Vom anfänglichen Schifahren

Zum „Wirtschaftszweig“ Wintersport

Ich finde es einfach traurig, wie derzeit über den „Wintersport“ gestritten wird. Sicher kann man nicht mehr zu einer „Ausübung“ zurückkehren, wie ich sie in meiner Jugend erlebt hatte. Damals waren für mich Wintersport: Schifahren, Rodeln, Eislaufen, Rodeln, Eisstockschießen und eine Pferdeschlittenfahrt; später kam dann Langlaufen dazu.  Wenn man übernachtet hat, war das eher in sehr einfachen Gaststätten bzw. auf Hütten der Touristen.- und Alpenvereine, oder bei Bauern in den Schigebieten.  Lifte gab es nur vereinzelt, meist waren es Materialseilbahnen, die man für das Gepäck verwenden konnte. Und von präparierten Pisten war noch keine Rede, es fuhren keine Pistengeräte jeden Tag vor Eröffnung der Piste auf und ab. Schneekanonen, hätte man damals gefragt, was ist das?  Beschneien, das war nicht notwendig, denn – in meiner Erinnerung – gab es immer und überall genug Schnee, im Wiener Wald und in den nahe gelegenen Schigebieten.

Selbst den Begriff Apres-Schi gab es noch nicht, denn da wir – um hinunterfahren zu können, entweder die Schier hinauftragen mussten, oder Steigfelle anschnallen mussten um damit hinaufzugehen. Ich kann Ihnen versichern, eine sehr ermüdende Form des Anstiegs, und der dauerte lang, und die Abfahrt dann nicht so lang, sehr oft wiederholte man diese Prozedur nicht und abends, na da war man ziemlich müde. Daher hatte man weder Lust noch Gelegenheit aufwändig zu „feiern“, man wäre einfach viel zu müde dazu gewesen. Auch Rodeln musste man hinaufziehen um wieder hinunterfahren zu können.

Na selbstverständlich haben wir die Entwicklungen der Schigebiete begrüßt, haben uns mit Begeisterung von den Schleppliften (Querbalken zwischen den Beinen) oder zwei Personen darauf – hinaufziehen lassen. Bei der diesbezüglichen Partnerwahl musste man ziemlich vorsichtig sein, denn manche Partner waren nicht immer ausreichend standfest und fielen während des Hinaufschleppens um und auf der anderen Hälfte des Balkens konnte man allein nicht mehr weiterfahren. (Mein Mann und ich waren auf diesen Liften total inkompatibel). Als ich einmal allein auf einem derartigen Konstrukt hinaufgefahren bin, schaffte ich das Aussteigen nicht mehr rechtzeitig, wurde von dem Lift ein Stück mitgeschleppt und mein Steiß-Wirbel ist seitdem nicht mehr „der Alte“.

Nach und nach wurden Sessellifte gebaut, zuerst „Einsitzer“, später Mehrsitzer, und für die langen Strecken waren es dann Seilbahnen.

Nicht nur der Fahrstil änderte sich (ich hatte noch mit Stemmbogen begonnen), sondern auch die Schier, entwickelten sich von meinen ersten (ziemlich langen) Lärchenbretteln, zu den heutigen „Hightech“-Geräten. Meine ersten Schischuhe waren schlichte Wanderschuhe, heute sind es wahre Apparate an den Füßen. Langsam wurden aus kleinen Bergbauerdörfern elegante Orte mit schicken Hotels, später kamen noch Wellnessbereiche dazu, Swimmingpools wurden zur Entspannung errichtet. Und wenn man auf sich hielt, legte man auch auf Gourmetessen allergrößten Wert. Die Haubenköche hielten in den Schigebieten Einzug.

Angefangen hat es mit der Eisbar – einem Iglu-artigen „Ding“ wo man im Freien seine Drinks nach dem Schifahren genießen konnte.  Die ehemaligen Hütten wurden in „ländliche Restaurants ausgebaut, man bekam lokale Speisen, aber auch den berühmten Jagatee, der damals anfing, für Unfälle zu sorgen.

Die Pisten waren selbstverständlich präpariert, es gab Schischaukeln, die Kleidung und Ausrüstung wurde immer schicker und differenzierter, man begann auch, sich die Ausrüstung auszuborgen, um eben immer am neuesten technischen Stand bleiben zu können Für wirkliche Könner gab es .Tiefschneefahren, eine Methode, die leider auch es Öfteren Schneebretter und Lawinen auslöste.  

Viele fuhren nun in die Wintersportorte – um sich zu amüsieren, nicht notwendigerweise um schizufahren, man führte sein schickes Gewand vor und ging in die Bar, zum Partymachen.

Heliskiing konnten sich manche im Ausland leisten – also mit dem Helikopter auf den Gipfel fliegen und dann die Abfahrt zu starten. In Österreich ist das verboten.

Es gab und gibt allerdings ein Problem, das in der Zwischenzeit immer gravierender geworden ist. Aufgrund des Klimawandels wurde der Schnee – vor allem in den niedriger gelegenen Gebieten immer rarer. Man half sich mit aufwändigem Beschneien, zuletzt war die umliegende Landschaft winterlich kahl, und nur ein Streifen war beschneit, auf dem sich dann die Schifahrer drängten.

Schifahren war zu einem boomenden Wirtschaftszeig geworden, der Sport, die Bewegung an der frischen Luft, war ziemlich in den Hintergrund getreten. Ausländische Arbeitskräfte wurden benötigt, aufwändige Werbekampagnen für bestimmte Gebiete gestartet.

Und dann kam Ischgl, bedingt durch Corona. und nun zittert man um den Wintertourismus, weil rundherum Reisewarnungen ausgesprochen werden, um die Verbreitung dieses grauslichen Virus zu behindern. Schifahren ist zu einem Wirtschaftsfaktor geworden.

Vom anfänglichen Schifahren

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