Gedanken am Nationalfeiertag

für mich immer emotional besetzt

Heute ist Nationalfeiertag. Aber es ist auch Corona Zeit. Die öffentlichen Gebäude sind zwar beflaggt, aber das Fest am Heldenplatz fällt aus. Mein Mann ist an Heeresaktivitäten immer sehr interessiert gewesen.  Er war allerdings ein „weißer Jahrgang“, das heißt er gehörte zu jener Gruppe von Männern, die zwischen 1929 bis 1937 geboren waren, die wegen nicht bestehender Wehrpflicht keinen (Grund-)Wehrdienst leisten müssen oder mussten. Sie waren nicht zum Dienst in der Wehrmacht, dem Volkssturm oder als Flakhelfer bzw. Marinehelfer einberufen worden. Für sie bestand nie Wehrpflicht, sie sind nicht in das Österreichische Bundesheer eingezogen wurden. Denn das Bundesheer wurde erst 1955 gegründet.

An einen Nationalfeiertag erinnere ich mich besonders: das war jener im Jahr 1993, als mein Mann im Spital lag, nach seiner massiven Gehirnblutung, ein paar Tage vorher. Er war zwar nicht mehr auf der Intensivstation, aber er konnte noch nicht aufstehen oder „draußen sitzen“, d.h. außerhalb des Bettes. Ich war über den Feiertag sehr froh, denn den konnte ich den ganzen Tag mit ihm im Spital verbringen (ansonsten war ich ja tagsüber im Büro und konnte erst abends zu meinem Mann kommen). Die Kinder waren zu Besuch gekommen, hatten ihm eine Griesnockerlsuppe mitgebracht, die er so gerne aß. Es war dann erst später, bei einem anderen Besuch als mein damals kleiner Enkel sagte „Opa wieder lacht“.

Trotz seiner Behinderung legte mein Mann großen Wert darauf, am Nationalfeiertag auf den Heldenplatz, zur Angelobung und Geräteschau zu gehen. Zuerst konnte er das ganz gut mithilfe eines Stockes selbst bewältigen, später waren wir dann halt mit dem Rollstuhl dabei. Es war immer ein fröhliches Fest gewesen, nachher sind wir dann meist „in der Stadt“ essen gegangen.

Wenn wir den Nationalfeiertag in Pernitz, in unserem Häusl, verbracht haben, mussten wir im Auftrag meines Mannes immer beflaggen. Zuerst hängten wir Fahnen zum Fenster hinaus. Ich habe meinem Mann sogar einmal zum Geburtstag eine lange Fahnenstange geschenkt und aufstellen lassen, die allerdings – da nur einmal pro Jahr benutzt, recht schwer zu bedienen war.

Neulich fragten mich meine Enkel: warst Du dabei, als die Besatzungssoldaten abzogen?  Denn der österreichische Nationalfeiertag, der seit 1965 jährlich am 26. Oktober begangen, wird an jenem Tag gefeiert, an dem die 1955 die beschlossene österreichische Neutralität in Kraft getreten ist und die letzten Besatzungsmächte Österreich verlassen haben. 1967 wurde er den übrigen gesetzlichen Feiertagen in Österreich gleichgestellt und ist seither arbeitsfrei.

Der 26. Oktober 1955 war demnach der erste Tag, an dem laut Zusicherung im Staatsvertrag keine fremden Truppen mehr auf österreichischem Hoheitsgebiet stehen durften. An diesem Tag beschloss der österreichische Nationalrat in Form eines Verfassungsgesetzes rückwirkend ab null Uhr die immerwährende Neutralität. Ein erster Nationalfeiertag der Republik Österreich wurde zwar schon am 12. November 1919 gefeiert, dem ersten Jahrestag der Ausrufung der Ersten Republik nach dem Ersten Weltkrieg, aber jener der Zweiten Republik eben erst 1967.

1955 war der Abzug der „letzten Besatzungssoldaten“ Anlass zu vielerlei Festivitäten.   Der 20.Oktober wurde vom damaligen Wiener Bürgermeister Franz Jonas zu einem Tag der Freiheit ausgerufen,  die Wiener Bevölkerung wurde darin ersucht, „jedes Haus und jedes Fenster in der Zeit vom 22. Oktober bis einschließlich  25. Oktober zu beflaggen“. Der Abend des 22. – ein Samstag – war begleitet von einem Konzert am Rathausplatz, Feuerwerk am Heldenplatz und festlicher Beleuchtung von Rathaus und Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz sowie sonstiger symbolträchtiger Gebäude. An neun weiteren Plätzen in der Stadt wurden Platzkonzerte gegeben, die alle mit dem Donauwalzer beendet wurden. Eine Ansprache lautete: „Keinen schöneren Tag als den heutigen kannte seit vielen Jahrzehnten unser Österreich, unser Wien. Denn nach Abzug aller Besatzungstruppen gibt der Ablauf dieses Tages unserem Lande die ihm seit siebzehn Jahren durch Gewalt vorenthaltene volle Souveränität wieder. Österreich ist frei! …“

Aus Anlass des Tages der Vereinten Nationen wurden damals die Bundesgebäude im gesamten Bundesgebiet am Montag, 24. Oktober, in den Staatsfarben beflaggt. Auch am Dienstag, 25. Oktober, bleiben diese Gebäude aus Anlass der Erlangung der vollen Souveränität Österreichs beflaggt. An diesem Tag fanden dann auch in den Landeshauptstädten die „offiziellen Befreiungsfeiern“ statt.

Dieser 25. Oktober wurde zum Tag der Flagge. Am 11. September 1956 beschloss der Ministerrat, den Tag der österreichischen Fahne alljährlich am 26. Oktober zu begehen. Diese damit einhergehende Verschiebung um einen Tag kam deshalb zustande, da es der Bundesregierung wichtiger war, die Neutralitätserklärung am 26. Oktober zu betonen als den Abzug der letzten Besatzungssoldaten am Tag zuvor.

1965 wurde in Parlament und Bundesregierung beraten, welcher Tag als Nationalfeiertag begangen werden sollte. Zur Auswahl standen:

  • der 12. November (Ausrufung der Ersten Republik im Jahr 1918)
  • der 27. April (gemeinsame Proklamation über die Selbständigkeit Österreichs durch die Vorstände der (wieder)entstandenen Parteien SPÖ, ÖVP und KPÖ in Berufung auf die Moskauer Deklaration und Bildung einer provisorischen Staatsregierung im Jahr 1945)
  • der 15. Mai (Unterzeichnung des Staatsvertrags im Jahr 1955)
  • der 26. Oktober (Beschluss des Bundesverfassungsgesetzes über die österreichische Neutralität)

Die meiste Zustimmung fand die Variante des 26. Oktober, und so verabschiedete der Nationalrat am 25. Oktober 1965 einstimmig das Bundesgesetz vom 25. Oktober 1965 über den österreichischen Nationalfeiertag, das tags darauf in Kraft trat.

Was einem so am 26. Oktober durch den Kopf geht, dabei habe ich gar nicht auf die früher obligatorisch gewordenen Fitnessmärsche am 26.10 hingewiesen …

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