Fast Fashion

Ein gefährlicher neuer Modetrend

Fast Fashion: schon wieder einen neuen Begriff gelernt. Das geht heutzutage schnell, mit den neuen Begriffen.  Was verbirgt sich dahinter? Das ist ein Geschäftsmodell des Textilhandels, bei dem die Kollektion laufend geändert und die Zeit von den neuesten Designs der Modeschöpfer zur Massenware in den Filialen stark verkürzt wird.

Also zum Glück betrifft mich das gar nicht. Ich bin und war keine Fashionista, die unbedingt jeder neuen Modelinie nachläuft. Das war ich auch früher, als ich noch jung (und fesch) war, nicht. Man hat mich gelehrt, auf Qualität des Materials und Haltbarkeit der Kleidung (und der Schuhe) zu achten. Als „solid und gediegen“ hat man das bezeichnet. Es gab auch noch Geschäfte, wo man derartiges erwerben konnte. Dazu gehörte z.B.  die „Englische Flotte“, der Braun, der Leschka, die Brieftaube, etc. Die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch erinnern. Ich habe noch Stücke, die ich dort gekauft habe. Ich gebe zu, ich tu mich auch schwer, diese Stücke „wegzuwerfen“. Manche davon haben noch Tochter und Enkeltöchter getragen. Und es gab noch für uns damals Jüngere (ohne dicke Brieftaschen) die übrig gebliebenen Designer Stücke im Ausverkauf. Das konnte man sich auch leisten, heute sind mir die Stücke z.B. im Goldenen Quartier selbst im Ausverkauf noch viel zu teuer.

Aber zurück zur Fast Fashion: Diese stetige Veränderung des Sortiments und eine verkürzte Haltbarkeitsdauer der verwendeten Materialien soll die Kunden dazu bewegen, die diesbezüglichen Läden immer wieder aufzusuchen. Durch Auswerten von Abverkaufsdaten und schneller Reaktion auf diese (Quick Response) kann der Umsatz weiter erhöht werden. Dies stellt Warenwirtschaftssysteme vor Herausforderungen, die nur von größeren Unternehmen (also Ketten) gemeistert werden können. Zu den bekanntesten Anbietern von „Fast Fashion“ werden oft Textil-Discounter wie beispielsweise H&M, oder KiK gezählt.

Nun, wir leben in einer freien Welt und jeder soll tragen, was ihm/ihr gefällt. Aber Jedermann und Jedefrau sollte dabei auch bedenken, was die Konsequenzen sind: hoher Ressourcenverbrauch, schwierige Arbeitsbedingungen sowie erhöhte Umweltverschmutzung aufgrund der Produktion in Niedriglohnländern hin. Neben einer Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer hat auch die Verwendung von Polyester als günstige synthetische Chemiefaser einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, um die Herstellungskosten von Kleidungsstücken drastisch zu senken. Es wird geschätzt, dass ein Faseranteil von 71 % Chemiefasern sowie 29 % Naturfasern bei der bei uns derzeit angebotenen Kleidung besteht.

Dazu kommt eine Überproduktion von Textilien. Gerade Corona hat gezeigt, dass das in der lock-down-Phase Nichtgekauftes hinterher nicht mehr anzubringen war, weil sich die Modetrends geändert hatten. Es musste VERNICHTET werden! Das gefällt mir nun gar nicht.

Das folgende scheint mir dennoch übertrieben (aber ich kann es auch nicht verifizieren): Zahlreiche Studien warnen vor den Folgen von „Fast Fashion“. Laut einer Untersuchung einer britischen Stiftung ist die gesamte Textilindustrie für einen Großteil des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Laut Greenpeace verursacht die Herstellung von Kleidung derzeit mehr CO2 Emissionen als die Seeschifffahrt und die weltweite Luftfahrt zusammen. Darüber hinaus kann ein weltweiter Anteil von Mikroplastik in den Meeren in Höhe von 35 % auf Fast Fashion zurückgeführt werden. Grund hierfür ist die Verwendung von Polyester als günstige Faser bei der Produktion von Textilien. Beim Waschen löst sich das Mikroplastik und gelangt durch häusliches und industrielles Abwasser in die Gewässer. Allerdings sorgt auch der konventionelle Anbau von Naturfaser für eine erhebliche Umweltbelastung. Der Anbau von konventioneller Baumwolle etwa erfordert einen signifikanten Einsatz von Insektiziden sowie Pestiziden.

Trotz zahlreicher Verpflichtungen von Staat und Wirtschaft finden sich auch heute noch in Niedriglohnländern erhebliche Unterschiede zwischen sogenannten existenzsichernden Löhnen und tatsächlich bezahlten Löhnen. Zudem ist der Arbeitsalltag von Arbeiterinnen in Asien geprägt von Unterdrückung und ungleicher Behandlung. Aktuell wird ferner unterstellt, dass die Corona-Pandemie als Vorwand genommen wird, um Gewerkschaftsmitarbeiter aus den Firmen zu verbannen.

Angeblich kauft jeder von uns im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr mit einer deutlich kürzeren Verwendungsdauer. Demnach tragen wir ein Kleidungsstück im Schnitt viermal, bevor es durch ein Neues ersetzt wird. Dazu kommt noch, dass aufgrund der Verwendung von minderwertigen Materialien mittlerweile nur noch knapp ein Fünftel aus der Altkleidersammlung wiederverwendbar ist.

Also, Leutln, reisst’s Euch zusammen, kauft’s nicht das billige Glumpert. Und Geschäftsleute jagt’s nicht neuen Geschäftsmodellen des Textilhandel nach, mit den Ketten könnt’s ohnedies nicht mithalten.  Bietet doch bitte hochwertige Qualität an. Im Lebensmittelhandel schauen wir ja auch auf Qualität – auf Bio, auf Gütesigel, auf Regionalität. Dasselbe sollte auch für den Textilhandel gelten.  

Wie unsere Altvorderen schon sagten, wer billig kauft, kauft teuer!

Fast Fashion

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