiben verfasst, oder ein Praktikum findet, oder wie man sich bei einem Bewerbungsgespräche verhält. Interethnische Kontakte können auch geringere Bildung durchaus ausgleichen.

Religiöse Regeln des Islam – soweit er „konservativ“ gelebt wird – behindern den Kontakt zu Nicht-Muslimen, weil z.B. gemischtgeschlechtliche Aktivitäten vermieden und auch Ehen mit Nichtmuslimen abgelehnt werden. Der Mangel and Freundschaften und familiären Bindungen zu Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft wirkt sich negativ auf die Arbeitsmarkt- und Bildungschancen der Muslime aus.

Wer die Landessprache nicht gut beherrscht, hat es schwerer, einen Job zu finden und die Kinder, die in der Schule zum ersten Mal mit der Landessprache in Kontakt kommen, können oft ihre Bildungsnachteil zuweilen nicht mehr ausgleichen. (Aus diesem Grund gibt es ja das verpflichtende Kindergartenjahr für alle Kinder in Österreich).

Hier sei vermerkt, dass in vielen muslimischen Familien diese Hindernisse bereits überwunden sind, und die Anwesenheit von Muslimen in vielen Berufen und Ämtern beweist diese positive Entwicklung. Integration ist keine kurzfristige Entwicklung und kann zuweilen halt auch die eine oder andere Generation benötigen.  Das Heiratsalter steigt, die Anzahl der Kinder sinkt, die außerhäusliche Betätigung der Frauen nimmt zu, Kontakte zu Nicht-Muslimen nehmen zu. Das Bildungsniveau steigt, sicher nicht gleichmäßig und bei allen – aber bei vielen.

Helfen wir selber mit, reden wir nicht nur über Muslime, sondern reden wir mit ihnen.

Zum Problem der Diskriminierung

Meine Rechtfertigung

Für mein Nicht-Schreiben an künftigen Sonntagen

Manchmal soll man auch den Mut haben, seine Routine zu ändern. Anfänglich habe ich einmal pro Tag geschrieben, als sich dann die Themen zu mehren anfingen, wurden es zwei pro Tag – und das sieben Mal pro Woche (außer ich war auf Reisen). Das ist zuweilen mühsam und führt zu Stress, und den gilt es doch zu vermeiden.

Also habe ich beschlossen die „Sonntagsruhe“ für mich einzuführen. Und zusätzlich einen wechselnden halben Tag pro Woche für den „Haushalt“, denn die diesbezügliche Arbeit ist mit der Einführung unserer Dreier-WG doch etwas mehr geworden.

Was nun den arbeitsfreien Sonntag betrifft, berufe ich mich dabei auf die Bibel: „Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.“ Allerdings war – und ist das kein „Gebot“.

Aber auch an derer Stelle der Bibel ist zu lesen: „Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun, aber des siebenten Tages sollst du feiern, auf dass dein Ochse und Esel ruhen und deiner Magd Sohn und Fremdling sich erquicken“.

Mir gefällt die jüdische Deutung sehr gut: Gott habe den Menschen aus dem Paradies vertrieben und ihm auferlegt, seinen Lebensunterhalt mit Mühe und Schweiß zu erarbeiten. Davon habe er nur die Israeliten in der Wüstenzeit ausgenommen und für sie vierzig Jahre lang wie für Adam und Eva gesorgt (Wasser und Manna!), um exemplarisch die ursprüngliche Schöpfungsordnung zu erneuern, bis Israel sein gelobtes Land gefunden habe. Unter dieser Prämisse werden auch die folgenden, am Berg Sinai offenbarten Sabbatgebote verstanden: Der regelmäßige naturunabhängige Sabbat preise Gottes Herrschaft über die Zeit und die Natur. Indem der Israelit mit seiner Ruhe Gottes Ruhe nachahme, erkenne er Gottes Schöpfermacht an und lasse sie über seine Lebenszeit herrschen.

Nun zur Sonntagsruhe: Der Sonntag (dies solis „Tag der Sonne“ und dies dominica,“) ist heute im bürgerlichen Kalender des deutschsprachigen Raums und dem Großteil der Welt der siebte und somit letzte Wochentag, festgelegt auch im internationalen Standard ISO 8601. Kulturhistorisch und in manchen – vor allem in jüdischen, muslimischen und christlichen – Bereichen gilt auch heute noch der Sonntag, aufgrund der historischen Darstellungen, als erster Tag der Woche.

Viele europäische Länder haben gesetzliche Einschränkungen der Sonntagsarbeit. In Österreich gilt: Die Wochenendruhe hat für alle Arbeitnehmer grundsätzlich spätestens am Samstag um 13 Uhr zu beginnen und den gesamten Sonntag zu umfassen. … Während dieser Wochenendruhe dürfen Arbeitnehmer nur beschäftigt werden, wenn diese Beschäftigung aufgrund einer besonderen Ausnahme zulässig ist.

In der griechisch-römischen Antike wurde der Jahresverlauf vor allem durch periodische Feste eingeteilt. Innerhalb der Monate wurden regional unterschiedliche Tage hervorgehoben (für die römische Zeit: Kalenden, Nonen, und die seit Caesars Zeiten so berühmten Iden). In der griechischen Poleis ist aber oft ein 10-Tage-Rhythmus zu finden (Dekade). Mit der ursprünglich babylonischen 7-Tage-Woche wurden von Griechen und Römern auch die Bezeichnungen der Tage nach den alten sieben Planeten (einschließlich Sonne und Mond) übernommen. Bereits ab Gaius Iulius Caesar ist eine Berücksichtigung der jüdischen Sabbatwoche belegt. 274 n. Chr. erklärte Kaiser Aurelian den dies Solis zum reichsweiten Feiertag für Sol Invictus. Rechtlich kann die Verbindlichkeit dieser 7-Tage-Woche aber erst mit Kaiser Konstantin ab 321 n. Chr. in der Gesetzgebung zur Arbeits- und Gerichtstagsfreiheit des Sonntags festgemacht werden.

Im Jahre 321 erklärte Kaiser Konstantin den Dies solis zum verpflichtenden Feiertag, auch für die Christen und Mithrasanhänger. Dringende landwirtschaftliche Arbeit ist bei Konstantin ausgenommen. Konstantin konnte mit diesem Edikt also gleich zwei wichtigen Religionen dienen, wiewohl er sich selbst auch auf Münzen als Sol invictus („unbesiegte Sonne“) prägen ließ.

Bei Übernahme der Wocheneinteilung durch die Germanen im 4. Jahrhundert n. Chr. übersetzten sie den Begriff zu „Sonntag“, althochdeutsch sunnûntag. In romanischen Sprachen setzte sich die kirchenlateinische Bezeichnung Dominica dies („Tag des Herrn“) durch.

Im Laufe des Mittelalters entwickelten sich in Bezug auf die Sonntagsruhe kirchliche Gebote: Christen hatten am Gottesdienst teilzunehmen, der Sonntagsfrevel (Sonntagsarbeit) gefährde das Seelenheil. In der Reformation war der absolut arbeitsfreie Sonntag nicht wesentlich, es ging bei der Sonntagsheiligung in erster Linie um den Gottesdienstbesuch. Die Französische Revolution führte zur – wenigstens vorübergehenden – Abschaffung jeglicher Feiertage und der Gleichstellung des Sonntags mit einem gewöhnlichen Werktag. Erst im 19. Jahrhundert wurden erste Arbeitsgesetze erlassen, welche die Arbeit am Sonntag einschränkten.

Ab 1. Oktober 1929 wurde aufgrund eines Regierungsdekretes vom 24. September 1929 der sowjetische Revolutionskalender in seiner ersten Variante eingeführt. Er sollte als antikirchliche Maßnahme die Sieben-Tage-Woche durch eine unterbrochene Fünf-Tage-Arbeitswoche mit 12 Monaten zu je 30 Tagen und fünf zusätzlichen arbeitsfreien Tagen überlagern und damit den Sonntag als Ruhetag abschaffen. 1940 wurde der Revolutionskalender wieder abgeschafft.

Neben dem Judentum und dem Christentum kennt auch der Islam den siebentägigen Feiertagsrhythmus. In vielen islamischen Ländern nimmt der Freitag die Rolle des Ruhetags ein, wobei der Tag früher nicht arbeitsfrei war, sondern nur jedermann der mittägliche Besuch der Moschee ermöglicht werden sollte. Arbeitsfreier Tag wurde der Freitag in islamischen Ländern im 20. Jahrhundert.

Ich gehe davon aus, dass Sie meiner Argumentation eines arbeitsfreien Sonntags folgen können. Wenn natürlich irgendetwas Besonderes passiert oder ich gerade Lust und Zeit habe, werde ich wahrscheinlich doch hin und wieder auch an Sonntagen nicht zur Feder – aber in die Tasten greifen.

Meine Rechtfertigung

Als wir im Frühjahr 1945 nach Wien zurückkamen

für ein Kind: ein Abenteuer

Wir waren nach Oberösterreich, ins Mühlviertel evakuiert worden, im Februar 1944.  Nun war dieser Krieg zu Ende, und wir wollten wissen, was aus unserer Wohnung in Wien geworden war. Meine Mutter wollte, dass ich endlich wieder in die Schule ginge, die vierte Klasse Volksschule abschießen möge und zur Aufnahmsprüfung ins Gymnasium in Wien antreten solle.

Was uns erwarten würde, das wussten wir nicht. Die briefliche Kommunikation war abgebrochen, an Telephonieren nicht zu denken – also versuchten wir St.Valentin zu erreichen und dort einen Zug nach Wien zu erwischen. Die Züge waren voll, meine Mutter versuchte durch die Tür hineinzukommen, ich wurde durch ein Fenster hineingehoben. Aber wir waren drinnen. Über die Zonengrenze war meine Mutter mit einer geborgten I-Karte (I = Identifikation) gekommen. Der Zug brauchte lange, nicht in Stunden, es handelte sich um 2 Tage. Immer wieder wurde die Lokomotive abgekoppelt, weil sie anderwärtige – für „Wichtigeres“ benötigt wurde. Der Zug stand auch ohne ersichtlichen Grund. Auszusteigen getraute man sich nicht, denn der Zug könnte ja „plötzlich“ weiterfahren.

Aber wir kamen nach Wien. Öffentliche Verkehrsmittel gab es kaum, nicht nur die Straßenbahnzüge waren zerstört, vor allem auch die Gleise. Wir schleppten unsere Koffer bis in die Währinger Straße. Das Haus stand noch. Wir gingen die Stiegen hinauf, die Wohnungstür war noch abgesperrt – es war also nichts beschlagnahmt, niemand einquartiert oder gar eingebrochen worden.  Allerdings: alle Fensterscheiben waren zerbrochen und in einem Zimmer war ein großes Loch in der Wand. Aber solche Schäden erachtete man als geringfügig. Denn jetzt war es nicht kalt, wir hatten Lebensmittel aus Oberösterreich mitgebracht, also Wasser rann noch – zuweilen, Gas gab es auch – man musste nur wissen, wann, dasselbe galt für Elektrizität. Aber die Glühbirnen waren ja auch kaputt.

Meine Volksschule war geschlossen, es gab ein Restschule in der Viriotgasse, die konnte man zu Fuß erreichen, und die Aufnahmsprüfungen fürs Gymnasium waren aus organisatorischen Gründen abgeschafft. Ich wurde in der Billrothstraße angemeldet. Nach drei Monaten würde sich entscheiden, ob ich weitermachen dürfte oder in die Hauptschule gehen müsste (ein Alptraum für meine Mutter).  

Ich konnte meine Großeltern besuchen, die nicht weit von uns entfernt wohnten – in der Harmoniegasse. Dort traf ich eine Tante mit deren Kindern, sie war – selbst verletzt – nach dem „Bombentod“ ihres Mannes bei ihren Eltern untergekommen. Von der Tante, die vor den Krieg nach England gegangen war gab es keine Nachrichten. Die Großeltern hatten einen Suchauftrag beim Roten Kreuz eingebracht.

Mein früheres Spielrevier, der Votivpark (heute Sigmund Freud Park), war aufgebuddelt worden, dort befand sich jetzt ein Löschteich. Aus dem gepflegten Park, in dem man den Rasen nicht hatte betreten dürfen, indem es noch eine Sesselfrau gegeben hatte, die für den Sitzplatz auf einem Sessel kassiert hatte, war eine „Gstätten“ geworden. Noch lagen irgendwo etwas lädierte Bänke herum, auch stand noch „nur für Arier“ drauf. Dennoch: für uns ein herrlicher Spielplatz.

Die Straßen tauchten bereits langsam aus den zusammengeschauftelten Trümmern auf. Eigentlich hätte man unterwegs sein können. Allerdings waren die vier Besatzungszonen noch nicht etabliert, und ich scheute jegliches (sowjetisches) Militär.

Meine Mutter war unterwegs, um Bretter aufzutreiben, d.h. in Schutthaufen zu suchen, mit denen man die Fenster vernageln konnte, allerdings war es dann einigermaßen finster in der Wohnung. Glühbirnen waren rar und nur im Tauschverfahren zu bekommen. Man versuchte Kerzen zu bekommen und Petroleum – für die Petroleumlampen.

Wir waren glücklich, dass der Krieg vorbei war, hofften, dass alle Angehörigen der Familie halbwegs heil wieder heimkommen würden. Wir bekamen wieder Lebensmittelmarken, mithilfe derer man sich wieder etwas zu essen (wenig, aber doch) kaufen konnte.

Als dann die Schulferien begannen, war ich schon froh, wieder ins Mühlviertel zurückzukehren; die Bahnfahrt lief ähnlich ab, wie die „Reise“ nach Wien, sie dauerte lange (hinterher hatte ich dann Läuse, deren Entfernung mittels Petroleums stattfand – grauslich).

Jetzt ging es darum, alles Essbare zu sammeln, aufzutreiben und haltbar zu machen, um es dann in Wien, im Herbst zu Schulbeginn zur Verfügung zu haben. Heidelbeeren (getrocknet, eingekocht, Kompott gemacht), Pilze (getrocknet), manche Dinge waren Lohn für Arbeitsleistung: Speck, Würste, Butter (wurde auch zu haltbarerem Butterschmalz verarbeitet), Eier (wurden in Gläsern – mit Kalk – eingelegt). Der Transport all dieser Güter konnte dann nur mittels Lastwagentransportes bewerkstelligt werden. Es ging um eine Mitfahrgelegenheit, die wiederum nur im Gegenleistungsverfahren möglich war.

Mir gings gut dabei, es gab „verantwortliche“ Erwachsene, die das alles regelten. Ich freute mich auf die Schule und hoffte viele meiner Freundinnen hier wieder zu treffen.

Als wir im Frühjahr 1945 nach Wien zurückkamen

Annus horribilis (oder anni horribiles)

Zu den diversen Krisen, die uns derzeit plagen

Ich fürchte, dass der Altweibersommer somit zu Ende ist. Wenn in den Wetternachrichten der Satz kommt: Schneefall bis 1200 Meter, dann hat die kalte Jahreszeit begonnen (obwohl noch immer „Sommerzeit“ ist und Normalzeit erst in ca. einem Monat zurückkommt). Aber das ist noch keine Krise.

Heuer wird das, wie wir alle befürchten, eine „besondere“ kalte Jahreszeit werden. Denn eine Summe von Krisen droht:  da fällt mir zuerst die Corona-Krise ein. Damit parallel geht ja eine Wirtschafts- und Sozialkrise (täglich hören wir von Betriebsschließungen und „Massenentlassungen“). Und damit wir die Klimakrise nicht vergessen, gehen z.B. heute die Jugendlichen auf die Straße: Fridays for future beginnt wieder, ja, modifiziert, nur auf Plätzen stehend, nicht als Marsch Meine Mitbewohner und Enkel haben mich dazu eingeladen). Nicht zu vergessen ist auch die Flüchtlingskrise, die wir aus unserem Europa – an dessen Ränder zu verbannen suchen, weil es ja auch eine Krise der Demokratie gibt.

Zur Corona Krise fällt mir nur ein: muss es wirklich schlechter werden, bevor es besser wird? Können wir uns nicht wirklich alle miteinander zusammenreißen und die Regeln einhalten? Viele glauben nicht an die Pandemie, viele glauben nicht an die Richtigkeit der empfohlenen, eigentlich gebotenen Maßnahmen und missachten sie. Und sie haben viele Plattformen, wo sie ihre abweichenden Meinungen verkünden können, sie nutzen ausgiebig die sozialen Medien, sie dürfen demonstrieren, und damit versuchen andere zu überzeugen.

Mir ist schon klar, dass wir – also meine Generation und wahrscheinlich noch mehr unsere Altvorderen – zu autoritätsgläubig waren. Es ist gut, dass das heute gar nicht mehr der Fall ist. Wir dürfen nicht nur, wir müssen die Anweisungen der „Oberen“ hinterfragen. Wir dürfen nicht nur, wir müssen – wenn wir davon überzeugt sind – dagegensprechen. Aber nicht konterkarieren!

Ich habe den Eindruck, es gibt wirklich zu jeder Meinung eine Gegenmeinung – besonders von so genannten Experten. Wir haben zu viele (selbsternannte) Experten. Und sie sollten überdenken, dass sie Verwirrung stiften.   Denn wenn mir zwei Experten gegensätzlicher Meinung empfehlen, Unterschiedliches zu tun, dann tu ich gar nichts!

Können wir uns – auch in Wahlkampfzeiten – drauf einigen, dass es derzeit eine Pandemie gibt, dass es Regeln geben muss, um diese einzudämmen, und dass dann diese Regeln auch einzuhalten sind. Es wird wieder eine Corona-lose Zeit kommen, dann können wir einander wieder in unbegrenzten Zahlen treffen, dann könne wir einander wieder umarmen … aber bis dahin: bitte nicht. Und je mehr wir diese Regeln missachten, desto länger wird diese Pandemie dauern. Die Spanische Grippe kam in drei Wellen und dauert von 1918 bis 1920! Man bekämpfte sie mit Chinin, Aspirin und Whisky auf Rezept. Hoffentlich bliebt uns das erspart, mit einer effektiven Impfung.

Mit Wirtschafts- und Sozialkrisen haben wir gelernt umzugehen, da werden auch entsprechende Maßnahmen gesetzt. Sobald die Seuche besiegt sein wird – ja wir alle hoffen auf eine Impfung – wird sich auch die wirtschaftliche Krise langsam auflösen, denn dann werden die Lieferketten wieder funktionieren, es wird wieder Tourismus geben etc. Damit werden auch sehr rasch neue Arbeitsplätze geschaffen werden können, und viele Menschen wieder Arbeit haben – aber auch Geld zur Verfügung, das sie sicher aus ausgeben werden.

Wie jene Menschen, die Verluste erlitten haben, nicht ganz gesund aus der Krise kommen, psychische Schäden davongetragen haben, damit umgehen können, hängt auch von jedem einzelnen von uns ab. Wir dürfen Nachbarn nicht im Stich lassen. „Hinschauen“ und Solidarität sind einfach unerlässlich.

Ein Problem besteht darin, dass die Klimakrise (Artensterben und was sonst noch alles dazu gehört) parallel zu den anderen Krisen stattfindet. Wir können diese Maßnahmen nicht „aufschieben“, bis die anderen Krisen gelöst sein werden. Weltweit brennen Wälder, Hurrikane toben in Gegenden, die bisher davor verschont geblieben sind, Eis schmilzt – seien es Gletscher, seien es die Pole. Methan entweicht, wenn Permafrost auftaut. Wir dürfen das nicht weiter angehen lassen!

Aber eines dürfen wir jetzt gar nicht: die Hände über den Kopf zusammenschlagen und nur jammern. Dieses Land hat schon andere Krisen erfolgreich gemeistert – wo haben wir 1945 angefangen? In Städten türmten sich die Trümmerhaufen, die Infrastruktur war zerstört, viele Männer waren im Krieg umgekommen, oder befanden sich in Gefangenschaft, eine Flüchtlingssituation aus und in alle Richtungen strömte. Ja, wir bekamen damals Hilfe, aber jetzt sind wir doch in der Lage uns selbst zu helfen, in Österreich, in der EU. Wir müssen nur zusammenstehen und ein gemeinsames Ziel definieren.

Nur miteinander, nicht gegeneinander können wir all die Krisen überwinden.

Annus horribilis (oder anni horribiles)

Meine Meinung zu Fragen der Integration

Antwort zu einem Kommentar, indem ich des Hasses und der Hetze bezichtigt werde

Zu meinem gestrigen Blogeintrag (https://christachorherr.wordpress.com/2020/09/23/corona-und-eine-muslimische-hochzeit/) sind für mich verhältnismäßig viele Kommentare gekommen. Eine Antwort hat mich erstaunt und auch irritiert: „Wieviel Hass und Hetze kann man verbreiten gegen Muslime dot com!!! Abgesehen davon, dass es nicht sehr verantwortlich war mit dieser Hochzeit!!“

Da kommt jetzt das alte Problem zutage – was hab‘ ich gemeint, und was hat der/die andere dabei empfunden.

Ich habe nichts mit Hetze und Hass beabsichtigt. Ich habe von der Hochzeit gelesen und dachte, man könnte aus diesem Anlass beschrieben, wie eine muslimische/türkische Hochzeit stattfindet, da, so glaube ich, es viele Leute bei uns einfach nicht wissen.  Ich sehe auch den Grund, warum man viele Leute einlädt, ich kenne diese Art Hochzeit auch bei anderen Volksgruppen mit anderen Religionen im Nahen Osten.

Ja, vielleicht hätte ich dazu schreiben können, dass es auch andere Corona-Verweigerer –in Österreich – gibt, die sich z.B. beim GTI Treffen eingefunden haben (obwohl ich von dort nichts von einem Cluster gehört habe), die keine Muslime sind.

Aber ich habe keinen Angriff gegen Muslime gesehen, und schon gar nicht beabsichtigt.  

Eigentlich wollte ich anfänglich eine persönliche Message an die Schreiberin schicken (obwohl ich das nicht aus dem Namen (ist – glaube ich fiktiv), sondern aus dem Bild erkenne. Aber nachdem ich näher in ihre Aktivitäten in Twitter hineingeschaut habe, und eine türkische Flagge, zusätzlich zu einem kleinen Bild (Dame mit Kopftuch) gesehen, und einige Kommentare in Türkisch gelesen habe, habe ich mich entschlossen, doch öffentlich zu schreiben. Ein Gespräch würde mich aber sehr freuen!

Und in diesem Gespräch würde ich gerne über „Integration“ sprechen.

Vielleicht vorweg meine Meinung dazu. Ich halte „Integration“ vielleicht nicht für ein geglücktes Wort für den Vorgang, der sich entwickeln sollte, wenn Menschen fremder Herkunft zu uns kommen. Denn ich meine, dass sich die Menschen uns anpassen sollten, aber dass auch wir uns diesen Menschen anpassen müssen. Ja, sie müssen unsere Sprache lernen und selbstverständlich können sie ihre Sprache untereinander weiterverwenden. Die Religionspraxis weiterhin auszuüben ist Menschenrecht. Es stört mich auch nicht, wenn sie ihre traditionelle Bekleidung hier weiterhin tragen, nur, sich über Diskriminierung ob dieser Kleidung zu beschweren, das sehe ich nicht ganz ein.

Ich verstehe auch, wenn man – neu in einem Land – sich in einem Stadtteil niederlässt, wo schon andere dieser „Nationalität“ wohnen, es kann nachvollzogen werden, auch jenen Organisationen anzugehören, wo Landsleute vertreten sind. Ich verstehe auch noch, bei der ersten Generation der Zuwanderer, dass man in der „alten Heimat“ begraben sein will, mit seinen Vorfahren. Hier gibt es schon länger fast überall, wo Muslime leben, auch muslimische Teile der bestehenden Friedhöfe, wo Begräbnisse auch nach muslimischem Ritus durchgeführt werden können.

„Gebräuche“, die bei uns verboten sind, im Herkunftsland aber toleriert werden, sollten hier nicht „geheim“ praktiziert werden (z.B. Schlagen von Ehefrauen, Mehrere, Zwangsehe, Ehe von Minderjährigen etc.) Auch das Machogehabe von Männern, Frauen (Lehrerinnen ihrer Kinder, muslimische Mitschülerinnen) gegenüber ist hier nicht angebracht. Auch Mädchen haben ein Recht ausgebildet zu werden. Mit der Schule der Kinder sollte eine Zusammenarbeit angestrebt werden.

Meines Erachtens sollten bei zunehmender Dauer im Aufnahmeland auch den dortigen zivilgesellschaftlichen Organisationen beigetreten werden sollen (Feuerwehr, Gesangsverein etc.). ich halte es auch nicht für richtig, wenn „Parallelorganisationen“ zu bestehenden lokalen Vereinen gegründet werden.  Ich kann nachvollziehen, dass man seine „Wurzeln nicht verlieren will“. Ich verstehe aber gar nicht, dass man sich für die Politik seines früheren Heimatlandes jetzt und hier „in der neuen Heimat“ einsetzt. Wobei ich zugeben muss, dass auch der Herrscher der ehemaligen Heimat alles tut, um seine ehemaligen Landsleute an ihre frühere Heimat zu binden.

Aber auch wir, die Alteingesessenen sollten uns bewusst sein, dass Österreich ein Einwanderungsland ist, und etwas mehr „Willkommensbereitschaft“ zeigen. Ein Teil dieser Haltung wäre es, zu lernen, was diesen Zuwanderern wichtig ist. Wir sollten einfach mehr über die Kultur, die Religion dieser Menschen zu lernen versuchen (das habe ich immer angestrebt, wenn ich wie in konkreten Fall über die muslimische Hochzeit geschrieben habe). Wir sollten es langsam zu schätzen lernen, wenn diese Menschen eine zweite Sprache sprechen!

Bei uns wird die Bezeichnung „mit Migrationshintergrund“ langfristig ausgelegt. Bis in die wievielte Generation soll denn das in Zukunft gehen? Ich meine, wir sollten uns da an den USA ein Beispiel nehmen. Die Vizepräsidentschaftskandidatin der Demokraten ist zwar in den USA geboren (das ist ein Erfordernis) aber ihre Eltern sind Zuwanderer.

Die österreichischen Kinder von Zuwanderern im vorigen Jahrhundert sind „angekommen“, sie sind in allen Schichten vertreten, sie üben gesellschaftlich wichtige Tätigkeiten aus (z.B. Regierungsmitglieder) ich hoffe, dass das auch bei den später Eingewanderten bald der Fall sein wird.

Und jetzt hoffe ich auf eine Antwort – Kommentar, Kritik – von der Schreiberin des oben angeführten Kommentars auf meine Blogeintragung zur muslimischen Hochzeit.

Meine Meinung zu Fragen der Integration