Es gibt nichts Schlechtes, an dem nicht auch etwas Gutes ist.

Gedanken zu dem Zwischenfall am 2.11.2020, zu Allerseelen abends, in Wien

Da ist einiges schlecht gelaufen, das da am 2. November – zu Allerseelen – in Wien am Abend passiert ist. Allerseelen ist ein Tag des Gedenkens an alle verstorbenen Gläubigen. Durch Gebet, Fürbitte, Almosen und Friedhofsgänge gedenken die Menschen aller Armen Seelen im Fegefeuer und wenden ihnen Ablässe zu. In der römisch-katholischen Kirche hat der Allerseelenablass daher eine besondere Bedeutung. Wo die Gräbersegnung nicht bereits am Nachmittag von Allerheiligen stattgefunden hat, findet sie an Allerseelen statt, wohin sie eigentlich gehört. Der Allerseelentag am 2. November geht auf Abt Odilo von Cluny zurück; er hat diesen Gedenktag in allen von Cluny abhängigen Klöstern eingeführt. Das Dekret Odilos aus dem Jahr 998 ist noch erhalten. Bald wurde der Allerseelentag auch außerhalb der Klöster gefeiert. Für Rom ist er seit Anfang des 14. Jahrhunderts bezeugt. Von Cluny aus verbreitete sich der Allerseelentag in der ganzen lateinischen Kirche. Er steht theologisch in enger Verbindung mit der Lehre vom Fegefeuer (Reinigungsort, Purgatorium) als Ort der Läuterung der Verstorbenen, die Hilfe von den Lebenden durch Gebet, Fasten und Almosen erhalten. Allerseelen ist vor allem in den Alpenländern mit zahlreichen Volksbräuchen verbunden. Aber das nur am Rande.

Vielleicht ist noch dazu zu bemerken, dass dies der letzte Abend vor dem am nächsten Tag beginnenden so genannten Lockdown war, der ein abendliches Ausgehverbot enthält. Dieser Abend war noch einmal lau, man konnte bequem in den meist beheizten Schanigärten sitzen, besonders im Wiener Bermudaeck, wo es besonders viele lustige Lokale gibt, die demgemäß auch sehr voll waren.  

Das Schlechte

Im Stadtzentrum von Wien sind abends mehrere Schüsse gefallen. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, nachdem in der Gegend um den Schwedenplatz und in der Seitenstettengasse mehrfach geschossen wurde. Es gab insgesamt 6 Tatorte. Vier Menschen und der Täter wurden getötet, insgesamt 22 weitere Menschen z.T. sehr schwer verletzt.

Und das ist schlimm genug. Ich wünsche allen Verletzten möglichst baldige Besserung und Rückkehr in ihr „normales“ Leben und den Angehörigen der Verstorbenen gilt mein herzliches Beileid – auch der Familie des Täters!

Das Gute

Wir Wiener können zwar ziemlich grantig wirken und zugegebenermaßen auch einigermaßen ruppig sein, aber wenn’s drauf ankommt, sind sehr viele von uns hilfsbereit und rücksichtsvoll. Und auch schon die „Neo-Wiener“, also die Zuagrasten, denen noch immer der Makel „Migrationshintergrund“ (warum eigentlich Makel?)   zugeschrieben wird, selbst wenn sie in Österreich geboren wurden. Da war also das Beispiel der beiden jungen Männer – mit Migrationshintergrund -, die, noch während geschossen wurden, losliefen um einen Polizisten vor weiteren Kugeln zu schützen und in einen Rettungswagen zu befördern. Das waren alle die Hotels, die Gefährdete aufnahmen, sie bewirteten und sie dann, als sich der Abend so hinzog, bevor man sicher nach Hause gehen konnte, Betten – oft kostenlos anboten. Und Hotels sind derzeit besonders stark durch Corona geschädigt. Restaurants nahmen selbstverständlich ihre Gäste aus den Schanigärten in ihre Räumlichkeiten auf. Man war wie selbstverständlich plötzlich „für einander da“. Es wurde selbstlos geholfen! Und das finde ich wirklich schön und erfreulich.

Und der vom Fenster dem damals noch lebenden Täter nachgerufene Spruch, den sie selbstverständlich ohnedies alle kennen, der nun aufgesprayt wird, den man auf Teeshirts lesen kann, fasst die Situation trefflich – halt auf wienerisch – zusammen.

Es gibt Hoffnung, das erlebt zu haben, denn nun wissen wir’s wieder, wenn es uns hier schlecht geht, halten wir in Wien (und hoffentlich auch in Österreich) zusammen – wie Pech und Schwefel! Ich wollte, ich könnte das auch schon für „Europa“ sagen.   

Es gibt nichts Schlechtes, an dem nicht auch etwas Gutes ist.

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