Ausflug nach Dornbach

Zum Herkner, wo man fein essen kann

Wir, das sind in diesem Fall  drei Freundinnen. Wir haben schon länger eine Tradition. Bei jedem Geburtstag von einer von uns gehen wir miteinander essen. Das Geburtstagskind sucht das Restaurant aus.  Da eine von uns dreien in Dornbach wohnt, trafen wir uns beim Herkner. Ich hatte von diesem Lokal schon viel gehört, und wollte es schon sehr lange kennenlernen. Leider fällt dieser Geburtstag in den Oktober und daher konnten wir einander nicht in dem angeblich so schönen Garten des Lokals treffen. Die Adresse ist Dornbacher Straße 123, gleich bei der Endstation vom 43er.

Die Dornbacherstraße heißt erst seit 1894 so, damit sollte der Name dieser Gemeinde bewahrt werden, als sie eingemeindet wurde – in den 17. Bezirk, Hernals. Und in dieser Dornbacher Straße gibt es eine Reihe interessanter Häuser: Manche von Ihnen kennen vielleicht das Spital „Zum Göttlichen Heiland“, andere das Schrammeldenkmal (Ecke Alszeile), errichtet als Ersatz für das alte Schrammeldenkmal, den Alszauberbrunnen. Die Skulptur aus rötlichem Untersberger Marmor zeigt eine symbolische Darstellung der Musikinstrumente des Schrammel-Quartetts. Bemerkenswert auch die Nummer 88 der Dornbacherstrasse. Dort konnte man früher das Wirtshaus „Zur güldenen Waldschnepfe“ besuchen, ein häufiger Gast war ehemals Kronprinz Rudolf. In der Liegenschaft auf Nummer 93 befand sich zwischen 1942 und 1945 befand sich ein Zwangsarbeiterlager. Nummer 101: hier gab es ebenfalls ein Gasthaus – das ehemalige „Kaiserin von Österreich“ (als Dornbacher Sommertheater verwendet); auch Schubert wohnte hier im Sommer 1827, und das kann man aus einer Gedenktafel erkennen. Die Annakapelle – auf Nummer 108 – birgt liebe Erinnerungen, hier wurde die Tochter einer dieser Freudinnen getauft, und die andere Freundin agierte als Taufpatin. Diese Kapelle, ursprünglich an anderer Stelle erbaut, wurde zum Dank für die glückliche Abwehr der Pest 1713 errichtet. Werden wir auch ein Denkmal zum Ende von Corona errichten? 1717 ließ der damalige Schlossherr von Neuwaldegg, Johann Carl Bartolotti von Partenfeld, einen Steinbau errichten, der 1773 von Franz Moritz Graf Lacy vergrößert wurde. Der Turm wurde 1844 erhöht. Wegen Baufälligkeit wurde die Kapelle 1905 geschlossen und als sie dann 1908 wegen des Baues der Straßenbahnschleife demoliert werden musste, bildete sich ein Verein, dem es gelang, sie an der heutigen Stelle wieder erstehen zu lassen, in barocker Form.  

Und somit sind wir schon an unserem Ziel angelangt, Sie merken schon, dass es sich auszahlt, dass letzte Stück des Weges (ab Einmündung der Alszeile) zu Fuß zurückzulegen und der Historie der einzelnen Häuser zu gedenken.

Der Herkner zeigt sich mir beim Eingang eigentlich als „Wirtshaus“. Gemütlich, eine Schank ist vorhanden. Weiter hinten, da kann man auch speisen. Unser Tisch ist im ersten Stock reserviert, über eine pittoreske, doch einigermaßen steile Treppe geht es dann hinauf.  Mir tut das Servierpersonal leid, dass alle Speisen über die Treppe tragen muss. An beiden Enden gibt es ein Sicherungsgitter, dass je nach der Persönlichkeit des Servierers, der Serviererin aus dem Weg geschubst oder überstiegen wird – mit Tabletts mit Essen in den Händen. Bewundernswert.

Zuallererst mussten wir uns registrieren – diesmal, mit vereinten Kräften schafften wir das mit dem Handy. Wesentlich weniger Aufwand als mittels eines Zettels ist es auch nicht, aber möglicherweise einfacher für den Wirt.  Die Speisekarte ließ mir jedenfalls das Wasser im Mund zusammenrinnen. Die Auswahl war für mich schwierig – denn neben üblicherweise angebotenen Speisen gab es Wild, aber auch Innereien und Wiener Spezialitäten (wie z.B. Krautfleckerln).

Zu Beginn – und auch der Jahreszeit entsprechend – haben wir einen Sturm getrunken.  Nach langem Überlegen entschied ich mich für Jakobsmuscheln (an denen kann ich eben nicht vorbeigehen), dann eine Kalbsleber und eigentlich hätte ich noch gerne die gebackenen Apfelringe gegessen, aber für die war leider kein Platz mehr.

Die Jakobsmuscheln waren – so meine ich – nur mariniert und nicht gebraten oder gekocht, in einer köstlichen grünen Sauce mit Gemüsestückchen. Wirklich ausgezeichnet. Dazu gab’s ausreichend Brot (und auch Aufstriche) – meine Freundin, die öfter herkommt, entschied sich für ein Wiener Schnitzel, von dem sie meint, dass es das beste Wiens wäre. Die andere Freundin wagte sich an ein Hirn mit Ei. Der Vorteil hier ist, dass man von allen diesen Köstlichkeiten auch kleine Portionen bestellen kann. Unser Essen begleitete dann noch ein Glaserl Muskateller.

Wir sind lange gesessen und haben entspannt geplaudert. In dem Saal, in dem wir saßen, waren wir die letzten. Der Saal hat leider eine unglückliche Akustik, ich glaube, daran sollte noch etwas gearbeitet werden. Ja, un die Sessel sind auch nicht ganz so bequem. Ja, ich gebe zu, wir sind nicht die Jüngsten und wir sind lange gesessen, aber alle drei hatten wir von den Sesseln (oder vom Zug durch das Lüften?) Rückenschmerzen bekommen. Und beim Hinuntergehen über die gedrehte Stiege nach all dem Essen und Trinken, wurde mir dann etwas „entrisch“ zumute, wie man hier sagt, zumute.

Aber dennoch: wir haben den Abend alle miteinander sehr genossen, beim Herkner, in der Dornbacher Straße.

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