Zu Grenzen und Zäunen

Neuerdings wieder so beliebt auch in Europa

Diese Aussage hat mich schockiert. Unser Bundeskanzler Kurz meinte – so las ich es in einer Zeitung. „Die Politik der offenen Grenze gibt es nicht mehr“. Was ist mit der Europa-Idee? Die offenen Grenzen sind ja Grundlage eines gemeinsamen Europas. Ich las weiter. Diese Aussage bezog sich „nur“ auf die Flüchtlingspolitik Europas – schlimm genug.

Grenzen und Zäune haben eine neue, seit langem bei uns nicht mehr bekannte Rolle übernommen. Auf die amerikanische Einwanderungspolitik möchte ich in diesem Zusammenhang gar nicht eingehen, der riesige Zaun der die USA gegen Einwanderer aus dem Süden gegen Mexiko abschirmen soll, ist – für mich – eine Schande. Und als ich in einem Nachrichtenbeitrag unseren Innenminister an einem mächtigen Grenzzaun zwischen Griechenland und der Türkei stolz an diesem Zaun stehen sah, habe ich mich eigentlich für uns geschämt.

Ich habe Grenzen und Mauern erlebt:  

Ich habe mich an der Enns gefürchtet, als es noch Zonengrenze war, man die I-Karte (I für Identität), versehen mit neun Stempeln die akribisch gezählt wurden, vorweisen mussten.

Wie oft standen wir „am Eisernen Vorhang“, wenn wir mit dem Auto nach Berlin oder Prag gefahren sind.

Ich durfte während einer unserer gemeinsamen Reisen auf der Chinesischen Mauer stehen, und erlebe andererseits jetzt, wie die neue Seidenstraße belebt wird.

Ich habe das geteilte Berlin erlebt, ich dachte an der Berliner Mauer der Toten, die ihre Überquerung nicht geschafft haben. Wie haben wir uns alle gefreut, als die Berliner Mauer gefallen ist.

Ich bin an der Mauer in Bethlehem gestanden, die Israel und Palästina trennt. Es war ein nachhaltiger Eindruck, da diese Mauer von Künstlern bemalt wurde, die grausame Besatzungsszenen darstellen.

Ich habe (im Fernsehen, wie viele andere) die Menschen gesehen, die die hohen Grenzzäume bei Melilla und Ceuta zu überklettern oder zu umschwimmen versuchten.

Grenzen haben eine lange Geschichte: unserer Vorfahren lebten hier, in unserer Gegend an der Donau – am Limes.

Politiker scheinen immer Gründe zu finden, warum Grenzen geschützt werden müssen. Derzeit müssen wir uns vor Flüchtlingen schützen – und nehmen nicht einmal ein paar allein reisende Kinder aus den überfüllten unhygienischen Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln auf. Dafür schäme ich mich! Jetzt werden wir vor einreisenden Viren gechützt!

Schützen Politiker mit den Grenzen ihren Machtbereich? In der DDR war es eindeutig: man wollte die Menschen behindern, das Land zu verlassen und man wollte jegliche Information von außen behindern – was selbstverständlich nicht gelingen konnte. Heutzutage drehen diktatorische Machthaber die Informationsquellen (Internet, soziale Medien etc.) einfach ab, um Einflüsse von außen zu behindern und im Inneren den Menschen die Möglichkeit zu nehmen, sich zu organisieren.

Die Europäische Union setzt auf Abbau der Grenzen. Wie stolz waren wir als wir in Spielfeld oder in Tarvis „durchfahren“ konnten, nicht mehr im Stau diesseits und jenseits der Grenze zu stecken. Zuerst war der Vorwand die „Flüchtlingsströme“ abzuhalten (die derzeit ohnedies eher tröpfeln), heute ist es der „Schutz der Bevölkerung“ vor in Autos eingeschleppten Viren.

Wenn wir Europäer sein wollen, müssen wir den Grenzziehungen dringend und rasch Einhalt gebieten. Ich verstehe, dass wir uns ein „2015“ nicht noch einmal leisten wollen. Ich verstehe, dass Einwanderung kontrolliert werden muss. Aber doch nicht durch Hochziehen von Grenzen, Zusperren und den Schlüssel wegwerfen. Wir als Europäer dürfen einfach nicht zusehen, wie unsere Politiker ihre kleinen Machtbereiche zu erhalten drohen und damit den europäischen Gedanken nachhaltig stören – oder sogar zerstören.

Mauern gehören niedergerissen und Grenzen überwunden.  

Zu Grenzen und Zäunen

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