Ein musikalischer Ausflug nach Arkadien

Philharmonisches Abonnementkonzert: Debussy (Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns)

Heute, am Vormittag, habe ich mich entführen lassen, in das Reich der Faune, Nymphen und Najaden, bzw. in das des Feuervogels. Ich war im Philharmonischen Konzert. Ja, schon, man musste während des gesamten Konzerts die Maske aufbehalten, verfroren bin ich angekommen, weil ich mir halt die Zeit für und das Gedränge bei der Garderobe sparen wollte, und die Stiegen musste ich auch hinaufgehen, da die Lifte schon überlastet waren.  Aber dann!

Das dem „Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“ zugrunde liegende Gedicht von Stéphane Mallarmés, das dieser zwischen 1865 und 1867 geschrieben und 1876 veröffentlicht hat, habe ich leider nicht gefunden.  Es gilt als sein bekanntestes Werk und beschreibt das sinnliche Erleben eines Fauns, als dieser aus einem nachmittäglichen Schlaf erwacht und das Geschehen des Morgens in einem rauschhaften Monolog Revue passieren lässt. Mallarmé griff mit seinem Gedicht den antiken Mythos von Pan und Syrinx auf, der in Dichtung und Malerei immer wieder dargestellt worden ist. Ein arkadischer Sommertag bildet den Hintergrund. Mallarme interessierte sich für die poetische Erfassung erotischen Verlangens und sexueller Begierde. Er stellt eine zwischen Einbildung und Wirklichkeit oszillierenden Gefühlssituation dar.

Arkadien ist eine Landschaft im Zentrum der Peloponnes. Die Arkader betrachteten sich als das älteste griechische Volk. Dort wohnten anfänglich Kleinbauern und Hirten. Schon in der Zeit des Hellenismus wurde Arkadien verklärt zum Ort des Goldenen Zeitalters, wo die Menschen unbelastet von mühsamer Arbeit und gesellschaftlichem Anpassungsdruck in einer idyllischen Natur als zufriedene und glückliche Hirten lebten. Viel später ließen sich Aristokraten im Schäferkostüm malen und setzten sich als Hirten in Szene. Dies war die symbolisch überhöhte Form, in der die archaische Vorstellung, wonach der Herrscher auch immer ein Hirte seines Volkes sei, in der Neuzeit als Bestandteil adliger Herrschaftsansprüche und Machtlegitimation überdauerte und aktualisiert wurde.

Und in dieser Landschaft lebte nun ein Faun. Er ist der altitalische Gott der Natur und des Waldes, der Beschützer der Bauern und Hirten, ihres Viehs und ihrer Äcker. Er tritt in vielerlei Gestalt und unter vielen Namen auf. Sein Fest, die Luperkalien, fand am 15. Februar statt. In der griechischen Mythologie entspricht ihm der Hirtengott Pan. Später wurde Faunus als gehörnter Waldgeist oder als Mischwesen aus Mensch und Ziegenbock aufgefasst.

Viele von uns haben in Ihrer Schulzeit Ovid gelesen, wenn nicht in lateinischer Sprache, dann doch in den Sagen des klassischen Altertums (von Gustav Schwab). Als eines Tages der Gott Pan die Nymphe erblickte, verliebte er sich sofort in sie und warb heftig um sie. Syrinx aber verschmähte seine Zuneigung. Auf der Flucht vor ihm wird sie, auf ihr Bitten hin, am Fluss Ladon in Schilfrohr verwandelt, aus dem Pan mit Hilfe von Wachs die Syrinx genannte Hirtenflöte (Panflöte) fertigt und auf ihr seine Lieder spielte. So lesen wir in den Metamorphosen Ovids.

Und die Flöten spielen ja auch die tragende Rolle in Debussys Werk. Dort allerdings denkt der Faun an Nymphen und Najaden. Eine Nymphe („Braut, junge Frau, heiratsfähiges Mädchen“) ist in der griechischen und römischen Mythologie ein weiblicher Naturgeist. Im weiteren Sinne wird die Bezeichnung auch für Priesterinnen gebraucht. In der griechischen Mythologie sind Nymphen weibliche Gottheiten niederen Ranges, die als Personifikationen von Naturkräften überall auftreten und teils als Begleiterinnen höherer Gottheiten wie des Dionysos, der Artemis oder der Aphrodite, teils als selbstständig wirkend gedacht wurden.

Sie galten als die – vorwiegend – wohltätigen Geister der Orte, der Berge, Bäume, Wiesen oder Grotten, sind aber nicht immer an dieselben gebunden, schweifen vielmehr frei umher, führen Tänze auf, jagen das Wild, weben in kühlen Grotten, pflanzen Bäume und sind auf verschiedene Weise den Menschen hilfreich. Nymphen galten wie die Menschen als sterblich. Sie sollten allerdings wesentlich länger leben – bis hin zu Fast-Unsterblichkeit und ewiger Jugend. Der Tod einer Nymphe wurde meist mit dem Ende dessen, was sie verkörperte – zum Beispiel eine Quelle oder einen Baum – gleichgesetzt.

Eine „Unterart“ der Nymphen sind die Najaden: sie wachen über Quellen, Bäche, Flüsse, Sümpfe, Teiche und Seen. Sie galten entweder als Töchter des Zeus oder des Okeanos. Trocknete das Gewässer einer Najade aus, so musste sie sterben. Die Najaden waren oft Objekte örtlicher Kulte, die sie als Fruchtbarkeitsgöttinnen verehrten. Ihren Gewässern wurden mitunter eine magische heilende Wirkung oder prophetische Kräfte zugesprochen. Allerdings waren die Najaden darüber hinaus für ihre extreme Eifersucht bekannt.

Und in dieser wunderbaren Welt Arkadiens, unter Faunen, Nymphen und Najaden habe ich den ersten Teil des Konzerts verbracht. Die Wiener Philharmoniker unter Gergiev haben mich dorthin entführt. Ihnen sei Dank!

Über den Feuervogel berichte ich Ihnen dann später.

PS: ich (Schweinsohr!) habe natürlich nichts davon gemerkt, dass die Akustik im Musikverein aufgrund weniger Besucher schlechter sein sollte, wie manche Kenner behaupten.

Ein musikalischer Ausflug nach Arkadien

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