Hurra, man kann wieder ins Theater gehen

Burgtheater: Das Leben ein Traum

Gestern war ich im Burgtheater. Es ist schon sehr anders – unter Corona-Bedingungen. Erstens muss man sich „persönlich“ zu jeder Vorstellung anmelden – ich habe ein Abonnement. Man bekommt eine Karte zugeschickt, die auch den Namen aufweist.  Dazu gibt es Anweisungen, bei welchem Eingang man hineinzugehen hat.

Programme kann man schon vor dem Eingang kaufen. Und, die Programme sind im Gegensatz zu jenen des Vorjahres durchaus lesbar – ich meine nicht den Inhalt, der war immer interessant, aber die Schrift (Größe und Schriftart) und der Satz waren im vergangenen Jahr doch sehr schwer lesbar.

Die Namensüberprüfung beim Eingang findet nur stichprobenweise statt – „Sie schauen vertrauenserweckend aus“ – sagte man mir dort, also d.h. ich musste mich nicht ausweisen. Die Garderoben, die man unter den derzeitigen Witterungsbedingungen nicht braucht, sind auch an die Sitze gebunden. Maske überall, außer während man sitzt auf dem vorgegebenen Platz. Es gab eine Pause, aber man darf die Sitze nur nach Aufruf verlassen (gilt auch für das Ende). Buffets sind offen, kaum Schlangen, essen darf man ohne Maske!

Ich gebe zu, rechts und links neben mir niemand, vor und hinter mir niemand. Das ist schon bequem und angenehm, weil man auch die Beine ausstrecken kann. Das bedeutet, dass man den Verlauf des Stückes (ca. drei Stunden, der zweite Teil „zieht sich“ etwas) besser genießen kann, allerdings auch einen Einkommensverlust für das Theater. Mich haben diese Corona- Vorkehrungen schon ziemlich beruhigt.

Nun vielleicht interessiert Sie mehr, was ich gesehen habe: „Das Leben ein Traum“, von Pedro Calderon der la Barca.  Inszeniert hat der Herr Direktor selbst, Martin Kušej. Er versucht, ein „Gesamtkunstwerk“ auf die Beine zu stellen, optisch und akustisch. Es ist eine Inszenierung, in der optische Effekte aber auch Musik eine wesentliche Rolle spielen. Und es ist düster und es ist laut, erschreckend laut, zuweilen.

Als Calderon gelebt hat, im 17. Jahrhundert, waren die Umstände nicht gerade ideal, es herrschte eine „kleine Eiszeit“, die Pest tobte und Kriege fanden auch statt (die Niederlande sagten sich von der spanischen Krone los). Wenn wir uns so umschauen – eine Klimakrise können wir derzeit auch aufweisen, und ob Corona eine bedrohliche Pandemie ist oder nicht, darüber kann man unterschiedlicher Ansicht sein, für mich ist sie das sehr wohl – zunehmend!

Es ist schon skurril, dass ein König, ob eines bösen Omens, das die Schreckensherrschaft seines Sohnes vorhersagt, diesen sein Leben lang in einem Kerker einsperrt, ihn öffentlich verschweigt und nur einen Getreuen zu ihm lässt. Er will seine Nachfolge anders regeln und macht auch diesbezüglich Versprechungen. Dann überlegt er sich eine „Probe“ für diesen Sohn, er soll einen Tag herrschen. Und die scheint seine Befürchtungen zu bestätigen. Zwischenzeitlich sind bei diesem Sohn eine sich entehrt fühlende, nun Männerkleider tragende Frau mit ihrem Diener eingedrungen, nachdem sie sich aus einem zusammenstürzenden Trümmerhaufen befreit haben. Nach diesem Eindringen werden sie von diesem Getreuen des herrschenden Königs bedroht, der aber an einem Schwert erkennt, dass der junge Mann (also die Männerkleider tragende Person) eventuell sein Sohn sein könnte.

Anleihen werden bei dem Stück auf bei Pasolini genommen, der das Stück filmisch in die Jetztzeit versetzt hat.  Und das positive Ende fehlt auch. Aber ich will Ihnen jetzt nicht den Inhalt dieses Stückes erzählen. Ich empfehle, schauen Sie sich’s lieber selber an.

Die Frage, die in dem Stück gestellt wird, ist die folgende: kann man „seinem Schicksal“ entrinnen. Kann man die Zukunft durch seine Entscheidungen selbst bestimmen und ist das nur innerhalb einer Tyrannei möglich. Im Grunde geht es um Machterhalt, dem sich das Schicksal des Einzelnen unterzuordnen hat.

Großartig an dieser Aufführung war, dass man jedes Wort hervorragend verstehen konnte. Besonders die Stimme der Rosaura (die Person, die anfangs in Männerkleidern auftritt) hat mich diesmal besonders beeindruckt.

Ich werde noch einiges nachlesen müssen, es wäre besser gewesen, ich hätte es vorher getan, denn der Inhalt ist einigermaßen verwirrend, das Ende offen, aber ich wollte die Aufführung „einfach auf mich wirken lassen“. Und so besehen war der Eindruck stark, aber um Schlüsse daraus ziehen zu können, muss ich mich näher damit auseinandersetzten.

Für mich auch kein schlechtes Ergebnis für einen Theaterabend.

Hurra, man kann wieder ins Theater gehen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s