Meine Rechtfertigung

Für mein Nicht-Schreiben an künftigen Sonntagen

Manchmal soll man auch den Mut haben, seine Routine zu ändern. Anfänglich habe ich einmal pro Tag geschrieben, als sich dann die Themen zu mehren anfingen, wurden es zwei pro Tag – und das sieben Mal pro Woche (außer ich war auf Reisen). Das ist zuweilen mühsam und führt zu Stress, und den gilt es doch zu vermeiden.

Also habe ich beschlossen die „Sonntagsruhe“ für mich einzuführen. Und zusätzlich einen wechselnden halben Tag pro Woche für den „Haushalt“, denn die diesbezügliche Arbeit ist mit der Einführung unserer Dreier-WG doch etwas mehr geworden.

Was nun den arbeitsfreien Sonntag betrifft, berufe ich mich dabei auf die Bibel: „Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.“ Allerdings war – und ist das kein „Gebot“.

Aber auch an derer Stelle der Bibel ist zu lesen: „Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun, aber des siebenten Tages sollst du feiern, auf dass dein Ochse und Esel ruhen und deiner Magd Sohn und Fremdling sich erquicken“.

Mir gefällt die jüdische Deutung sehr gut: Gott habe den Menschen aus dem Paradies vertrieben und ihm auferlegt, seinen Lebensunterhalt mit Mühe und Schweiß zu erarbeiten. Davon habe er nur die Israeliten in der Wüstenzeit ausgenommen und für sie vierzig Jahre lang wie für Adam und Eva gesorgt (Wasser und Manna!), um exemplarisch die ursprüngliche Schöpfungsordnung zu erneuern, bis Israel sein gelobtes Land gefunden habe. Unter dieser Prämisse werden auch die folgenden, am Berg Sinai offenbarten Sabbatgebote verstanden: Der regelmäßige naturunabhängige Sabbat preise Gottes Herrschaft über die Zeit und die Natur. Indem der Israelit mit seiner Ruhe Gottes Ruhe nachahme, erkenne er Gottes Schöpfermacht an und lasse sie über seine Lebenszeit herrschen.

Nun zur Sonntagsruhe: Der Sonntag (dies solis „Tag der Sonne“ und dies dominica,“) ist heute im bürgerlichen Kalender des deutschsprachigen Raums und dem Großteil der Welt der siebte und somit letzte Wochentag, festgelegt auch im internationalen Standard ISO 8601. Kulturhistorisch und in manchen – vor allem in jüdischen, muslimischen und christlichen – Bereichen gilt auch heute noch der Sonntag, aufgrund der historischen Darstellungen, als erster Tag der Woche.

Viele europäische Länder haben gesetzliche Einschränkungen der Sonntagsarbeit. In Österreich gilt: Die Wochenendruhe hat für alle Arbeitnehmer grundsätzlich spätestens am Samstag um 13 Uhr zu beginnen und den gesamten Sonntag zu umfassen. … Während dieser Wochenendruhe dürfen Arbeitnehmer nur beschäftigt werden, wenn diese Beschäftigung aufgrund einer besonderen Ausnahme zulässig ist.

In der griechisch-römischen Antike wurde der Jahresverlauf vor allem durch periodische Feste eingeteilt. Innerhalb der Monate wurden regional unterschiedliche Tage hervorgehoben (für die römische Zeit: Kalenden, Nonen, und die seit Caesars Zeiten so berühmten Iden). In der griechischen Poleis ist aber oft ein 10-Tage-Rhythmus zu finden (Dekade). Mit der ursprünglich babylonischen 7-Tage-Woche wurden von Griechen und Römern auch die Bezeichnungen der Tage nach den alten sieben Planeten (einschließlich Sonne und Mond) übernommen. Bereits ab Gaius Iulius Caesar ist eine Berücksichtigung der jüdischen Sabbatwoche belegt. 274 n. Chr. erklärte Kaiser Aurelian den dies Solis zum reichsweiten Feiertag für Sol Invictus. Rechtlich kann die Verbindlichkeit dieser 7-Tage-Woche aber erst mit Kaiser Konstantin ab 321 n. Chr. in der Gesetzgebung zur Arbeits- und Gerichtstagsfreiheit des Sonntags festgemacht werden.

Im Jahre 321 erklärte Kaiser Konstantin den Dies solis zum verpflichtenden Feiertag, auch für die Christen und Mithrasanhänger. Dringende landwirtschaftliche Arbeit ist bei Konstantin ausgenommen. Konstantin konnte mit diesem Edikt also gleich zwei wichtigen Religionen dienen, wiewohl er sich selbst auch auf Münzen als Sol invictus („unbesiegte Sonne“) prägen ließ.

Bei Übernahme der Wocheneinteilung durch die Germanen im 4. Jahrhundert n. Chr. übersetzten sie den Begriff zu „Sonntag“, althochdeutsch sunnûntag. In romanischen Sprachen setzte sich die kirchenlateinische Bezeichnung Dominica dies („Tag des Herrn“) durch.

Im Laufe des Mittelalters entwickelten sich in Bezug auf die Sonntagsruhe kirchliche Gebote: Christen hatten am Gottesdienst teilzunehmen, der Sonntagsfrevel (Sonntagsarbeit) gefährde das Seelenheil. In der Reformation war der absolut arbeitsfreie Sonntag nicht wesentlich, es ging bei der Sonntagsheiligung in erster Linie um den Gottesdienstbesuch. Die Französische Revolution führte zur – wenigstens vorübergehenden – Abschaffung jeglicher Feiertage und der Gleichstellung des Sonntags mit einem gewöhnlichen Werktag. Erst im 19. Jahrhundert wurden erste Arbeitsgesetze erlassen, welche die Arbeit am Sonntag einschränkten.

Ab 1. Oktober 1929 wurde aufgrund eines Regierungsdekretes vom 24. September 1929 der sowjetische Revolutionskalender in seiner ersten Variante eingeführt. Er sollte als antikirchliche Maßnahme die Sieben-Tage-Woche durch eine unterbrochene Fünf-Tage-Arbeitswoche mit 12 Monaten zu je 30 Tagen und fünf zusätzlichen arbeitsfreien Tagen überlagern und damit den Sonntag als Ruhetag abschaffen. 1940 wurde der Revolutionskalender wieder abgeschafft.

Neben dem Judentum und dem Christentum kennt auch der Islam den siebentägigen Feiertagsrhythmus. In vielen islamischen Ländern nimmt der Freitag die Rolle des Ruhetags ein, wobei der Tag früher nicht arbeitsfrei war, sondern nur jedermann der mittägliche Besuch der Moschee ermöglicht werden sollte. Arbeitsfreier Tag wurde der Freitag in islamischen Ländern im 20. Jahrhundert.

Ich gehe davon aus, dass Sie meiner Argumentation eines arbeitsfreien Sonntags folgen können. Wenn natürlich irgendetwas Besonderes passiert oder ich gerade Lust und Zeit habe, werde ich wahrscheinlich doch hin und wieder auch an Sonntagen nicht zur Feder – aber in die Tasten greifen.

Meine Rechtfertigung

2 Gedanken zu “Meine Rechtfertigung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s