Erinnerungen anlässlich einer Erwachsenentaufe

Wie war das bei mir, die Taufe, die Erstkommunion und die Firmung

Heute, in der Sonntagsmesse, fand in unserer Kirche ein seltenes Ereignis statt. Eine Erwachsenentaufe. Ich war noch nie bei einem derartigen Ereignis dabei gewesen. Es handelte sich um eine hübsche junge Frau, die vor einem Jahr geheiratet und damals beschlossen hatte, Christin zu werden. Die Vorbereitung für eine Erwachsenentaufe dauert lange und heute war es soweit. Ihr Taufpate war ihr strahlender Ehemann. Die damalige Hochzeitsgesellschaft war ebenfalls anwesend. Die Zeremonie war eindrucksvoll, es waren nicht nur das Taufwasser über den Kopf, sondern auch ein echtes Taufkleid, die brennende Taufkerze und das Chrisam-Öl zur Salbung „im Einsatz“. Der Priester meinte, dass bei einer Erwachsenentaufe die Taufe, die Erstkommunion und die Firmung miteingeschlossen wäre.

Meine Gedanken wanderten: in einer Woche geht einer meiner Enkel zu seiner Erstkommunion. Die Zeremonie ist – Corona-bedingt – vom Frühjahr bis jetzt verschoben worden, sie wurde geteilt, es treten mehrere Gruppen von Kindern getrennt zu ihrer Erstkommunion an, um eine Überfüllung der Kirche mit Begleitpersonen zu vermeiden. Jedes Kind darf nur von einer kleinen, beschränkten Anzahl von Personen begleitet werden. Ich bin eingeladen, mir wurde aber aufgetragen mich möglichst von allen fernzuhalten …

An meine eigene Taufe kann ich mich nicht erinnern, ich weiß nur aus Erzählungen, dass es eine Nottaufe war, weil bei dem Krepierl, das ich damals war, die Gefahr bestand, dass es nicht überleben würde. Die „ordnungsgemäße“ Taufe fand dann später in der Servitenkirche in der Roßau statt. Dabei gab‘ noch ein Namensproblem, ich sollte nach der Großmutter getauft werden, die einen nahmen an, nach meiner Großmutter (Juliane), die Taufpatin (Maria, genannt Mizzi) nahm an, nach ihrer Großmutter Christine. Letztere hat gewonnen.

Meine Erstkommunion fand im Jahr 1944 statt, es war schon klar, dass dieser Krieg verloren wäre. Wir waren aus Wien evakuiert worden und lebten in Pregarten, im Mühlviertel, wo ich auch in die Volksschule ging. Ich weiß noch, dass ich das Beichten sehr aufregend fand, wobei ich die Fragen des „Beichtspiegels“ nicht verstanden habe. Ich weiß auch, dass ich zur Sonntagmesse, im Rahmen derer die Erstkommunion stattfand, nüchtern kommen musste. Und ich erinnere mich, dass ich – nach lokalen Verhältnissen – um ein Jahr zu spät dran war. Die meisten Mädchen trugen weiße Kleider (möglicherweise von größeren Geschwistern geerbt). Ich hatte keines, ich trug eine weiße Bluse und einen Schottenrock, der mir schon viel zu kurz war. Das Ereignis fand dennoch statt, an besondere Festlichkeiten hinterher kann ich mich nicht erinnern, ich glaube auch, dass es keine gab.

Meine Firmung fand in der frühen Nachkriegszeit in Salzburg statt, denn eine Nichte meiner Großmutter, die mit ihrer Familie in Salzburg lebte, hatte sich als Firmpatin angeboten. Eine Reise war damals etwas durchaus Aufregendes. Ich fuhr mit meiner Taufpatin, eben jener Tante Maria, nach Salzburg und wohnte bei meinen Tanten. Die Zeremonie fand im Salzburger Dom statt. Am 16. Oktober 1944 hatten die ersten Bomben Salzburg getroffen, viele Menschen getötet und die Domkuppel zum Einsturz gebracht. Die 15 amerikanischen Bombenangriffe auf die Stadt Salzburg zwischen 16. Oktober 1944 und 1. Mai 1945 galten den Bahnanlagen, um den militärischen Nachschub zu verhindern. Getroffen wurden aber auch der Dom, die Neue Residenz, das Kaiviertel, das Museum, Mozarts Wohnhaus, das alte Kurhaus und viele Wohnbauten. Der Wiederaufbau dauerte bis in die späten 1950er Jahre. Die Wiederherstellung des Doms fand mit der Weihe am 1. Mai 1959 ihren Abschluss. Da meine Firmung 1948 stattgefunden hat, war der Dom „im Wiederaufbau“. Ich war mächtig herausgeputzt, meine Mutter hatte irgendwo einen rosa Organza mit weißen Blümchen (!) aufgetrieben – und daraus war ein Kleid fabriziert worden. Und ich hatte neue – handgefertigte Schuhe (etwa zu groß, damit ich sie länger tragen könne). Ich war besonders neugierig auf den damals noch üblichen „Backenstreich“, gefirmt wurde ich vom sehr angesehenen Bischof Andreas Rohracher. Die Firmung fand zu Pfingsten statt. Ich glaube nicht, dass ich einen Firm-Unterricht außerhalb der Schule genossen hatte, Spirituelles über dieses Ereignis habe ich jedenfalls nicht gelernt. Erinnern kann ich mich noch, dass ich gerne nach Hellbrunn gefahren wäre – aber daraus wurde nichts. Mir wurde „zur Erholung“ das freie Badezimmer mit großer Badewanne angeboten, die Tanten fuhren alle miteinander auf den Trabrennplatz, wohin man mich halt nicht mitnehmen konnte. Ich war traurig, und darüber tröstete mich auch die weiße Korallenkette und die hübsche grüne Keramik-Dose nicht, die ich als Geschenke erhalten hatte.

Ich habe schon viele Taufen erlebt, die von meinen Kindern, meinen Patenkindern, von meinen Enkelkindern – bei meinen Urenkelinnen erwarte ich sie noch – hoffentlich.  Ähnliches trifft auch auf Feste der Erstkommunion, und der Firmung zu. Einige davon sind erheblich von der „Norm“ abgewichen, über diese werde ich bei anderer Gelegenheit erzählen.

Erinnerungen anlässlich einer Erwachsenentaufe

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