Eine Filmempfehlung

Crescendo (gesehen im Admiralkino)

Gestern stand ein Familienausflug am Programm: ein Familienausflug ins Kino. Ich gebe zu, dass ich so am mittleren Nachmittag eigentlich kneifen wollte, das Wetter war zu schlecht und es standen schon nasse Schuhe im Vorzimmer. Aber einer meiner Enkel ließ das nicht durchgehen, er fuhr mit mir sogar öffentlich (statt auf dem Fahrrad) ins Admiralkino – in der Burggasse. Drei Generationen, einen Kinoreihe. Teilweise wohnen wir miteinander, ansonsten beachteten wir strikt die Corona-Regeln – Abstand, kein Händeschütteln, schon gar keine Bussis, und Handdesinfektion, damit schufen  wir hoffentlich keinen neuen Cluster.

Vorher hatte man sich gestärkt, und im Kino gab es dann traditionell Popcorn, Manner Schnitten und Rumkugeln. Wie die Kinos derzeit überleben können, ist mir nicht ganz klar, um das Vorhandensein der Karten hätten wir uns wirklich keine Sorgen machen müssen.

Der Film: Crescendo! Ein Film ist dann gut, wenn man hinterher darüber diskutiert. Ganz kurz warum es in diesem Film geht: Eine Charity-Organisation plant ein Konzert, anlässlich eines Gipfeltreffens zwischen Israel und Palästina, das der deutsche Stardirigent Eduard Sporck mit jungen israelischen und palästinensischen Musikern im Rahmen einer Nahost-Friedenskonferenz in Südtirol aufführen soll. Dieses Konzert soll beweisen, dass ein friedliches Miteinander möglich ist. Sporck kann die unterschiedlichen Ansichten, Voraussetzungen und Interessen der Musiker nur schwer vereinen; am Ende scheitert das Projekt zwar an einer von außen kommender Gewalttat, aber die beteiligten jungen Musiker sind einander dennoch nähergekommen.

Dieser Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern schwelt schon sehr lange, bricht immer wieder auf und scheint unlösbar eingebrannt in die Seelen der dort Wohnenden. Die hohe, unbezwingbare Mauer zwischen ihnen steht nicht nur im Land, sie steht auch in den Herzen, leider auch in den Herzen der Jungen.   Natürlich gibt es Ausnahmen, es gibt Menschen, die sich um Frieden dort ehrlich bemühen: es gibt das West-Eastern Divan Orchestra, ein von Daniel Barenboim 1999 geführtes Symphonieorchester, das zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Musikern besteht. Das Ensemble wurde von Daniel Barenboim, Edward Said und Bernd Kauffmann gegründet und setzt sich für friedliche Lösungen im Nahostkonflikt ein. Es gastiert weltweit, setzt sich aus jungen Musikern im Alter von 14 bis 25 Jahren zusammen, die aus Ägypten, Syrien, Iran, dem Libanon, Jordanien, Tunesien, Israel, Palästina und Andalusien kommen und sich einmal im Jahr für eine Arbeits- und anschließende Aufführungsperiode treffen.

Es gab in Österreich auch das Peace-Camp – im niederösterreichischen Lackenhof. Die Idee zum Camp kam ihr 2000 zum Höhepunkt der zweiten Intifada. Während sich palästinensische Aufständische einen blutigen Kampf mit israelischen Soldaten lieferten, sollte ein Camp Jugendlichen von beiden Seiten ermöglichen, sich auf neutralem Boden besser kennenzulernen.

Und dennoch, die Vorbehalte sitzen tief – noch immer besitzen palästinensische Familien den Schlüssel zu den Häusern, wo ihre Vorfahren gelebt hatten, bevor sie geflüchtet sind oder vertrieben worden sind. Und noch immer leiden – auch die Jugendlichen – Israelis an den Taten, die ihren Vorfahren im Rahmen des Holocaust angetan wurden. Beide meinen im Recht zu sein. Kompromissbereitschaft scheint es nicht zu geben.

Und die Aussichten der Palästinenser auf einen eigenen Staat in einem „Emmentaler Territorium“ werden immer geringer, einerseits durch die Aktionen, die Netanjahu aufgrund der Unterstützung von Trump setzt, und andererseits wird die gesamtarabische Unterstützung immer geringer, da immer mehr sehr reiche arabische Staaten ihren Konflikt mit Israel begraben. Und Jerusalem wird zusehends „araberrein“ gemacht.

Und jetzt zum Film. Der Film, der zuerst die Probleme der Palästinenser, Tränengas in ihren Städten, Schwierigkeiten, oder soll man vielleicht sagen Schikane beim Übergang an den Posten zwischen Israel und Palästina.  Dann die schwierige Auswahl der für das Orchester in Frage kommenden Jugendlichen. Spock, hervorragend verkörpert von „unserem“ Peter Simonischek, muss die Auswahl treffen, hat aber dennoch Schwierigkeiten eine ausreichende Auswahl von Arabern zu finden.

Sporck hat aber seine eigene Geschichte als „Nazikind“. Im schönen Sterzing, wo die Jugendlichen zusammen in einem Schloss leben und proben, treten die erwarteten Konflikte offen zutage. Die Polizei – in einer Nebenrolle – soll die Veranstaltung schützen, als ein Rowdy Auto in einen Radausflug der Orchesterkinder fährt (da passiert noch nichts) wird es als Terroristenattentat gewertet.  Die unabdingbare Liebesgeschichte (rührend verkörpert) führt zum Fiasko und Abbruch.

Dennoch empfehle ich, diesen Film anzusehen. Meines Erachtens sollte er im ORF (aber bitte im Hauptabendprogramm und nicht irgendwann zu „nachtschlafender“ Zeit) gezeigt werden. In sympathischer Form werden Probleme aufgezeigt, deren Verständnis für uns alle relevant ist.

Eine Filmempfehlung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s