Der stark reduzierte Familienausflug zu Allerheiligen

In Corona-Zeiten, ins nördliche Waldviertel

Es gibt eine Familientradition. Sie besteht noch nicht sehr lange. Erst seit dem Tod meines Mannes.

Nun verbringt die „Großfamilie“ Allerheiligen gemeinsam. Bis dahin hatten mein Sohn und meine Tochter um diese Jahreszeit herum einen Wochenendausflug gemeinsam mit meinem Mann und mir gemacht. Damals waren wir gemeinsam z.B. in Triest, ein andermal in Brünn.

Seither wird ein Haus gesucht, das groß genug für uns alle ist. Aber heuer ist wieder einmal alles anders. Denn in Corona-Zeiten gibt es halt Beschränkungen. Das Haus war schon länger ausgesucht, als von einer Zweiten Welle noch keine Rede war. Wir überlegten lang hin und her. Sollen oder sollen wir nicht, und vor allem wer? Vertreten sind letztlich doch vier Generationen. Da ich ja mit zwei meiner Enkel zusammenwohne, bilden wir einen Haushalt – und da dürfen wir gemeinsam auch Allerheiligen verbringen. Ein von unserer Partie wurde noch am Donnerstag auf negativ getestet, zwei sind nach einer Corona-Infektion gesundet… Und außerdem sind wir alle „eine Familie“.

Neuerliche Restriktionen werden erst verkündet und ja nicht rückwirkend angewendet werden. Und da wir Allerheiligen im nördlichen Waldviertel verbringen, wird es hoffentlich auch keine Probleme geben, nach Wien zurückkehren zu könne – eine Rückholung wird daher kaum erforderlich sein.

Wir sind also heute, Freitag, dem 30.10 – Weltspartag – am späteren Vormittag mit zwei Autos weggefahren. Zwei von unserer „Partie“ haben beschlossen, einen Teil des Weges mit dem Zug, und den Rest mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das optimale Wetter dafür haben sie sich nicht ausgesucht. In der Früh in Wien hat es ziemlich heftig geregnet, allerdings wurde das Wetter langsam besser, es nieselte nur noch, aber es blies ein recht kühler Wind. Es wird schon recht dunkel draußen und sie sind noch nicht eingetroffen. Das Haus ist bei Tageslicht schon recht schwer zu finden.  Was täten wir alle ohne Navigationsgeräte?

Trotz Regen hat mir die Fahrt hierher gut gefallen. Die Blätter der Bäume rieseln zwar langsam herunter, es sind aber noch genug Blätter oben, um die Bäume golden erscheinen zu lassen und das hebt sich besonders gut gegen die dunkeln Nadelbäume ab. Ich genieße das halt besonders, weil ich in der Stadt als Gegenüber meist nur Mauern sehe. Mit gefallen auch diese Auwälder entlang der Kremser Schnellstraße, und ich freu mich auch immer über den Anblick des Wagram.

Dann geht‘ stetig bergauf … In Zwettl machten wir halt, den Wochenmarkt hatten wir leider versäumt, also blieb es uns nur in einem der vielen Supermärkte bei der Ortseinfahrt einzukaufen – und das war nicht wenig, für unsere Familie für drei und einen halben Tag. Das Personal dort war besonders nett und hilfsbereit. Wir waren noch nicht an unserem Ziel angekommen, aber waren schon hungrig. Also suchten und fanden wir ein Wirtshaus.  Die angebotenen Speisen entsprachen der Region und waren demgemäß köstlich.

Der Name Zwettl ist slawischen Ursprungs und bedeutet so viel wie Lichtung oder Rodung. Die von den Kuenringern gegründete Stadt wird erstmals im Oktober 1139 in der Gründungsurkunde des nahegelegenen Stiftes Zwettl (Zisterzienserabtei) erwähnt. In der Sage leben die „Hunde von Kuenring“, wie die Brüder Hadmar III. und Heinrich III. genannt wurden, fort als unerbittliche Raubritter, doch ist das eine verzerrende spätere aber weit verbreitete Darstellung. Seit dem 28. Dezember 1200 gilt Zwettl als Stadt. 1427 wurde die Stadt in der Schlacht bei Zwettl drei Mal erfolglos von den Hussiten belagert. Sie zerstörten und plünderten dabei das drei Kilometer entfernte Stift Zwettl und die meisten umliegenden Dörfer. Auch im Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt schwer zu leiden, 1618 drangen böhmische Truppen in die Stadt ein, 1645 wurde sie von schwedischen Truppen besetzt. Im Jahr 1850 konstituierte sich die Ortsgemeinde Zwettl, und durch den Zusammenschluss von 13 Gemeinden im Jahr 1971 entstand die Stadtgemeinde Zwettl-Niederösterreich in ihrer heutigen Form. Und nicht zu vergessen: Im August 2002 führten heftige Regenfälle zu einem verheerenden Hochwasser, das große Schäden anrichtete. Große Teile des mittelalterlichen Stadtkerns sind bis heute erhalten geblieben. Dazu zählen unter anderem die Großteils noch vorhandene Stadtmauer, sechs Stadttürme, das alte Rathaus (erbaut 1307) sowie einige historische Bürgerhäuser.

Sehr viel von der Altstadt haben wir noch nicht gesehen, denn vieles ist hier aufgebuddelt und demgemäß war es auch schwierig einen Parkplatz zu finden.  Aber vielleicht lässt sich das nachholen. Jedenfalls fuhren wir weiter Richtung Rosenau, und darüber hinaus, bis wir unser gemütliches Haus fanden, das bereits von einer Katze bewacht worden war. Ein altes Haus, das innen ganz modern ausgestattet worden ist, sehr luftig wirkt, mit großen Öfen beheizt wird und sehr gemütlich für uns alle sein wird (hoffentlich).

Der stark reduzierte Familienausflug zu Allerheiligen

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