Gedanken zu „White Supremacy“ in den USA

Besonders in Wahlkampfzeiten

Nachdem in den USA demnächst entscheidende Wahlen stattfinden werden, und Präsident Trump weitere Kapriolen schlägt, die ihn eigentlich als Führer der (noch) größten Macht der Welt disqualifizieren (Gefallen Soldaten des Ersten Weltkriegs sind Looser (Verlierer), Empfehlung zusätzlich zur Briefwahl noch persönlich zur Wahl zu gehen …, möchte ich einen Aspekt dieser amerikanischen Politik beleuchten, die White Supremacy („weiße Vorherrschaft“, „Überlegenheit der Weißen“ ). Vorweg möchte ich dazu nur sagen, dass diese nicht nur in den USA existiert.

Dieser Suprematismus  bezeichnet rassistische Ideologien, die auf der Annahme beruhen, dass „Europide“ anderen menschlichen „Rassen“ prinzipiell überlegen seien und ihre privilegierte Stellung daher gewährleistet werden müsse. Darunter fällt auch die Alt-Right Bewegung (Alt- steht für alternative), die auf rassistisch, islamfeindlich und antisemitisch begründete Annahmen aufbaut, dass die „Identität der weißen christlichen Bevölkerung“ von der multikulturellen Einwanderungsgesellschaft der USA sowie einer „politischen Korrektheit“ und Gesetzen zur Förderung der sozialen Gerechtigkeit bedroht sei und gegen diese verteidigt werden müsse. Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen noch an Steve Bannon, der am Anfang der Legislaturperiode von Donald Trump diesen beraten hat. Dann wurde er gefeuert und hat seine Theorien nach Europa getragen – die Alt-Right unterstützte unter anderem die völkische Identitäre Bewegung in Europa.

Es geht darum, dass die in von Weißen dominierten Gesellschaften gebildete Normen nicht nur als überlegen angesehen werden, sondern auch als „neutral“ und „normal“ verallgemeinert und objektiviert werden. Die White Supremacy herrscht auch an den Universitäten, an denen die weiße Norm bestimmt, wer etwas zu sagen hat, also „Wissen“ definiert und im Zentrum des Diskurses steht, und wessen „Wissen“ nicht als „objektiv“ wahrgenommen wird, sondern als „Erfahrung“.

Die Ursprünge der White-Supremacy-Ideologie in den Vereinigten Staaten liegen in der Sklaverei der Kolonialzeit. Während die Pflanzer eine auf der Arbeitskraft afroamerikanischer Sklaven basierende Plantagenökonomie errichteten, durch die sie wohlhabend und politisch mächtig wurden, versuchten sie ihre Macht auch ideologisch zu rechtfertigten. Dieses  ideologische System definierte in seiner Hochblüte nicht nur das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen, sondern führte die menschlichen Beziehungen generell auf ein Herrschafts-Unterwerfungs-Verhältnis zurück, etwa auch die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Männern und Frauen, Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Ihren Anspruch auf bedingungslosen Gehorsam leiteten diese Pflanzer daraus ab, dass sie sich als wohlwollende Patres familias verstanden, die an ihrer erweiterten „Familie“, zu der sie auch ihre Sklaven zählten, väterlichen Anteil nahmen, ihnen monatliche „Rationen“ zuwiesen und zu Weihnachten Geschenke machten. Mit der Realität der Plantagen hatte diese Ideologie meist nichts zu tun. Dort wurde die Disziplin weiterhin mit der Peitsche durchgesetzt. Auch die Sklaven ließen niemals nach, sich dem Arbeitsregime zu widersetzen, sich krankzustellen, die Arbeit zu sabotieren, Werkzeug zu zerstören, Arbeitstiere zu verletzen oder zu fliehen.

Noch im selben Jahr, in dem die Sklaverei endgültig abgeschafft wurde (1865), entstand auch der Ku-Klux-Klan, der eine Gleichstellung der nunmehr freien Afroamerikaner mit den Mitteln des Terrors zu verhindern suchte und sich für eine Rassentrennung einsetzte. Der KKK ist ein rassistischer und gewalttätiger, vor allem in den Südstaaten der USA aktiver Geheimbund. Der Klan war 1865 bis 1875 und 1915 bis 1944 als einheitliche Organisation aktiv. Seit 1950 bestehen unter diesem Namen wieder mehrere voneinander unabhängige Gruppen. Gleichzeitig mit dem Aufkommen der Bürgerrechtsbewegung in den 1950er Jahren kam es zu einer Wiederbelebung verschiedener Klanorganisationen. Seit der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten im Jahr 2008 verzeichnete der Ku-Klux-Klan neuen Zulauf. Er setzt in seiner heutigen Eigendarstellung auf ein moderneres und bürgerliches Erscheinungsbild. In den letzten Jahren sucht der Klan vermehrt Kontakt zu anderen rechtsextremen Bewegungen. Die KKK-Mitglieder verstehen sich als verfassungstreue Patrioten; bei Aufnahme in den Klan wird ein Eid auf die US-Verfassung abgelegt. Einige amerikanische Neonazis lehnen den KKK deshalb als zu gemäßigt ab!

Eine der ältesten White-Supremacy-Organisationen in den Vereinigten Staaten ist der Pioneer Fund, der am 11. März 1937 gegründet wurde. Dort vertritt man die Auffassung, dass Schwarze anderen „Rassen“ genetisch unterlegen seien, und forderte, dass Afro-Amerikaner nach Afrika ausgesiedelt werden. Der Gründer der American Nazi Party schuf in den 1960er Jahren in Anlehnung an den schwarzen Kampfbegriff Black Power das Schlagwort „White Power“, das in der amerikanischen Neonazi- und Skinhead-Szene bis heute verbreitet ist. In amerikanischen Gefängnissen ist die White-Supremacy-Ideologie durch die Aryan Brotherhood sehr präsent, ein Netzwerk krimineller rassistischer Gangs.

Nun hat sich sei den 90er Jahren Wendung in der Forschung zum Rassebegriff und Rassismus vollzogen. Diese Forschung konzentriert sich auf diejenigen Strukturen und Subjekte, die Rassismus verursachen und von rassifizierenden Prozessen profitieren. Das hat nun zur kritischen „Weißseinsforschung“ geführt.

In diesem aufgeheizten Umfeld in den USA hat sich jetzt eine Bewegung etabliert, die sich Black Lives Matter nennt. Das ist eine internationale Bewegung, die innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten entstanden ist und sich gegen Gewalt gegen Schwarze bzw. People of Color einsetzt. Black Lives Matter organisiert regelmäßig Proteste gegen die Tötung Schwarzer durch Polizeibeamte und zu breiteren Problemen wie Racial Profiling, Polizeigewalt und Rassismus. Black Lives Matter bezieht jene Menschen mit ein, die traditionell Randfiguren der schwarzen Freiheitsbewegung waren. Trump droht, alle Black-Lives-Matter-Demonstranten zu bekämpfen, sollten sie versuchen, bei einer seiner Veranstaltungen zu sprechen.

Dieses Thema ist sehr kontrovers, und wird uns auch weiterhin beschäftigen. Gestern habe ich zu der Einwanderungspolitik in den USA geschrieben, die ja lange durch den Gedanken der Aufrechterhaltung der White Supremacy geprägt war:

https://christachorherr.wordpress.com/2020/09/06/eine-kurze-zusammenfassung-der-einwanderungsgesetzgebung-in-den-usa-seit-1921/

Gedanken zu „White Supremacy“ in den USA

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