Nicht raunzen, helfen!

Wie Kindern, die schon hier sind, geholfen werden könnte

Heute, in den Frühnachrichten wurden wieder einmal darauf hingewiesen, dass während des Home-Schooling die „Kluft“ zwischen Kindern mit „aktiven Eltern zu jenen mit „nicht-aktiven“ Eltern (aus welchen Gründen auch immer) noch breiter geworden ist.

Diese Klage hört man schon länger und ich habe mich dabei an zwei höchst unterschiedliche Aktionen erinnert.

In den siebziger Jahren, als der Zuzug der Gastarbeiterfamilien erfolgt ist, hat eine sehr engagierte Cousine von uns, zwei Kinder einer Gastarbeiterfamilie „betreut“. Sie hat deren Hausaufgaben mit ihnen gemacht, sie ist zu den Lehrern gegangen oder hat die Eltern zu den Sprechstunden begleitet (bzw. zum Hingehen ermuntert), wenn es Probleme gegeben hat. Sie hat diese Kinder bis zum Ende der Hauptschule gebracht. Selbstverständlich sind dabei die Deutschkenntnisse der Kinder verbessert worden. Es waren Kinder, die in ihrer Nähe gewohnt haben.  Das ist ohne irgendeine Organisation erfolgt, sie hat nie Geld dafür verlangt oder bekommen, sie hat es aus (christlichem) Verantwortungsbewusstsein getan. Damals gab es noch keine Nachmittagsbetreuung in den Pflichtschulen. Es war ein zeitlicher Aufwand, es war mühsam, auch diese Buben wollten sich zeitweilig von einer Frau nichts sagen lassen. Sie hat diese selbstgestellte Aufgabe pflichtgetreu erfüllt.

Es gibt viele Menschen in Österreich, die privat und selbstlos ab 2015 versuchen, Flüchtlingen die deutsche Sprache beizubringen.

Ihnen allen sind wir zu großem Dank verpflichtet.

Als wir – ebenfalls vor vielen Jahren – durch die USA gereist sind, wurden wir zu einer Veranstaltung der „100 Black Men of America“ eingeladen. Ich glaube, es war in Chicago. Dies ist eine zivilgesellschaftliche, so genannte „Service Organisation“ (wie z.B. die Lions oder die Rotarier), deren Ziel es ist, primär für die Ausbildung afro-amerikanischer Kinder und Jugendlicher zu sorgen.  Damit soll deren Lebensqualität langfristig verbessert werden, Es gibt derzeit ca. 10 000 Mitglieder dieser Organisation in vielen Städten der USA. Die Mitglieder sind aufgefordert, diesen jugendlichen Afro-Amerikanern „Zeit zu schenken“. Sie selbst sollen Vorbilder für ihre Betreuten sein. 100 Black Men of America ist 1963 in New York gegründet worden. Selbstverständlich geht damit einher, dass man sich auch um die Gesundheit dieser Kinder kümmert, denn das öffentlich Gesundheitssystem in den USA ist ja, und das kann ruhig sagen, sehr mangelhaft.

Ob nun organisiert oder nicht, wie diese Beispiele zeigen, zivilgesellschaftliches Engagement kann viel bewirken.  Vielleicht könnten manche von uns, die laut  über Missstände klagen oder solche, die schwierige Zeiten aufgrund der Bildungssituation erwarten, in ihre nächstgelegene Volksschule oder Neue Mittelschule (ich weiß nicht einmal, ob sie noch so heißt) gehen und einfach fragen, ob es dort Kinder gibt, deren Eltern nicht willens oder in der Lage sind, ihrem Nachwuchs zu helfen.

Versuchen Sie dann, das Vertrauen dieses Kindes zu gewinnen, ihm ein Vorbild zu sein und ihm zu helfen, die Pflichtschule in Österreich positiv abzuschließen.

Es wäre gut investierte Zeit.

Nicht raunzen, helfen!

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