Heute habe ich mir zum ersten Mal wieder Maroni gekauft.

Zur Maronibraterei

Heute war’s schon ein wenig herbstlich draußen, trocken war’s, aber es wehte doch ein recht kühles Lüfterl. Und wenn man dann so draußen herumgeht, kriegt man leicht kalte Hände, wenn man wiederum keine Handschuhe angezogen hat.

Aber Herbst und Winter kündigen auch schon anders an. Die Maronibrater haben ihre Öfen aufgestellt, und dort bekommt man ein Sackerl heiße Maroni, an denen man sich dann die Hände wärmen kann. Eigentlich bin ich ja gegen das Essen „im öffentlichen Raum“, also auf der Straße, aber zwei Ausnahmen gönn ich mir: das erste (Schleck-)Eis im Frühjahr und die ersten Maroni im Herbst.

Diesmal waren sie gar nicht so leicht zu schälen, aber zum Glück gibt es auf der Straße genügend Abfall Container in denen man die Schalen versenken kann.

Maronibrater haben in Wien eine lange Tradition: Maronibrater, das sind Wiener Straßenverkäufer, die im Winter auf transportablen eisernen Öfen, die vor einfachen Holzverschlägen stehen, Edelkastanien („Maroni“) und Erdäpfel braten und an Passanten verkaufen. In meiner Kindheit, als es noch viel kälter als heute in Wien war und es auch noch Schnee gab, trugen die Maronibrater Stiefel aus Stroh. Die Maronibraterei war ursprünglich durch ein Patent von Maria Theresia nur Wanderhändlern vorbehalten. Heute ist es ein freies Gewerbe, das von jedem ausgeübt werden kann.

Die geröstet süß schmeckenden Früchte des Edelkastanienbaums (Castanea sativa) sind reich an Mineralien und Vitamin B. Vor dem allgemeinen Gebrauch der Erdäpfel waren sie ein sättigendes Grundnahrungsmittel, aus dem man Mehl und Brot herstellte. In Südtirol sagte man, ein Baum ernähre eine Familie. In Wien kaufte man Edelkastanien bei den Maronibratern, die riefen: „Brennhaße Kästen! Große wällische Kästen! Ossa hassa hob i do!“

Die meisten Maronibrater kamen früher aus der Gottschee, (Kočevska im Herzogtum Krain, heute: Slowenien). Die Bewohner der deutschen Sprachinsel besaßen seit Anfang des 17. Jahrhunderts Wanderhändler-Privilegien. Um 1900 gab es in Wien 300 Gottscheer Maronibrater. Heute verteilen sich 190 Unternehmen mit 250 Ständen laut Marktamt in den Wiener Einkaufsstraßen. Und die Zahl bleibt schon seit einigen Jahren relativ stabil. Fast 19 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften die Maronibrater in Wien. Sie bieten von Oktober bis März neben Maroni auch Bratkartoffel und Kartoffelpuffer an. Ein Stand kommt im Schnitt auf rund 79.000 Euro pro Saison. Heute sind Maronibrater ganz normale Kleinunternehmer.

Die AK hat die Ware von 36 Wiener Maroniverkäufern überprüft. Nur bei drei Anbietern fand sich kein verdorbenes Stück im Sackerl. Bei fast einem Drittel der Maronibrater war jede fünfte Maroni nicht in Ordnung. Diese Preise steigen auch erheblich: In fünf Jahren wurde sie um 50 Prozent teurer.

Die meisten Maronistände gibt es daher auch im dritten und im siebten Bezirk, wo sich auf den Einkaufsstraßen Landstraße und Mariahilfer Straße ein Maronistand an den nächsten reiht. Zehn Hütten sind es allen in der Mariahilfer Straße. Die guten Standorte sind unbefristet vergeben! Wer neu in das Geschäft mit den Maroni einsteigt, erhält meist nur eine befristete Bewilligung für ein Jahr. Davor prüfen die Polizei, die Magistratsabteilungen für Verkehrsorganisation (MA 46) und für Architektur und Stadtgestaltung (MA 19) den gewünschten Standort. Entscheidend ist dabei nicht etwa die Anzahl von Maroniständen in der Umgebung, sondern allein die Fußgänger- und Verkehrssicherheit. Fällt der Lokalaugenschein durch die Behörden positiv aus, dann erhält der Maronibrater eine „Gebrauchserlaubnis für einen transportablen Maroniverkaufsstand“, an dem er neben Maroni auch noch gebratene Kartoffeln verkaufen darf. Ihre Ware beziehen die meisten Wiener Maronibrater über den Großgrünmarkt. Dort können sie zwischen Maroni und Edelkastanien wählen. Der Unterschied liegt in der Konsistenz: Maroni sind speckig, Edelkastanien mehliger.

Die in Wien erhältlichen Früchte kommen überwiegend aus der Türkei und Italien. Bis die Maroni aber schließlich im Stanitzl in Wien landen, durchlaufen sie aufwendige Konservierungsverfahren. Laut Wirtschaftskammer Wien werden während einer Saison insgesamt rund eine Million Kilogramm Maroni an den Wiener Maroniöfen gebraten und verkauft.

Am besten laufen die Maronigeschäfte von Mitte November bis Ende Dezember. Die Maronisaison startet in Wien am 1. Oktober und endet pünktlich am 30. April. Während dieser sieben Monate dürfen die Brater ihre Ware jeden Tag – auch sonntags – von 9 bis 22 Uhr anbieten. Neben der Qualität der Maroni ist auch das Wetter entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg. „Optimal wären zehn Grad, Sonne und Silvester. Regen ist ganz schlecht“, meint man in der Branche. 70 Prozent der Brater sind männlich. Die Frauen sind aber vielfach im Hintergrund tätig. Und dort auch in leitender Funktion.

Die angestellten Maronibrater müssen nach der Maronisaison Ende April auf andere Erwerbsquellen zurückgreifen. Sie sind im Sommer auf dem Bau, als Bademeister oder auch als Fiakerfahrer tätig. Andere Maroniunternehmer wandeln ihre Maronihütten im Sommer in Marktstände um. Dort gibt es dann statt Maroni alkoholfreie Getränke, Schokolade und Blumen

Mehr konnte ich über dieses Thema nicht in Erfahrung bringen…

Heute habe ich mir zum ersten Mal wieder Maroni gekauft.

2 Gedanken zu “Heute habe ich mir zum ersten Mal wieder Maroni gekauft.

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