WARNUNG (Teil 1)

Eine böse Geschichte

Diese Geschichte schreibe ich, um Sie zu warnen, obwohl sie mich nicht im besten Licht erscheinen lässt. Ich kann eine Reihe von Gründen anführen, warum ich mich so blöd verhalten habe, aber das machen wir dann am Schluss dieser Aufzeichnungen.

Gestern am Nachmittag, gerade als ich eine Analyse des neuen Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan zu analysieren versucht habe (kommt demnächst), hat mein Festnetztelephon geläutet. Dran war „die Polizei“. Ich wurde gefragt, ob mein Telephon ein langes Kabel hätte, um damit in der Wohnung herumgehen zu können. Ich schlug vor, mich doch am Handy anzurufen und nannte meine Telephonnummer.  

Dann wurde mir mitgeteilt, dass in der meiner Umgebung ein Einbruch stattgefunden habe, zwei Einbrecher hätte man dingfest machen können, drei wären auf der Flucht – und sehr gefährlich. Bei den Festgenommenen hätte man einen Zettel gefunden, auf dem mein Name aufscheine, und und die Fakten, dass ich allein wohne, sowie  Bargeld, Schmuck und Gold in der Wohnung aufbewahren würde. Ich wurde befragt, ob ich „verdächtige Personen“ in der Umgebung in letzter Zeit wahrgenommen hätte (nein), oder ob Autos mit ausländischen Nummern hier parken würden (ja).  Der Anrufer fragte, ob ich mich hier auskenne, wüsste wo sich die Schwarzenbergstraße oder die Mahlerstraße befänden (ja).

Der „Polizist“, weiterhin am Telephon, meinte, dass ich jetzt sehr gefährdet wäre und ich die Polizei unterstützen solle. Da er mit einem nicht-wienerischem Akzent sprach, fragte ich nach seiner Herkunft, – München – er arbeite beim BKA, bei der Bandenbekämpfung zusammen mit Österreich (später erwähnte er die EUROPOL). Er machte aber kleine grammatikalische Fehler beim Sprechen.

Der Anrufer meinte, das Gold und der Schmuck müssten „erfasst“ werden. Naja, ich solle Goldmünzen zählen und Goldschmuck abwiegen. Mir kam das alles bereits eher komisch vor, und ich fing an mich den Aufträgen zu verweigern. Er meinte, ich müsste das ernst nehmen sonst mache ich mich strafbar. Als ich weiterhin nicht kooperierte „verband“ er mich mit der „Staatsanwaltschaft“, wobei mir ein Mann (mit ähnlicher „Sprache“) zuredete, mich doch nicht der Verbrechersuche zu verweigern. Ich war weiterhin skeptisch, und da meinte er, ich solle den Polizeinotruf 133 anrufen – und nach ihm (er nannte mir einen Namen) fragen. Das tat ich umgehend – und beim Notruf wurde ich wieder zu dem ursprünglichen Anrufer verbunden.  Hinterher erklärte mir die echte Polizei, dass die Verbrecher eine Fangschaltung eingerichtet hätten, weshalb ich im Endeffekt erst nach geschehener Tat mit der „echten Polizei“ redete! In so einem Fall müsste man ein zweites Mal 133 anrufen. Der permanente Anrufer verbot mir, irgendjemand anzurufen oder mit irgendjemand zu sprechen (auch dazu erklärte mir die echte Polizei später, das würden sie nie verlangt werden, außer man wäre bereits verhaftet). Der fiktive Polizist meinte, ich solle alle Vorhänge zuziehen, dass mich niemand von außen beobachten könne. Machte ich nicht.

Hinterher ist man immer g’scheiter, auch weil man nicht unter dem permanenten Druck der Verbrecher steht, die sehr überzeugend argumentieren, Angst schüren und drohen.

Wie von der fiktiven Polizei nachdrücklich beauftragt zählte und wog ich alle Wertgegenstände ab.  Danach meinte der Anrufer (der permanent am Telephon blieb und mich beschimpfte, sobald ich auflegte), er würde jetzt jemand schicken, der die Wertsachen sicher verwahren würde. Ich weigerte mich, sie herauszurücken. Er drohte, dass, wenn ich mit der Polizei nicht kooperiere, ich andere Menschen gefährde und dafür haftbar gemacht werden könne. Ich fragte nach was „haftbar“ hieße. Bekam aber keine befriedigende Antwort. Außer wegen Nicht-Kooperationsbereitschaft mit der Polizei.

Er meinte, dass gleich jemand an meine Tür käme, der die Wertsachen nur photographieren würde. Ich verlangte einen Ausweis, er hatte keinen – der Mann am Telephon meinte, er wäre ein verdeckter Ermittler ohne Polizeiausweis. Ich ließ ihn nicht herein. Wenn ich auflegte, rief er immer wieder an. Der Anrufer sagte, ich solle per Telephon überprüfen, dass der Mann vor der Tür mit der Person am Telefon ebenfalls in Verbindung stehe. Ich schaute kurz auf die Nummer, sie begann mit 90 – und ich meinte, dass das keine österreichische Nummer wäre. Darauf der Anrufer – das wäre eine Polizei-interne Nummer.  Ich war bereits in höchster Alarmbereitschaft, ließ aber den Boten unter massiven Druck der falschen Polizei am Telefon dann doch herein – er photographierte alles und ging wieder.

Dann meinte der Anrufer, dass jetzt grad eine Verbrecherjagd stattfände, und dass ich das Ziel der Verbrecher wäre. Ich sollte die Wertsachen zusammenpacken und damit auf die Straße gehen. Ich erwiderte, dass ich zuerst alles aufräumen müsste, bevor ich wegginge. Er drängte, dass wir keine Zeit hätten. Ich legte immer zwischenzeitlich auf, auch um alles wegzuräumen, mir fiel z.B. eine Münze hinunter, ich musste sie aufheben (hätte ich sie nur liegengelassen!!!!). Der Anrufer drängte zu Eile, die „Verbrecher entkämen uns“ so meinte er mehrmals (und ich wäre schuld).

Ich wollte nicht auf die Straße. Der Anrufer meinte, dass die Polizei zwei weitere „Verbrecher“ gefasst hätte, nur noch einer fehle, der wäre aber sehr bedrohlich. Ich wäre nur sicher, wenn ich seinen Anweisungen genau Folge leisten würde.

Fortsetzung folgt im nächsten Blog.

WARNUNG (Teil 1)

4 Gedanken zu “WARNUNG (Teil 1)

  1. Elisabeth Knoll schreibt:

    Liebe Frau Doktor!Ich habe gestern gestern um.10.35 den gleichen Anruf am Festnetz erlebt (Einbrecher in Weihburggasse,mein Name..),nur hat mich sein stark-deutscher Akzent sehr gestört..er hat bald aufgelegt und ich habe 133 angerufen und den beiden Polizistinnen alles erzählt.Tut mir leid für Sie-hab Sie einmal beim Vortrag kennengelernt!Herzlich grüsst Dr.Elisabeth Knoll

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