Woran wir am 9. November denken

Ereignisse, die unsere Geschichte beeinflusst haben: der Fall der Berliner Mauer

Heute ist der 9. November – über das Novemberpogrom, das an diesen Tagen stattfand, habe ich bereits berichtet (https://christachorherr.wordpress.com/2020/11/07/novemberpogrom-in-wien-1938/), aber es haben auch noch andere Ereignisse an diesem Tag stattgefunden.

Zu allererst wird uns wohl allen (oder zumindest vielen) der Mauerfall von Berlin 1989 einfallen, dass es auch der Tag des Hitlerputsches 1923 in München und 1918 die Ausrufung der Republik in Deutschland war, ist wahrscheinlich eher den Historikern unter uns bewusst.

Aber auch in Österreich gab es bedeutende Ereignisse an diesem Tag: 1848: Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich: Robert Blum (* 1807; † 1848), linksliberaler Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, wird nach der Niederschlagung des Oktoberaufstands (letzte Erhebung der österreichischen Revolution von 1848/49 von Wien) im Rahmen der Märzrevolution (Im Hungerwinter 1847/1848 traf die wirtschaftliche Not die ohnehin schon benachteiligten Bevölkerungsgruppen am härtesten. … Schließlich brach am 13. März 1848 die Revolution in Österreich aus. Dem Sturm auf das Ständehaus folgten Anschläge von Sozialrevolutionären gegen Läden und Fabriken in den Wiener Vorstädten) unter Missachtung seiner Abgeordnetenimmunität von einem Hinrichtungskommando erschossen.

1930: Bei der letzten österreichischen Nationalratswahl der Ersten Republik werden die Sozialdemokraten stimmen- und mandatsstärkste Partei. 1977: Mitglieder der Bewegung 2. Juni unter der Führung von Thomas Gratt entführen in Wien den Industriellen Walter Palmers, Leiter der Palmers Textil AG, um Geld für die Stadtguerilla zu beschaffen.

Es betrifft zwar die österreich-ungarische Monarchie, aber viele von uns haben das Buch (Ivo Andric, die Brücke über die Drina) gelesen, daher schmerzte es uns 1993, als  die 1566 erbaute Stari most, das Wahrzeichen der Stadt Mostar in Bosnien-Herzegowina, nach andauerndem Beschuss durch die kroatische Armee eingestürzt war.

Vielleicht erinnern sich auch manche von uns, wie betroffen wir 1965 von der Nachricht über den großflächigen Stromausfall im Nordosten der Vereinigten Staaten und auch in Teilen Kanadas waren, der über Stunden hinweg ziemlich alles dort lahmlegte. Der Blackout beeinflusst das Leben von etwa 30 Millionen Menschen.

Und jetzt möchte ich doch auf den Mauerfall 1989 zurückkommen, der unser Leben in Europa so maßgeblich beeinflusst hat. Das Jahr 1989 stand unter dem Einfluss der politischen Umwälzungen in den europäischen Ostblockstaaten, welche durch wachsenden Protest der Bevölkerung verursacht wurden. Mit den ersten demokratischen Parlamentswahlen in Polen, dem Abbau der Grenzanlagen Ungarns zu Österreich ab Mai, der Grenzbefestigungen der Tschechoslowakei im Dezember und dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 kam es zur Öffnung des Eisernen Vorhangs. Dies leitete das Ende des Kalten Krieges ein und markierte das Ende des „kurzen 20. Jahrhunderts“. In China löste dagegen das Militär am 3. und 4. Juni 1989 die monatelange Besetzung des Platzes des himmlischen Friedens mit dem Tian’anmen-Massaker gewaltsam auf und unterband die Bestrebungen von Studenten nach weitergehender Öffnung der Gesellschaft und Demokratie. Die Sowjetunion zog indessen ihre Truppen aus Afghanistan zurück; damit endete der zehn Jahre lang andauernde Sowjetisch-Afghanische Krieg.

Ich durfte ihn erleben, den Fall der Mauer – allerdings nur im Fernsehen, erstaunt und sprachlos. Ich hatte auch mit Schrecken die Errichtung dieser Mauer beobachtet und all die „Vorfälle“ an dieser Mauer, als Menschen versuchten, sie zu überwinden, manchen gelang es, viele starben dabei. Für die DDR-Grenzsoldaten galt seit 1960 in Fällen des „ungesetzlichen Grenzübertritts“ der Schießbefehl, der erst 1982 formell in ein Gesetz gefasst wurde. Bei den Versuchen, die 167,8 Kilometer langen und schwer bewachten Grenzanlagen in Richtung West-Berlin zu überwinden, wurden wahrscheinlich zwischen 136 und 245 Menschen getötet. Die genaue Zahl der Todesopfer an der Berliner Mauer ist nicht bekannt.

Die Berliner Mauer war während der Teilung Deutschlands ein Grenzbefestigungssystem der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), das mehr als 28 Jahre, vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989, bestand, und die DDR von West-Berlin hermetisch abriegeln sollte. Sie trennte nicht nur die Verbindungen im Gebiet Groß-Berlins zwischen dem Ostteil („Hauptstadt der DDR“) und dem Westteil der Stadt, sondern umschloss völlig alle drei Sektoren des Westteils und unterbrach damit auch seine Verbindungen zum Berliner Umland, das im DDR-Bezirk Potsdam lag.

Die Berliner Mauer wurde am Abend des 9. November 1989 im Zuge der politischen Wende geöffnet. Dies geschah unter dem wachsenden Druck der mehr Freiheit fordernden DDR-Bevölkerung. Der Mauerfall ebnete den Weg, der innerhalb eines Jahres zum Zusammenbruch der SED-Diktatur, zur Auflösung der DDR und gleichzeitig zur staatlichen Einheit Deutschlands führte.

Wir, die wir die Ereignisse im Fernsehen beobachteten, hatten den Eindruck, dass die Grenzöffnung durch eine Reihe von Zufälligkeiten in der Koordination der verschiedenen staatlichen Stellen der DDR erfolgt ist. Es gibt genaue Analysen dieser Vorgänge, aber wichtig war das Ergebnis, die Tore in der Mauer waren offen, man konnte unkontrolliert passieren – was viele, viele Ostberliner auch umgehend taten.  

Es waren bewegende Momente für uns alle, der Kalte Krieg schien zu seinem Ende gekommen sein und eine rosige, friedliche Zukunft schien vor uns allen zu liegen, das Buch, „das Ende der Geschichte“ von Francis Fukuyama wurde veröffentlicht …

Wie haben wir uns doch damals getäuscht!

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