Eine kleine Geschichte am Rande

(als Ergänzumg zu meinen „Warnungen“)

Immer wieder kann man lesen oder hören, dass diese „Räuberei“, wie sie mir passiert ist (siehe: Warnung 1 & 2) neuerlich versucht wird und zum Teil auch verhindert werden kann. Erst neulich ist wieder eine Geschichte in der Wiener Zeitung gestanden: „Echter Polizist schnappte falsche Polizistin“, potenzielles Betrugsopfer meldete sich bei Ermittlern – Beamte legten sich auf die Lauer du konnten die Betrügerin schnappen.

Mich aber rufen Menschen an, die in der Vergangenheit, ähnlich meinem Fall, fast oder doch Opfer geworden sind. Eine dieser Geschichten möchte ich Ihnen jetzt erzählen, so wie es mir in mehreren Telephonaten berichtet wurde.

Die Dame, also das Opfer, ist 92 Jahre alt, lebt allein und ist in der Lage sich selbst zu versorgen. Ihr Leben lang hat sie gespart und wollte ihren Kindern etwas hinterlassen. Es gab ein Haus und Goldmünzen. Das Haus war schon einer Tochter übergeben und die Goldmünzen sollte die andere Tochter bekommen, damit ihr Erbe gerecht aufgeteilt würde. Nun, dieses Gold ist ihr bei dem Raub abhandengekommen. Nicht die Tochter, aber der Schwiegersohn machte ihr heftige Vorwürfe. Sie wäre alt und dumm und so etwas können doch nicht passieren.

Nachdem ihr das ausreichend versichert worden war, begann sie sich wirklich über diese Aussage nachzudenken. Und das Ergebnis war, dass sie „akzeptierte“ alt und dumm zu sein. Und deshalb habe sie mich auch angerufen. Wir sprachen lang miteinander und ich versuchte ihr klarzumachen, dass sie nicht „dumm“ wäre. Naja, ich glaube, sehr erfolgreich war ich dabei nicht.

Nach ca. zwei Wochen rief sie mich neuerlich an. Sie teilte mir mit, dass sie eine Vorladung erhalten hätte, bei einem Prozess gegen einen der mutmaßlichen „Räuber“ auszusagen, der bei ihr gewesen sein könnte. Und dass ihr ihre Familie geraten hätte, sich dieses Aussagerechts zu entschlagen (da sie doch alt und dumm wäre). Das ginge ganz leicht, sie müsste sich nur ein ärztliches Zeugnis besorgen, dass sie aus Altergründen nicht als Zeugin auftreten wolle.

Von mir wollte sie nun wissen, was sie tun solle. Ich habe ihr wieder erklärt, dass sie zwar alt aber nicht dumm wäre. Und dass sie – wenn sie körperlich in der Lage wäre, doch hingehen solle. Ich riet ihr dann noch, sich schön anzuziehen, sich ein Taxi zu leisten (in unserer Generation eine Seltenheit) und unbedingt als Zeugin dort aufzutreten.

Nach dem Prozess – es wurde darüber auch kurz in den Medien berichtet, rief sie mich wieder an. Ja, sie wäre hingegangen. Ja, sie habe als Zeugin fungiert, der Richter wäre sehr freundlich, verständnisvoll und wertschätzend gewesen, aber der Angeklagte wäre dann doch nicht jener gewesen, der bei ihrem Überfall dabei gewesen wäre.

Aber, ihr ginge es nun viel besser, sie könne die ganz Sache hinter sich lassen, und sie hätte eine Bestätigung erhalten, dass sie nicht dumm wäre. Außerdem hätte sie eine kleine Entschädigung von der Versicherung erhalten, aber einen Teil davon hätte sie, wie immer, einer karitativen Organisation gespendet.

Ich war gerührt! Und sie hat mich eingeladen, sie doch einmal besuchen zu kommen.

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