Wo und wie soll der Mörder des Wiener Attentats bestattet werden?

Zur islamischen Bestattung

Gestern habe ich mit einer Freundin telephoniert. Ja, wir treffen einander nicht mehr, wir telephonieren derzeit nur. Und sie hat mich um meine Meinung gefragt, so z.B. zu der Frage des „angezündeten Kerzerls für den Mörder“. Ich glaube der diesbezüglich ebenfalls befragte Polizist vor der Stelle, wo der Mörder getroffen worden war: „er hat auch Eltern“ hat vollkommen recht.

Der Mörder hat auch Eltern und die sind schwer getroffen, einerseits durch den Tod ihres Kindes und andererseits von der Tatsache, dass er ihnen entglitten ist und Mörder werden konnte. Und – ich glaube auch, – dass es Ihnen wahrscheinlich ein Anliegen ist, dass er dennoch würdig bestattet wird.

Ich versteh die derzeitige „späte Rache“ an dem Mörder nicht ganz. Für mich ist sie ein Zeichen von Intoleranz. Ja, in vielen Religionen ist der Friedhof ein heiliger Ort. Im Christentum wird er traditionell vom zuständigen Geistlichen geweiht. Früher wurden Verbrecher – z.B. auch Selbstmörder -außerhalb dieser geweihten Erde begraben, z.B. außen, an der Friedhofsmauer.

Spätestens jetzt müssen wir uns die Rituale einer muslimischen Bestattung anschauen: Einen verstorbenen Muslim zu waschen, in ein Leichentuch zu wickeln, für ihn das rituelle Totengebet zu verrichten, ist für Muslime eine Vorschrift.  Dazu wird gebetet: „… Mache ihn mit deinem Angesicht glücklich. Mache den Ort, zu dem er geht, zu einem gesegneteren Ort, als den, den er verlässt. …“. Das Leichentuch ist ein Tuch, in das die Leiche, nachdem sie gewaschen und abgetrocknet wurde, eingewickelt wird. Dieses Tuch ist ohne Ärmel, Kragen und Nähte, und dient dazu, den Körper des Toten zu verdecken. Zugleich weist es darauf hin, dass der Mensch nichts aus dieser Welt mit sich nehmen kann, und nackt und unscheinbar, so wie er geboren wurde, wieder weggehen wird. Es sollte darauf geachtet werden, dass das Leichentuch (aus Baumwolle) weder grob und minderwertig, noch protzig ist. Leichentücher für Männer und Frauen sind unterschiedlich.

Die rituellen Totengebete sind zu verrichten, möglichst im Hof der Moschee, dort wird es im Stehen verrichtet. Die Verrichtung des rituellen Totengebetes während des Sonnenaufgangs, während des Sonnenuntergangs und in der Mitte des Tages ist makruh (Handlungen, deren Tun nach religiöser Auffassung nicht geschätzt wird und die deshalb vermieden werden sollten). Es ist notwendig, der Leiche gegenüber Achtung und Respekt zu zeigen. Den Toten zu verabschieden, das heißt, ihm bis zur Grabstätte zu folgen ist Sunna. Dies zu tun, ist sehr verdienstvoll. Die der Sunna entsprechende Art, den Leichnam zu tragen, ist die, dass vier Personen von vier Seiten den Leichnam schultern. Es ist mustahab (Handlungen, deren Tun nach der religiösen Auffassung, die in der Scharia niedergeschrieben ist, empfohlen und deshalb erstrebenswert sind), dass man den Leichnam insgesamt vierzig Schritte, jeweils im Wechsel zehn Schritte auf jeder Seite trägt. Es ist tugendhafter, dass diejenigen, die den Leichnam begleiten, hinter ihr hergehen. Es ist tugendhafter der Leiche zu Fuß zu folgen, als mit einem Fahrzeug. Der Trauerzug sollte in ernster und würdiger, den traurigen Umständen angemessener Weise begleitet werden. Wenn nicht unbedingt notwendig, sollte auch nicht gesprochen werden. Das, was zu tun ist, ist beten, nachdenken und gedenken.

Die Leiche wird aus der Kibla-Richtung in das Grab herabgelassen, auf ihre rechte Seite gelegt und in Richtung Kibla (vom Koran vorgeschriebene Gebetsrichtung der Muslime zur Kaaba in Mekka) gewendet. Dabei wird gebetet: Im Namen Allahs und der Religion seinen Gesandten.“ Es ist mustahab, dass die bei der Beerdigung Anwesenden insgesamt dreimal eine Hand voll Erde in das Grab werfen, und dabei beim ersten Mal „Wir haben euch hieraus (Erde) erschaffen“, beim zweiten Mal „Wir werden euch wieder in die Erde zurückführen“, und beim dritten Mal „Wir werden euch noch einmal aus der Erde hervorholen“, sagen. Das Grab sollte mit Erde zwei Handbreit über den Boden erhöht werden. Das Grab sollte kein unnötig kostenaufwendiger und prunkvoller Bau sein.

In manchen Gesellschaften ist es üblich, dass nach einer gewissen Zeit, nachdem die Leiche beerdigt worden ist, an der Grabstätte der Koran gelesen wird. Das Vorbild auch hierfür ist der Prophet, der nach der Beerdigung am Grab wartete und dann sprach: „„Bittet für euer Geschwister um Vergebung bei Allah, dem Erhabenen. Und dass er ihm Ruhe geben möge. Es wird nun zur Rechenschaft gezogen,“ und „Erinnert euch an die guten Taten euerer Toten, sprecht nicht über ihre schlechten Seiten.“ Die Beileidsbekundungen gegenüber den Nahestehenden des Verstorbenen heißen „Taziya“, in der Bedeutung Trösten.

Für mich wäre es ein Akt der Toleranz, wenn dieser tote „Mörder“, der aber selbst irrigerweise glaubte, als todbringender Dschihadist direkt ins Paradies zu kommen, auf irgendeinem Friedhof würdig bestattet würde.

(so unterschiedlich sind die Rituale in den verschiedenen Religionen doch nicht!)

R.I.P (requiescat in pace) also: Ruhe in Frieden!

Wo und wie soll der Mörder des Wiener Attentats bestattet werden?

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