Mein ereignisreicher Sonntag

An dem ich erstmals nicht geschrieben habe

Irgendwo hat mir etwas gefehlt, als ich gestern nichts geschrieben habe. Es hat sich angefühlt, als ob ich ein Gespräch mit Ihnen verpasst hätte.

Aber jetzt muss ich Ihnen doch über den Twitter-, Facebook, WordPress-, Google- freien Sonntag erzählen. An Wochenende ratscht bei mir der Wecker nicht, das heißt, ich stehe erst auf, wenn ich von selbst wach werde (das ist dann meist etwas später, als sonst, unter der Woche).

Gestern war auch das erste Philharmonische Abonnement Konzert (es ist zwar kein richtiges Abonnement, so wie sonst, weil man die Karten einzeln bestellen kann, aber für mich spielt das keine Rolle). Ich habe mich riesig darauf gefreut. Na sicher, es war anders, erstens hat es nicht um 11, wie sonst, sondern11:30 begonnen. Dann ist mir meine Freundin abgegangen, die ich sonst meist schon am Weg getroffen habe – wir haben kürzlich ihre Seelenmesse gefeiert.  Der übliche „Andrang“ hat sich in Grenzen gehalten, es waren nur wenige Menschen vor dem Eingang. Vom Seitentor, das ich sonst gerne benutzt habe (da kommt man schnell zur bequemsten Stiege auf den Balkon) wurde ich weggeschickt (nicht mehr für Besucher zulässig). Auf dem Platz vor dem Gebäude steht ein Container, dort kann man sich Anweisungen holen, wo man eintreten darf (bei den Bundestheatern wurde das brieflich nach Hause mitgeteilt). Aber dennoch wurde ich falsch informiert. Man hatte mir „Hauptportal“ gesagt, dort schickte man mich wieder weg, ich musste einen Eingang neben dem Hauptportal verwenden. Also jetzt weiß ich’s, für’s nächste Mal. Ich wollte schon die Stiege anpeilen, da öffnete sich der Lift – niemand war weit und breit zu sehen (ich benutze Lifts halt jetzt – Coronazeit – nur allein). Auf einen Mantel konnte ich noch verzichten, daher gab ich keine Garderobe ab. Und flugs konnte ich meinen Platz einnehmen.  Vor mir saß zwar jemand, aber rechts und links niemand. Buffet war geschlossen, also kein Kaffee mehr vor der Aufführung und Pause war keine vorgesehen.

Nun das Konzert hat mir sehr gut gefallen, trotz vorheriger Unkereien im Bekanntenkreis, dass der Dirigent – schon 90 – zu langweilig wäre. Ich mag die Musik Mendelsohns sehr gerne, und für meinen (unmaßgeblichen Geschmack) wurde sie sehr inspiriert dargeboten. (Trostlos ist der teilgefüllte Saal schon – im Theater nimmt man das während der Vorstellung halt nicht wahr!). Dass zuletzt der Kaiserwalzer gespielt wurde, fand ich sehr gut, man dachte an das Neujahrskonzert – und an den Philharmonikerball und Techniker Cercle, die in diesen Räumlichkeiten „üblicherweise“ stattfinden. Diesbezüglich kann man nur hoffen, dass sich die Situation entspannen wird. Nicht, dass ich vorhabe hinzugehen, ich wünsche mir nur, dass diese Bälle stattfinden können (Vielleicht als Maskenbälle?).

Am Heimweg hörte ich am Ring lautes Hupen. Dann fuhr eine ganze Kolonne von dichtbesetzten Autos hupend vorüber, an den Spiegeln waren rote Tücher angebunden – ich schloss darauf auf eine türkische Hochzeit.  Und das erste, das mir einfiel war nicht Glück und Segen für das Brautpaar – sondern: das wird möglicherweise ein neuer Corona-Cluster. Soweit ist es schon mit mir, traurig!

Und da gestern einer meiner Enkel Geburtstag hatte, gab’s selbstverständlich einen Geburtstagsjause. Und da wir in Corona-Zeiten leben, fand diese im Garten seiner „anderen“   Großmutter in Ober St. Veit statt. Mit dem Wetter hatten wir im Vergleich zum Vortag (und darauffolgenden Tag) durchaus Glück. Es war trocken und die Sonne schien, zu mindestens teilweise. Und dieser wunderschöne Garten liegt teilweise in einer Senke, in der es nicht windig ist. Also Ideal! Ich bin schon ziemlich warm angezogen angerückt. Die Runde viel verhältnismäßig klein – im Vergleich zu sonstigen Familienfeiern, da z.B. die Geschwister aus verschiedenen Gründen verhindert waren. Daher kam es, dass das Geburtstagskind das einzige männliche Wesen der Runde war (anwesend: Ehefrau, Cousinen, Tanten, Mutter und Großmütter). Nur der Hund war noch männlich. Selbstverständlich gab es eine köstliche Torte, selbstgebacken von der frischgebackenen Ehefrau des Geburtstagskindes, daher eine neue Variante in der Familienrunde. Tee und Kaffee, wobei hier unterschieden wurde, in Espresso – musste aus dem Haus geholt werden und Instantkaffee. Der Tisch war wunderschön gedeckt, und salzige Knabbereien gab’s auch. Die Geschenke hielten sich in Grenzen, einerseits gab es Bücher und andererseits „finanzielle Unterstützung“ für die derzeit stattfindende Einrichtung der neu bezogenen Wohnung.

Es war ein lustiges Fest; ich dachte an die Geburt des jetzt jungen Mannes. Meine Tochter und mein Schwiegersohn lebten damals zu Ausbildungszwecken in den USA. Als Mutter der Tochter fand ich, sollte ich nach der Geburt meiner Tochter beistehen (die war zwar durchaus in der Lage das allein zu bewältigen). Jedenfalls – der Flug war gebucht, das Kind noch nicht geboren. Nach dem langen Flug übernachteten wir in Los Angeles (eh am Flughafen) und stellten den Wecker – auf ehr früh, um den Anschlussflug nach Phoenix nicht zu verpassen. Was uns aufweckte, war aber dann nicht der Wecker, sondern ein Anruf meines Schwiegersohnes, dass das Kind schon das Licht der Welt erblickt hätte.

So konnten wir unseren Enkel, nur ein paar Stunden nach seiner Geburt sehen. Ich blieb dann bei meiner Tochter (die mitgebrachten Stoffwindel kamen nicht in Einsatz – es waren die Wegwerfbaren – bei allen Bestrebungen der Umweltschonung).  Mein Mann setzte sich bald ab – zu seinem Freund nach Washington – und holte mich dann später in Phoenix wieder ab.

Kinderwagen wurde von meiner Tochter abgelehnt, wo soll ich damit fahren – bei 40° und keinen Gehsteigen? Wir einigten uns auf eine Babytrage und einen Kindersitz für’s Auto. Das Baden des Babys verlegten wir auf den Balkon, denn die (Studenten-)Wohnung war gut gekühlt.

Und jetzt ist der junge Mann verheiratet, hat seinen Master – und sucht einen passenden Job.

Mein ereignisreicher Sonntag

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