Eine Tochter Österreichs: Maria Christina

Auf die wir durchaus stolz sein können

Wenn wir heutzutage an „Habsburgerinnen“ denken, dann fällt uns gleich Maria Theresia ein, auch noch Sisi. Die Marie Antoinette, die nach Frankreich verheiratet wurde, vielleicht noch Maria Leopoldine in Brasilien …  Aber wer denkt noch an Erzherzogin Maria Christina Désirée Henriette Felicitas Rainiera von Habsburg-Lothringen VA (wenn sie nicht Brigitte Hamann heißt und ein Buch über sie geschrieben hat). Leicht hatte es keine von diesen Frauen gehabt.

Aber ich habe allen Grund über sie zu schreiben, denn sie wurde immerhin Christa genannt.  Und warum gerade heute? Weil sie an einem 25. November im Jahr 1885 nach dem Tod des spanischen Königs Alfons XII. im schwangeren Zustand die Regentschaft Spaniens für ihren minderjährigen Sohn bis 1902 übernahm. Aber dazu dann später.

Wer war sie? Maria Christina wurde als Tochter Erzherzog Karl Ferdinand des zweiten Sohnes Erzherzog Karls, und seiner Frau Elisabeth Franziska Maria von Österreich auf Schloss Židlochovice geboren. Ihre Jugend verbrachte Maria Christina in Wien am Hof von Kaiser Franz Joseph I. und erhielt eine katholisch geprägte Erziehung. Sie war sehr gebildet und erwarb etwa in Sprachen, Literatur und Geschichte große Kenntnisse.

Der spätere Alfons XII. war der Sohn der spanischen Königin Isabella II., musste 1868 als zehnjähriges Kind mit seinen Eltern wegen einer Revolution nach Paris ins Exil gehen und kam später nach Wien, wo er das Theresianum besuchte. In Wien lernte er schon als Jugendlicher die knapp ein Jahr jüngere Maria Christina kennen. Nach der Wiedereinführung der Monarchie in Spanien bestieg der Alfons XII im 1874 den Thron und nahm im 1878 in einer echten Liebesheirat seine Cousine Maria de las Mercedes d’Orléans-Montpensier zur Gemahlin. Maria Christina war enttäuscht, und übernahm am 1878 das ehrenvolle Amt einer Äbtissin des 1755 von Maria Theresia gestifteten adligen Damenstifts der heiligen Theresa auf dem Hradschin in Prag, ohne allerdings geweiht zu werden.

Da die erste Gattin Alfons’ XII. nach nur sechsmonatiger Ehe starb, musste der spanische König sich zur Sicherung der Thronfolge rasch wiederverheiraten. Er verliebte sich nicht in die für ihn ausgesuchte Braut. Sich der Staatsräson beugend nahm er dennoch die 21-jährige Maria Christina zur zweiten Gemahlin. Die Hochzeit fand 1879 im Palacio Real in Madrid statt. Es waren unruhige Zeiten damals, Attentate wurden auf König und Königin verübt, allerdings erfolglose.

Maria Christina liebte ihren Gatten und schenkte ihm drei Kinder, litt aber unter seiner oftmaligen Untreue. Mit viel Selbstbeherrschung zügelte sie ihre Eifersucht. Tuberkulose verursachte 1885 den Tod des erst 27-jährigen Alfons XII. Er war mit Maria Christina nur sechs Jahre verheiratet gewesen und hinterließ sie, zum dritten Mal schwanger, als Witwe. Die junge Herrscherin übernahm nun verfassungsgemäß die Regentschaft, die auch andere angestrebt hatten. Sie sah sich der schwierigen Aufgabe gegenüber, trotz ihrer durch Schwangerschaft, politischer Unerfahrenheit und Stellung als Ausländerin erschwerten Situation die nach der Thronbesteigung ihres Gemahls begonnene, aber noch keineswegs gesicherte Stabilisierung der innenpolitischen Lage Spaniens weiter voranzutreiben. In Kooperation mit den führenden Staatsmännern bewältigte sie diese heikle Situation dennoch souverän, so dass sie im Land bald geachtet und beliebt war. Die Geburt ihres Sohnes am 1886 sicherte die Fortdauer der Monarchie. Er wurde sofort als Alfons (XIII.) zum König ausgerufen und seine Mutter blieb weitere 16 Jahre Regentin. In dieser Zeit konnte sie im Wesentlichen eine innere Konsolidierung Spaniens erreichen, den außenpolitischen Abstieg aber nicht verhindern. Trotz ihrer politischen Aufgaben erfüllte Maria Christina vorbildlich ihre Mutterpflichten, verbrachte viel Zeit mit der Erziehung ihrer Kinder und konnte durch viel Pflege die labile Gesundheit ihres Sohnes stärken, der von seinem Vater her erblich vorbelastet war. Sie suchte sich auch in die spanische Kultur einzuleben.

Die bedeutenden Befugnisse, die Maria Christina aufgrund der Verfassung von 1876 besaß, setzte sie klug und taktvoll ein und erwarb sich große Autorität. Sie hatte das Recht, die Legislative gemeinsam mit den Cortes auszuüben und diese Ständeversammlung einzuberufen und aufzulösen. Nur mit ihrer Zustimmung konnten Gesetze in Kraft treten. Außerdem besaß sie Exekutivgewalt. Sie mischte sich wenig in die Tagespolitik ein, suchte als möglichst unparteiische Regentin im Rahmen der Verfassung Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten und arbeitete mit Liberalen wie Konservativen zusammen, welche die beiden einflussreichsten Parteien Spaniens repräsentierten. Verwaltung und Justizwesen wurden zentralisiert, Geschworenengerichte wiedereingeführt sowie das Vereins- und Versammlungsrecht und damit die Grundlage für legale Gewerkschaften geschaffen. Das Bürgerliche Gesetzbuch von 1889 harmonisierte gesetzliche Bestimmungen. Schließlich wurde 1890 allen spanischen Männern über 25 Jahre das Wahlrecht eingeräumt. Katalanen und Basken, die in schon stärker industrialisierten Gebieten wohnten, widersetzten sich manchen Reformen. Es kam zu radikalen, separatistischen Bewegungen. Um dem Anarchismus den Boden zu entziehen, suchte Maria Christina gemeinsam mit den parlamentarischen Regierungen, den sozialen Standard zu heben und das Bildungssystem zu fördern, was allerdings aufgrund mangelnder Geldmittel nicht sehr weit gedieh. Eine neue Blüte erfuhr das kulturelle Leben Spaniens.

Generell verfolgte die Regentin eine vorsichtig-defensive und neutrale Außenpolitik, da Spanien keine Großmacht mehr war. Der Verlust der letzten Überseekolonien nach dem verlorenen Krieg gegen die Vereinigten Staaten (1898) wurde in Spanien als Katastrophe betrachtet. Spanien büßte endgültig seine Großmachtstellung ein, wofür einige Spanier Maria Christina die Schuld gaben. 1902 übergab Maria Christina die Regierung an ihren mit einem Alter von 16 Jahren nun volljährigen Sohn. Sie betrieb vor allem karitative Tätigkeiten und hielt sich an ihr Versprechen, künftig nicht mehr direkt in die Politik einzugreifen. Als erfahrene Beraterin ihres Sohnes hatte sie dennoch an mancherlei seiner Entscheidungen Anteil.

Maria Christina starb plötzlich am 6. Februar 1929 im Alter von 71 Jahren an Angina Pectoris. Sie wurde im Pantheon der Könige des Klosters El Escorial bestattet. Zwei Jahre nach dem Tod seiner Mutter verließ Alfons XIII. ohne formelle Abdankung Spanien. Maria Christina ist Ururgroßmutter des jetzigen spanischen Königs Felipe VI.

Ich glaube wir Österreicher haben allen Grund auf diese Tochter Habsburgs stolz zu sein.

Eine Tochter Österreichs: Maria Christina

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