Für mich ist das alles verwirrend: Keulung von Nerzen in Dänemark

Ist Pelz die älteste und natürlichste Bekleidung des Menschen?

In Dänemark hat sich die Regierung eine politische Mehrheit für eine rechtliche Grundlage zur Massenkeulung von mehreren Millionen Nerzen gesichert. Damit wird erlaubt, alle Nerze in Dänemark zu töten – auch gesunde Nerze außerhalb der Risikogebiete rund um Nerzfarmen mit Corona-Ausbrüchen. Zugleich steht damit der rechtliche Rahmen für eine Bonuszahlung für Nerzzüchter, wenn sie ihre Pelztierbestände bis Donnerstag keulen. Außerdem vereinbarten die Parteien, dass die Nerzhaltung bis zum 31. Dezember 2021 vorübergehend verboten wird. Der Grund hierfür: das Coronavirus ist bei den Tieren mutiert und hat sich auf den Menschen übertragen. Bei mehr als 200 Menschen in Dänemark sind mit Nerzen in Verbindung stehende Virusvarianten nachgewiesen worden. Bei einer davon – der sogenannten Cluster-5-Variante – wird befürchtet, dass sie Auswirkungen auf die Wirkung künftiger Corona-Impfstoffe haben könnte.

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Seit vielen Jahren – so kommt es mir vor – sind Pelzmäntel verpönt. So, und jetzt muss ich es gestehen, ich habe Pelzmäntel – und ich getraue mich kaum, sie zu tragen. Einerseits sind sie mir lieb und wert, da sie Geschenke von meinem Mann sind, der – wie meine Mutter auch – der Ansicht war, dass ab dem 40. Lebensjahr eine Frau Pelze haben muss. Also den schwarzen Persianer, den mir Mutter hat machen lassen, habe ich nie gerne getragen und irgendwann weiter geschenkt. Es war angeblich eine „Breitschwanzvariante“ gewesen – Felle von zu früh geborenen Karakullämmern (eine Einleitung dieser Frühgeburten durch äußere Einwirkungen auf die Muttertiere wird gelegentlich angenommen). Das wusste ich aber damals nicht. Der Nerzmantel kam zum 60. Geburtstag. Ich hätte mir eigentlich einen „feschen“ (Trenchcoat-artigen) gewünscht, es wurde ein braver, zeitloser – den ich wiederum nicht gerne trug. Er war schwer, ziemlich sperrig, vor allem konnte ich z.B. damit nicht Autofahren, weil er so lang war … (Ich habe diesen Mantel umarbeiten lassen, aber getragen habe ich ihn auch seither kaum). Aber anfänglich es war ein Mantel, von dem mir eine Tante einmal gesagt hat: wenn Du in Deinem Leben einmal flüchten musst, brauchst Du einen Nerzmantel, der ist das einzige, das dich immer und überall warmhält und ein Paar feste Goiserer (früher so bezeichnete genagelte Bergschuhe). Naja, hoffentlich bleibt mir das erspart. Ich bin noch dazu der wahrscheinlich veralteten Ansicht, dass ein Pelzmantel „etwas Elegantes“ ist, das man nicht für „alle Tage“ trägt. Jetzt kommt noch ein (persönliches) Problem zum Pelzmanteltragen, abgesehen von Corona-Zeiten, in denen man eh nicht „Elegantes“ anzieht.  Durch die Klimaänderungen ist es in Wien kaum je kalt genug, um diese warmen, schweren Pelzmäntel anzuziehen. Die Daunenmäntel sind so viel praktischer und angenehmer zu tragen, ich nenne sie meine „Tages-Tuchent“ (Tuchent = mit Federn gefüllte Bettdecke).  Ich kann jetzt nämlich an den Fingern einer Hand abzählen, wie oft ich einen Pelzmantel im Winter anziehe – und dabei komme ich mir noch dazu „moralisch schäbig“ vor.

Nämlich deswegen: Es dürfen nur Kunstpelz Kleidungsstücke getragen werden, so wird allerorten (vielleicht nicht gerade von den Kürschnern) gepredigt. So in etwa wird seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts argumentiert: Es gibt keinen vernünftigen Grund, Tiere allein der Mode und des Luxus wegen zu quälen und zu töten. Auch die Verhaltensforscher, die Tierärzteschaft, die Kirchen und über 70 Prozent (?) der Menschen lehnen das ab. Die Tiere sitzen in engen Drahtkäfigen, es fehlen Einrichtungen, die den natürlichen Lebensbedingungen entsprechen, wie zum Beispiel Grabestellen für Füchse. Dadurch kommt es zu Verhaltensstörungen wie Kannibalismus, Apathie oder Schwanzbeißen. Das Argument der nachhaltigen Bewirtschaftung, etwa in der dritten Welt, ist nur vorgeschoben. Es muss bedacht werden, in welcher Form schon die halbe Tierwelt durch die Pelzindustrie ausgerottet wurde.

Es gibt seit 1973 ein weltweites Abkommen, das bedrohte Tierarten vor der Ausrottung durch internationalen Handel schützt. Darunter fallen zum Beispiel die früher im Pelzgeschäft stark gefragten Katzen Leopard, Gepard, Tiger und Ozelot. Die Tiere dürfen nicht gehandelt werden, auch ihr Kauf ist illegal. Jedenfalls ist keine der geschützten Arten ist bisher ausgestorben.

Aber noch immer gibt es Pelztierfarmen in Dänemark und in Finnland. In Europa gibt es etwa 6500 Zuchtbetriebe. Auch in Russland werden noch eifrig Tiere zur Pelzgewinnung gezüchtet. Die häufigsten zur Pelzgewinnung gehaltenen Tiere sind dabei Fuchs, Iltis, Nerz, Marderhund, Nutria (Sumpfbiber) und Chinchilla. Der Markt für Pelze hat sich seit Ende des 20. Jahrhunderts erheblich nach Asien verlagert. Die heute genutzten Fellarten kommen zu 46,9 % aus Zucht und Farmhaltung (so Chinchilla, Nerz, Marderhund), zu 37,6 % aus Weide- und Stallhaltung (so Lamm, Ziege, Kalb) und zu 15,5 % aus Jagd und Hege (u. a. Bisam, Nutria, Rotfuchs, Waschbär und neuseeländisches Opossum).

Bitte verachten Sie mich nicht, wenn ich – sollte es wirklich kalt bei uns werden, mit meinem bereits ältlich gewordenen Pelzmantel gesehen werde.

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