Gedanken zur Arbeitszeit

wie hat sie sich entwickelt

Es wird wieder einmal über die Verkürzung der Arbeitszeit gesprochen – Forderungen werden gestellt, ob sie wohl erfüllt werden?

Was derzeit gilt, ist für mich persönlich nicht mehr ganz so relevant, da ich in Pensionistin bin. Aber ich habe einen Teil der Entwicklung der Verringerung und Veränderung der Arbeitszeit erlebt.

In der Familienlegende meiner Mutter gibt es einen Großvater, der beim legendären Parteitag der österreichischen Sozialdemokraten in Hainfeld (im Gölsental) dabei gewesen sein soll, bei dem auch die Regelung der Arbeitszeit (vor allem für die Ziegelarbeiter, die die Ziegel für die Wiener Ringstraße herstellten) eine Rolle spielte.

Ich selbst bin 1958 „in die Arbeitswelt eingetreten“. Mein erster Arbeitgeber war eine Internationale Behörde, bei der die österreichischen Regelungen nicht galten. Allerdings hatte ich vorher in Ferialjobs gearbeitet, dabei war es selbstverständlich gewesen, auch noch am Samstag bis um 14 Uhr zu arbeiten. Österreichisches Arbeitsrecht galt somit für mich dann erst 1972 voll.

Es ist hinzuzufügen, dass ich sehr gerne gearbeitet habe und nicht notwendigerweise immer auf die Uhr geschaut habe, „um endlich wegzukommen“. Vor allem bezog ich ein „Überstundenpauschale“, wobei nicht überprüft wurde, ob ich die Stunden, die dieser Pauschale zugrunde lagen, auch   immer voll – im Büro – erfüllt habe. Schon damals konnte ich einen – nur geringen – Teil meiner Arbeit von zu Hause durchführen. Natürlich wollte ich rechtzeitig wieder bei den Kindern sein, und das war zweifelsohne auch ein Dilemma – wie noch immer für viele Frauen, und langsam hoffentlich auch mehr Männer.

Aber grundsätzlich galten fixe Arbeitszeiten. Man hatte um 8 Uhr am Arbeitsplatz zu erscheinen. Manche meiner Kollegen irritierte das, wir waren die „Leute, die mit Computern“ arbeiteten, die programmierten und die sich ungern an „Regeln“ hielten. Wenn notwendig, arbeiteten manche meiner Kollegen die Nächte durch, und daher störten sie diese strikten zeitlichen Limits. Diese Gruppe war auch daran erkennbar, dass sie sich so gar nicht an die anfangs noch herrschenden Bekleidungsregeln halten wollten. Es waren auch diese Personen, die damals schon sagten, dass sie nicht ihren Hintern sondern ihr Hirn an das Unternehmen verkauften. Andere meiner Bankkollegen ärgerte der so genannte „lange Donnerstag“, das war der Tag an dem man bis 18 Uhr arbeiten musste, um an anderen früher nach Haus gehen zu können.

Dann kam es langsam zur Flexibilisierung der Arbeitszeit. Es gab die flexible Zeit und die Kernzeit (bei der alle anwesend sein mussten). Es war eine große Erleichterung für alle, die mit dem Auto ins Büro kamen – damals selbstverständlich, die einen kamen früher, damit sie noch einen Parkplatz in der Nähe ergattern konnten, die anderen kamen später, besonders jene, die im Speckgürtel wohnten. Aber auch diese Einführung ging nicht ohne Probleme vor sich. Denn da die Filialen der Bank weiterhin um 8 Uhr aufsperrten, mussten für Rückfragen auch die „computerbezogen Arbeitenden“, also wir, zur Verfügung stehen.  Wir waren weitgehend „Spezialisten“, eher für nur eine elektronische Bankanwendung (also Zahlungsverkehr- getrennt nach Inland und Ausland, Wertpapiere, Devisenhandel etc.) zuständig und konnten nicht immer ausreichend für „fremde Anwendungen“ Auskunft geben, wenn deren Zuständige halt erst später auftauchten. Also wurden da auch wieder Regelungen eingeführt, pro Team musste mindestens einer als Auskunftsperson zur Verfügung stehen.

In Corona-Zeiten, in denen Home-Office zur Selbstverständlichkeit geworden ist, stelle ich mir eine Prüfung der geleisteten Arbeitszeit eher schwierig vor, denn nicht jede Arbeit kann „quantitativ“ gemessen werden. Aber auch das ist nicht mehr „mein Problem“.

Wie hat sich denn die Arbeitszeit bei uns entwickelt?

Die Arbeitszeit unterlag bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts keiner staatlichen Regelung. Es regierte Kaiser Franz Josef I., die Schlacht bei Königgrätz war gerade verloren gegangen, man arbeitete durchschnittlich zwölf- bis vierzehn Stunden täglich (bei Brauereiarbeitern waren es bis zu 18 Stunden), die dann  im allgemeinen auf effektiv zehn bis elf Stunden täglich herabgesetzt wurden,  allerdings ohne gesetzliche Fixierung. Es gab keine Differenzierung zwischen der Arbeitszeit von Männern, Frauen und Kindern – ja, auch Kindern.

Erst die zweite Novelle zur Gewerbeordnung 1859 legte ab 9. März 1885 den elfstündigen Arbeitstag, die Sechs-Tage-Woche und eine 24-stündige Sonntagsruhe gesetzlich fest. Denn bei der sozialdemokratischen 1.-Mai-Feier 1890 war erstmals die Forderung nach dem Acht-Stunden-Tag erhoben und in der Folge regelmäßig bei sozialdemokratischen Demonstrationen und Maiaufmärschen gefordert worden. 1895 wurde das Gesetz zur Regelung der Sonn- und Feiertagsruhe beschlossen, doch wurden die Regelungen häufig missachtet.

Erst 1919, nach dem Zusammenbruch der Monarchie, wurden der Acht-Stunden-Tag und die 48-stündige wöchentliche Arbeitszeit (davon sechs Stunden am Samstag) gesetzlich verankert.

1959 wurde im Rahmen eines zwischen Bundeskammer und ÖGB („Sozialpartnerschaft“) vereinbarten Generalkollektivvertrags die 45-Stunden-Woche eingeführt; allmählich war die Arbeitszeit am Samstag von sechs auf vier Stunden herabgesetzt worden, ab 30. Dezember 1959 war jeder zweite Samstag arbeitsfrei (gültig in 43 Magistratsabteilungen).

1968 forderte der sechste Bundeskongress des ÖGB die 40-Stunden-Woche, die ab Jänner 1975 eingeführt wurde. Auf dem zwölften Bundeskongress 1991 in Wien wurde die 35-Stunden-Woche, die bereits seit längerem im Gespräch stand, offiziell gefordert.

Heute geht das Gesetz noch immer von einer Normalarbeitszeit von 8 Stunden pro Tag bzw. 40 Stunden pro Woche aus. Viele Kollektivverträge sehen jedoch eine verkürzte Normalarbeitszeit (z.B. 38,5 Wochenstunden) vor. Die Verteilung der Arbeitszeit ist zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu vereinbaren. Wahrscheinlich wird das Gesetz irgendwann den neuen Gegebenheiten anzupassen sein.

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