Gläubige haben es derzeit nicht leicht

Gedanken zu Veranstaltungsverbot in Kirchen, Synagogen und Moscheen

Kirchen, Synagogen, Moscheen sind zwar nicht geschlossen, aber – außer sie einzeln besuchen, darf nichts stattfinden. Keine Gottesdienste, Versammlungen welcher Art auch immer. Das ist hart für Gläubige. Selbstverständlich wurden „Abhilfen“, Ersatz- „Veranstaltungen“ geschaffen, Gottesdienste werden nun elektronisch „geboten“, sei es im Radio und Fernsehen, sei es „gestreamt“ … Aber Ersatz ist das keiner.

Das mag manche – viele – vielleicht gar nicht treffen, für andere ist es schwer. Denn Gottesdienste waren schon immer „Gemeinschaftsveranstaltungen“. Wer von uns Älteren erinnert sich nicht, dass „am Land“ die Frauen pünktlich in der Kirche erschienen, die Männer oft nach der Predigt nachkamen und man sich hinterher im Wirtshaus zusammensetzte und gemeinsam das Geschehen diskutierte. An anderen Orten ist heutzutage auch das „Pfarrkaffee“ der Ort, wo man sich nach dem Gottesdienst austauschen konnte.

Für Zugewanderte wiegt der Verlust vielleicht noch schwerer, denn wo traf man einander, konnte den Zustand in der zurückgelassenen Heimat diskutieren, frei in der eigenen Sprache sprechen und gemeinsam – eventuell über die Mehrheitsgesellschaft schimpfen. Ich glaube nirgends auf der Welt gibt es so viele Kirchen für unterschiedliche Denominationen wie in Wien, vor allem die von uns so genannten Ostkirchen sind stark vertreten, z.B. die unierten Kirchen des christlichen Ostens. Genauso sind aber auch die orthodoxen Kirchen hier zu finden.  

Synagogen sind nicht mehr so zahlreich wie früher in Wien vorhanden, viele wurden in der Novemberpogromnacht zerstört. Aber jene, die es noch gibt, und besonders jene in der Seitenstettengasse, die wieder kürzlich durch alle Medien gegangen ist, wird am Samstag am Vormittag fleißig von den gläubigen Juden frequentiert, die mit ihren Familien dorthin streben.

Moscheen haben es in Österreich schwerer, trotz des österreichischem sehr liberalem Islamgesetzes. Daran sind aber nicht die vielen Muslime schuld, sondern wohl auch der Islam selbst. Denn der Islam kennt keine Trennung von „Kirche und Staat“, wie sie in Europa erfolgt ist. Denn der Islam umfasst staatliche Belange für die gesamte Umma (die Gesamtheit aller Muslime). Und im Islam im Gegensatz zur Demokratie – geht alle Macht von Gott aus, während in der Demokratie sie vom Volk ausgeht. Nun derartige Überlegungen werden wohl kaum die Mehrheit der Muslime bewegen, die bei uns in Österreich heimisch geworden sind und am Freitag ihr Gebet in der Moschee verrichten wollen.

Und viele Nicht-Muslime in Österreich unterscheiden nicht zwischen Islam und Islamismus. Viele islamistische Fundamentalisten (die noch lange nicht notwendigerweise Islamisten oder gar Terroristen sind) sehen den Staat als einen Teil der vom Islam strikt geregelten Lebensbereiche an. Gott (Allah) sei der Inhaber der absoluten Souveränität und habe durch den Koran und den Propheten bereits in Form der Scharia einen gesetzlichen Rahmen für die Lebensführung aller Menschen abschließend offenbart und verbindlich vorgegeben. In der Scharia drücke sich der für den menschlichen Verstand unerforschliche Wille Gottes aus. Die Kompetenz zur Gesetzgebung sprechen sie Volk und Herrschern ab, sobald und soweit sie Recht schaffen, das in ihren Augen dem islamischen Glaubensfundament als dem göttlichen Recht widerspricht. Staat und Herrscher haben für sie die Aufgabe, die „Rechtsansprüche Allahs“ zu wahren, indem sie als „Sachwalter Gottes“ handeln und die Scharia durchsetzen. Im Rahmen eines islamischen Staates unterliegen Nicht-Muslime einer Sonderbehandlung: „Menschen des Buches“ (Christen und Juden) z.B. unterliegen dem Regime der Dhimma und zahlen eine Sondersteuer. Außerdem zählen Fundamentalisten die Ausbreitung des Islam zu den Aufgaben des Staates. Hierzu soll der islamische Staat insbesondere die islamische Mission ermöglichen und fördern, während die Religionsausübung und Mission anderer Religionen zu verbieten oder einzuschränken sind.

Dieses Gedankengut liegt der Mehrzahl der Muslime in Österreich sicherlich fern.

Es kommt in Europa wahrscheinlich irgendwann zu einem „angepassten“ Islam, wesentliche Denker versuchen ihn zu entwickeln, aber er ist bei den vielen Imamen halt noch nicht angekommen: Der Islam war zur Zeit seiner Bekanntmachung eine fortschrittliche und sozial gerechte Religion, er war auf der Höhe der damals bekannten Wissenschaft. Als eine wahre göttliche Religion ist er zu den Erkenntnissen der Wissenschaft offen. Mit ihm kann sich eine Gesellschaft sich zu einer weltoffenen, auf Solidarität und Subsidiarität basierenden, sozial gerechten, wahrhaft menschlichen Community entwickeln.

Ein großes Problem ist und bleibt noch immer die durch den Koran geprägte Stellung der Frau. Und das ist wohl auch ein Problem im täglichen Leben – der Mehrheitsgesellschaft wie der Muslime. Es geht nicht (nur) um das Tragen des Kopftuches, dieses ist auch kein Symbol der Unterordnung der Frauen, aber für viele dennoch ein Stein des Anstoßes.

Hoffen wir alle, dass uns „Corona“ bald wieder aus seinen Klauen entlässt und wir alle, die wir es wünschen, in unsere Synagogen, Kirchen und Moscheen zum gemeinsamen Feiern zurückkehren können.

Gläubige haben es derzeit nicht leicht

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