Zu den neuen „schwimmenden Gärten“ am Donaukanal

Derzeit schaut es dort mehr nach Beserlpark aus

(Beserlpark ist in Wien eine scherzhafte Bezeichnung für eine „kleine kümmerliche Parkanlage“. Dazu ein andermal!)

Nachdem die Situation in den USA derzeit zu verwirrend ist, schreibe ich lieber erst drüber, sobald ich das Ganze besser durchschaue. Ich bin da auch nicht ganz sicher, ob bei dem, das was da berichtet wird nicht noch jede Menge „Fake“ dahintersteckt. Und sollte es wirklich Fake sein, was damit erreicht werden soll (klar natürlich, ein Wahlsieg Trumps).   Daher konzentriere ich mich jetzt auf mein Wien. Es gibt eine neue Attraktion – gar nicht weit weg von mir, zu Fuß zu erreichen. Die schwimmenden Gärten an der Kaiserbadschleuse am Donaukanal.

Ich lese: Die „schwimmenden Gärten“ wurden eröffnet. Fünf Jahre hat es gedauert bis aus der Idee der „schwimmenden Gärten“ am Donaukanal Realität wurde. Drei Monate dauerte die Bauzeit, 3,5 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben. Zu besichtigen sind sie, diese neuen schwimmenden Gärten, auf Höhe der U-Bahn-Station Schottenring. Zwei Brücken verbinden nun den Betonblock im Donaukanal mit dem „Festland“. 1.500 Quadratmeter neue Fläche stehen den Wienern jetzt zur Verfügung, naja rechtzeitig vor der Wahl. Es wurde viel Holz verbaut, Sitz- und Liegemöglichkeiten geschaffen, Bäume wurden gepflanzt. Beete gibt es auch, jetzt bepflanzt mit den pannonischen Trockengräsern. Als Vorbild dienen übrigens die schwimmenden Gärten in Paris. Dort wurden private Hausboote an der Seine mit Pflanzen ausgestattet.

Der Donaukanal ist ja in den letzten Jahren aber besonders in Corona-Zeiten sehr populär bei den Jungen geworden. Die Älteren spazieren schon lange da, mit oder ohne Hund, und Radfahrer haben die Gegend auch schon „immer“ benutzt. Aber jetzt gibt es da halt eine Partyszene, aber zumeist am anderen Ufer (wenn man von der schon lange bei der Rossauer-Kaserne gelegenen Sommerstage und jene in der Gegend der Urania absieht). Der Donaukanal vom Nussdorfer Wehr bis zum Alberner Hafen ist 17 km lang und trennt diverse Wiener Bezirke voneinander. Also: noch viel Platz für weitere Anlagen.  

Die Wehranlage und Schleuse Kaiserbad, wo sich nun diese schwimmenden Gärten befinden, ist ein wesentliches Denkmal für die technischen Herausforderungen der Schiffbarmachung des Donaukanals um 1900. Das dazugehörige Schützenhaus – am anderen Ufer – ist eines der Hauptwerke Otto Wagners. Das Schützenhaus und die Schleuse als Teil des Donaukanals stehen jedenfalls unter Denkmalschutz.

Der Schütz ist ein beweglicher Teil einer Wehranlage, der bei Bedarf ins Wasser abgesenkt werden kann, um dieses zu stauen. Wird der Schütz nicht benötigt, kann er entweder hochgezogen oder komplett entfernt werden. Das Schützenhaus im Donaukanal hat allerdings seine Funktion niemals erfüllt, da von der Einrichtung einer Staustufe an diesem Flussabschnitt letztlich Abstand genommen wurde. Das Schützenhaus enthielt im Mittelteil des Obergeschoßes den stationären Wehrkran, mit dem der Schütze eingehängt oder ausgebaut werden konnten. Das Erdgeschoß beherbergte außerdem das Schützendepot und ein ursprünglich als Durchfahrt für die Dampftramway von der Salztorbrücke nach Stammersdorf gedachtes Requisitenmagazin. Heute befindet sich hier das Restaurant Otto Wagner Schützenhaus.

Die Wehranlage und Schleuse Kaiserbad sowie das Schützenhaus wurden in den Jahren 1904 bis 1908 erbaut. Die Staustufe Kaiserbad war die einzige der ursprünglich drei geplanten Staustufen des Donaukanals. Der Name bezieht sich auf das ehemalige Kaiserbad, das sich ursprünglich an dieser Stelle befand und 1899 abgebrochen wurde. Das Wehr Kaiserbad war bis 1945 in Betrieb. Am Ende des Weltkrieges wurde die Wehranlage durch ein Bombardement zerstört und anschließend abgetragen. Der schmale Teil zwischen Wehrinsel und stadtseitigem Ufer wurde mit einem Klappsteg überbrückt.

Ich kannte diesen Bau noch aus meiner Kindheit, denn hier wurden zur Weihnachtszeit die Karpfen aus dem Waldviertel im Kanalwasser „zwischengelagert“. Am 24. Dezember, zeitig in der Früh begab sich meine Mutter, die im neunten Bezirk wohnte, an den Donaukanal, um einen frischen Karpfen zu kaufen. Ich nehme an, dass er dort vom Verkäufer erschlagen -und in Stücke geschnitten wurde. Das alles brachte meine Mutter nach Hause (natürlich mitsamt Kopf und Schwanz, daraus wurde nämlich die Fischsuppe für den Heiligen Abend zubereitet). Die Karpfenstücke wurden (mitsamt allen Gräten) paniert und gebacken und dann als Weihnachtsmahl – begleitet von Vogerl- und Erdäpfelsalat –   mehr oder weniger genüsslich – verzehrt. Meine Kinder, sobald sie sich dazu äußern konnten, lehnten diese Karpfentradition vehement ab, der Kampf mit den Gräten war am Weihnachtsabend nicht mehr erwünscht. Ich esse Karpfen weiterhin gerne, kaufe aber nur Filets – und selbst darin ist man vor Gräten nicht gefeit.

Ich weiß nicht, ob ich viel Zeit in den schwimmenden Gärten verbringen werde, empfehle aber jedenfalls bis zum Frühjahr zu warten, denn dann werden den Bäume schon Blätter haben und ein Sonnensegel die Besucher vor zu viel Sonne schützen.

Zu den neuen „schwimmenden Gärten“ am Donaukanal

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