Warnung (Teil 2)

Profis bei ihrer Arbeit

Ich befinde mich in meiner Wohnung inmitten einer vermeintlichen Verbrecherjagt am Telefon. Der Anrufer erklärte mit harschen Worten, dass ich verpflichtet wäre der Polizei zu helfen, und ich könnte nur auf der Straße ausreichend beschützt werden, gleichzeitig würde sich dadurch der letzte freie Täter zeigen.  Ich sollte die gesamte Zeit das Handy am Ohr halten und ja mit niemandem sprechen. Ich stand also vor dem Haustor und der wurde telephonisch angewiesen, die Schwarzenbergstraße entlang zu gehen. Als ich vor dem Café Schwarzenberg stand, fragte ich wohin ich nun gehen sollte. Durch den Straßenlärm war ich nicht in der Lage, die Anweisungen zu verstehen. Geschützt durch den Eingang fragte ich: links – rechts – geradeaus?   Der Anrufer schien verwirrt und gab mir trotzdem konkrete Anweisungen, was ich genau zu tun hätte. Ich fühlte wie in einer pervertierten Schnitzeljagd unsicheren Ausgangs.

Natürlich wäre es jetzt am gescheitesten gewesen, wieder nach Hause zu gehen, aber der Anrufer drangsalierte mich mit Aussagen wie „Achtung sie werden verfolgt – halten sie sich an meine Anweisungen, dann sind sie sicher. Ich ging also den Ring entlang Richtung Wollzeile, als ich plötzlich aufgefordert wurde, in die Fichtegasse einzubiegen, dort würde mein „Beschützer“ (der Bote von vorhin) auf mich warten. Er kam ein Weilchen nicht. Ich erklärte meinem Anrufer, dass ich dem Boten nicht als meinen Beschützer ansah und der wies darauf hin, dass er ja in meiner Wohnung gewesen wäre – und mich auch nicht erschossen hätte. Beide, der Anrufer und mein Begleiter forderten mich dringend auf, dass ich ihm meine Handtasche – in der die Wertsachen enthalten waren, übergeben solle. Es wurde von beiden Seiten pausenlos auf mich eingeredet, “sie müssen unbedingt unseren Anweisungen folgen, denn nur so können wir sie beschützen“. Immer wieder – wie ein Trommelfeuer – wurde immer wieder von dem Anrufer mein Name wiederholt. Ich wies darauf hin, dass ich die Tasche sicher nicht abgeben würde, er könne neben mir gehen und die Tasche halte, die aber über meiner Schulter hing. Nun versuchte man mir zu erklären, dass ich im Falle, dass ich die Tasche selbst trüge, vom Täter angeschossen würde und wenn der Begleiter die Tasche trüge, dieser eher verletzt würde.

Ich wollte mich beim Boten einhängen, aber das wurde wiederum aus „Sicherheitsgründen“ abgelehnt. Diese Tatsache wurde von einer jungen Frau interessiert beobachtet – es wirkte ja wie ein Streit – aber leider habe ich sie nicht um ihren Namen gebeten, das war in der Gegend des Oberstufengymnasiums Hegelgasse. Kurz darauf kam ein Anruf – einerseits an den Begleiter und mir wurde „Notlage“ entgegengeschrieen. Der Begleiter riss sich von mir los, entnahm mir die Tasche und rannte davon – zu seinem Auto. Wie mir der Herr am Telefon erklärte musste er das tun um die „Verfolgung aufzunehmen“. Ich kann einem 25jähringen leider nicht mehr nachlaufen – er lief die Hegelgasse Richtung Marriott davon.

Der Anrufer versuchte mich zu beruhigen, die Tasche würde gleich zu mir zurückgebracht werden, ich möge nach Hause gehen und vor dem Haustor warten. Ich wies darauf hin, dass ich keine Schlüssel hätte (die wären in der Tasche, ebenso wie Geldbörse und natürlich alle weiteren Wertgegenstände). Ich war einigermaßen wütend (wahrscheinlich auch auf mich selbst) und brüllte herum, worauf er erklärte ich wäre hysterisch (no na) und ob er nicht (fürsorglich) eine Rettung rufen solle.

Der immer noch mit mir verbundene Anrufer versprach, dass der junge Mann doch bald vor meiner Haustür auftauche würde, und ich meine Tasche dann zurückerhalten würde. Ich wartete – leider zu lange – und drohte zur Polizei zugehen. Natürlich kam der junge Mann nicht. Endlich brach ich die Verbindung zu dem Anrufer ab – er rief dann, entgegen den bisherigen Vorgangsweisen auch nicht mehr an.

Hierauf begab ich mich in nächstgelegene die Polizeistation. Dort nickte man nur, als ich meine Geschichte zu erzählen begann – es schien den Polizisten und Polizistinnen dort ein bekanntes Muster zu sein.  Auch die Tatsache, dass bei einmaligem Notruf eine „Fangschaltung“ bestünde war bekannt. Ja, da muss man gleich dahinter noch einmal 133 anrufen!

Man half mir dort sofort die Kreditkarten zu sperren, versorgte mich mit Wasser und Kaffee, uns gleichzeitig wurde ein Trupp zur Wohnung geschickt, da ja die mutmaßlichen Verbrecher auch meine Wohnungsschlüssel in der Handtasche finden könnten.  Dort – da jetzt auch mein Enkel dort eingetroffen war, wurde sogleich eine Spurensicherung durchgeführt, aber dieser schlaue Täter, der die Wohnung ja betreten hatte, war sehr vorsichtig gewesen und hatte vorsorglich anscheinend nichts angefasst.  

Es wurden Anzeigebestätigungen über die verlorenen Wertgegenstände, über schweren Betrug und eine Zeugenvernehmung durchgeführt und dokumentiert. Man versicherte mir, dass alle die Unterlagen zum Landeskriminalamt übermittelt würden, wo sie weiterbearbeitet würden. Man machte mir auch wenig Hoffnung auf die Rückerstattung meiner Verluste, weil man zu wenige Ansatzpunkte zur Täter Erfassung hätte – die seien längst über die Grenze!

Natürlich mache ich mir Vorwürfe, jetzt – aber nicht unter einem Trommelfeuer von Anweisungen – sehe ich zahlreiche „Abzweigungen“, die ich hätte nehmen können oder sollen, aber ich war in einem derartigen Mix auch Angst, Druck und Bedrohung, dass ich kaum einen klaren Gedanken hätte fassen können. Ich habe das Gefühl gnadenlos professionell von den Tätern manipuliert worden zu sein.

Ich kam dann eher total erschöpft nach Hause, ich fühle mich schamlos betrogen. Meine Familie kümmerte sich liebevoll um mich, obwohl der Verlust auch sie betrifft. Abgesehen vom materiellen Wert waren (gerade beim Schmuck) Stücke dabei, die großen emotionalen Wert für mich haben, da sie mir von meinem verstorbenen Mann geschenkt worden waren. Aber jetzt geht’s mir ohnedies wieder halbwegs gut.

Das einzige, das mich jetzt vielleicht rösten könnte, wäre, dass dieser Raub armen Menschen zugutekommen würde, aber daran habe ich leider meine Zweifel!

Warnung (Teil 2)

28 Gedanken zu “Warnung (Teil 2)

    1. @ Gertrude Hoffmann finden Sie es hilfreich, einem Menschen, der sich mit ihrer Verletzlichkeit zeigt und damit anderen helfen möchte, auch noch „nach zu treten“? Ich lese Ihren Kommentar und wundere mich.

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    1. Danke; das Schreiben hilft mir einem derartigen Fall. Derr „Verklust“ ist zwar hoch – aber nicht bedrohlich und sicher werde ich in Zukunft besser aufpassen – wobei die „Bösen“ ordentlich „suggestiv“ waren Liebe Grüße

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  1. Isa schreibt:

    Es tut mir sehr leid dass Ihnen so übel mitgespielt wurde.

    Ich finde es sehr mutig von Ihnen, so offen zu beschreiben wie Sie ausgetrickst wurden. Das ist eine sehr eindrucksvolle Warnung. Man denkt ja immer einem selbst könnte sowas nicht passieren. Nun sieht man, dass auch kluge und reflektierte Menschen nicht davor gefeit sind.

    Ich hoffe, dass Sie sich von diesem Schock bald erholen können.

    Ein Detail würde mich noch interessieren: können Sie mehr zu dieser „Fangschaltung“ (sind Sie sicher dass das der richtige Begriff ist?) schreiben? Ich kann fast nicht glauben dass es möglich sein soll einen Anruf zur Polizei umzuleiten. Haben Sie wirklich selbst 163 gewählt?

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    1. danke für Ihre verstännisvollen Worte,. Den Begriff Fangschaltung hat die Polizeit selbst verwendet, ich glaube, da recherchieren jetzt eine Menge leute darüber. Jedenfalls verfhindern die Verbrecher, dass der Ruf überhaupt zu 133 kommt!

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  2. Johannes schreibt:

    Wir hatten vor einigen Wochen einen ganz ähnlichen Anruf. Wollte dann genaueres zur Dienststelle, weil wir rückrufen wollten, bekamen aber auch die 133 genannt. Da habe ich aufgelegt und das der echten Polizei via Kommissariat mitgeteilt.
    Wir hatten den Vorteil, dass wir zu zweit zu Hause waren. Es wäre gut, wenn die Polizei mehr darüber informiert, wie sie sicher nicht vorgeht. Der Enkeltrick ist ja inzwischen auch einigermaßen bekannt.

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  3. Verena Bachler-Szenkovits schreibt:

    Das ist so eine Gemeinheit! Ich bin richtig wütend, über diese Grausamkeit. Ja, es sind nur Gegenstände. Sachen, die wir eh nicht mitnehmen können, eines Tages. Aber solcher Gewalt ausgeliefert zu sein ist die schlimme Erfahrung.
    Heute morgen war ein Bericht im Radio, wo genau diese Vorgangsweise beschrieben wurde. Hoffentlich erholst du dich bald von dem Schock. Gut, dass deine Enkel jetzt bei dir wohnen. Alles Liebe, Verena

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  4. Elena schreibt:

    Auch ich schließe mich denen an, die für Ihre Offenheit danken.
    Und ja: die Typen waren sehr manipulierend, suggestiv, Angst machend; was folgt daraus: die Bösen sind so, genau so: sie nützen die Unwissenheit und/oder das Vertrauen der Angerufenen schamlos und betrügerisch aus.
    So etwas wird ihnen nicht mehr passieren, da bin ich mir – sind Sie sich – allerdings sicher.
    Und wie Johannes schreibt: es gibt andere Möglichkeiten als die „133“ mit der Polizei in Kontakt zu kommen. Etwa die Tel.-Nr der jeweiligen Polizeiinspektion. Schauen Sie mal nach unter „www.polizei.gv.at“

    Alles Gute Ihnen!
    LG Elena

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  5. Mir ist noch ein Detail aufgefallen: Dass Sie von einem Festnetz-Anruf geschrieben haben, mit dem alles begonnen hat. Die Fangschaltung dürfte offenbar (nur) da-rüber machbar sein…? Danke für Ihren mutigen und Fürsorge für Ihre Umwelt beweisenden Beitrag! Wenn er nur EINE Frau vor einer ähnlichen Erfahrung bewahrt, war er schon wesentlich! Alles Gute für Sie und Ihre Lieben!

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      1. Wolfgang Habian schreibt:

        Das Vorurteil, dass alle Schlangen giftig wären ist lebensrettend, wenn es nicht besser weiß. Das Vorurteil, ein Polizist der nicht normales Deutsch spricht ist nicht echt, hätte Ihren Schmuck gerettet. Auf den Punkt gebracht: Vorurteile können lebenswichtig sein. Ihr schlechter Ruf ist ein Vorurteil.

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      2. Der Trickdieb hat ein gutes Deutsch mit kleinen grammatikalischen Fehlern aber einem „deutschen“ Akzent gesprochen. Auf meine Frage hat er etwas von Interpol gesprochen und gemeint er käme aus München, und er bilde ein Team zusammen mit Östereichern, um Trickdiebe zu fangen ….

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  6. Wolfgang Habian schreibt:

    Ihr Handeln ist nachvollziehbar und vielen wäre es so gegangen. Aber es ist erschreckend, dass heute Misstrauen zur Existenzfrage geworden ist. Innerhalb einer Generation. In meiner Kindheit wurde am Land kein Haus zugesperrt. Im Vorzimmer des Forsthauses meines Großvaters ist trotzdem sein Jagdgewehr gehangen. Zugesperrt wurde nur, wenn das Fahrende Volk in der Nähe war. Offenbar besteht die heutige Gesellschaft nur mehr aus „fahrenden Völkern“

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    1. Sie werden verstehen, dass es mir derzeit schwerfällt, das Misstrauen gegenüber „potentiellen Verbrechern“ zu unterdrücken, dennoch bemühe ich mich, anderen möglichst ohne Misstrauen zu begegnen. Wir sollten uns bemühen dieses von Ihnen genannte frühere Vertrauen wiederherzustellen, dazu gilt es aber die „Verbrecher“ zu erwischen. Und genau deshalb habe ich mit der Polizei zusammengearbeitet um die Menschen zu warnen, solange „mein“ Verbrecher in der Türkei sitzt und trotz internationalm Haftbefehls nicht ausgeliefert wird.

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  7. Renate Riemer-Mohr schreibt:

    Liebe Frau Dr. Chorherr, von einer Freundin bekam ich die Pressekonferenz per what’s App, und da Sie erwähnten, einen Blog zu schreiben, habe ich den betreffenden Eintrag nun vor mir. Meine Mutter (86), geistig – so wie Sie – voll fit, ist auch von dieser Bande ausgeplündert worden (im November) Es waren ihre gesamten Ersparnisse der letzten Jahrzehnte. Die ganze Sache lief über drei Tage, voller Psychoterror. Der materielle Verlust ist schlimm, doch noch schlimmer ist das Gefühl, sich so wehrlos ausgeliefert zu haben! Bei der Konferenz war das sehr stark zu spüren, dass auch Sie dieser Aspekt am stärksten belastet. Meine Mutter bittet Sie um einen Anruf. Wenn sie einverstanden sind, bitte um ein Mail, ich schreibe Ihnen dann die Telefonnummer. Mit freundlichen Grüßen Renate Riemer-Mohr

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  8. Riemer-Mohr Renate schreibt:

    PS: es gibt keine „Fangschaltung „ . Meiner Mutter wurde gesagt, dass sie während des Gesprächs die 133 wählen solle. Dh. sie blieb mit dem Anrufer in der bestehenden Verbindung. Um wirklich mit 133 verbunden zu werden, hätte sie die bestehende Verbindung unterbrechen müssen, also auflegen müssen um einen neuen Anruf zu tätigen. R. R.

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