Wie es zum Adventkranz kam

(geschrieben November 2019)

Heute habe ich mir „meinen“ Adventkranz gekauft. Der muss sein, im Advent, ebenso wie die Barbarazweige und eigentlich auch ein Weihnachtsstern-Stöckerl, ein blühender Weihnachtskaktus und eine Amaryllis, die erst später aufgehen wird.

Mein Adventkranz darf nicht allzu klein sein und darf nicht nur aus fest gebundenen Fichtenzweigen bestehen, sondern aus Zweigen verschiedener Nadelbäume locker gebunden sein. Eventuell können dabei noch Stechpalmen- und Mistelzweige sein. Sehr lang habe ich unter für mich „falschen“ Adventkränzen gelitten, die meine damalige Haushälterin selbst gebunden und geschmückt hatte und stolz darauf war. Sie waren mit bunten Kugeln, Bändern, Maschen, Nüssen, Zimtstangen etc. etc. geschmückt; ich mag das gar nicht. Auf meinem Adventkranz dürfen nur 4 Kerzen stehen: in den liturgischen Farben, drei lila und eine rosa Kerze.

Entstanden ist der Adventkranz erst im Jahr 1839 und sein Original sah völlig anders aus, als wir ihn heute kennen. Der Adventskranz wurde 1839 von dem evangelisch-lutherischen Theologen, Erzieher,  Mitbegründer der Inneren Mission  und Begründer der Evangelischen Diakonie  Johann Hinrich Wichern (1808–1881) im evangelischen Norddeutschland eingeführt, womit er Straßenkindern des beginnenden Industriezeitalters die Zeit bis Weihnachten verkürzen wollte. Knapp hundert Jahre später war er auch in katholischen Gegenden zu finden. Es gab viel Not bei den Arbeiterfamilien in den Vorstädten Hamburgs. Viele Kinder waren dort verwahrlost. Es wurden Spenden bei wohlhabenden Bürgerfamilien für jene Kinder, die, zerlumpt und hungrig, mit den „denkbar schlechtesten Betragensnoten“, auf dem besten Weg waren, eine kriminelle Laufbahn einzuschlagen gesammelt. So war der Adventkranz zum Symbol und Hoffnungsträger für Kinder und Jugendliche in Not geworden.

Da die Kinder im Advent ständig fragten und heute noch fragen, wie lange es denn noch bis Weihnachten sei, wurde anfänglich ein großes Wagenrad aufgestellt und mit Kerzen bestückt – mit anfangs 20 kleinen roten und vier großen weißen Kerzen.  Jeden Abend vom 1. Advent bis zum Heiligen Abend wurde beim Geschichtenerzählen eine weitere Kerze entzündet. Die großen Kerzen sind für die Adventssonntage, die kleinen für die Werktage bestimmt. Die Zahl der kleinen Kerzen bis zum Heiligen Abend ist jedes Jahr unterschiedlich. Sie variieren zwischen 18 und 24, weil der 1. Advent jedes Jahr an einem unterschiedlichen Datum beginnt. Das Zählen der Tage „bis das Christkind kommt“ hat bei uns zwischenzeitlich der Adventkalender übernommen.

Im Laufe der Zeit gab es für Adventsonntage vier dickere Kerzen und ein Wagenrad wurde mit Tannenreisig geschmückt. Dann übernahmen Pfarrgemeinden und Familien diesen Brauch, und so hat sich der Adventkranz zu der uns heute bekannten Form entwickelt.

Aus diesem traditionellen Adventkranz ist dann der Adventkranz mit vier Kerzen geworden. Seit etwa 1860 wird der Adventskranz aus Tannengrün gefertigt. 1925 wurde erstmals ein Adventskranz in einer katholischen Kirche aufgehängt. Dies geschah in Köln, 1930 folgte der erste Adventskranz in München.

Die gelegentlich geäußerte Vermutung, der Adventkranz habe schon lange vorher existiert, beruht auf einem Gedicht, in dem der Adventkranz beschrieben und das häufig fälschlich Matthias Claudius (1740–1815) zugeschrieben wird. Tatsächlich stammt das Gedicht von seinem Urenkel Hermann Claudius (1878–1980).

In der Nazizeit wurde auch der Adventkranz instrumentalisiert: Er wurde durch den „Sonnwendkranz“ oder „Lichterkranz“ ersetzt, der meist mit Sonnenrad- oder Wikinger-Motiven bestückt wurde. Die Kerzen auf dem Kranz sollten als „Wünschelichter“ nun die vier Jahreszeiten symbolisieren. Zum Anzünden der „Wünschelichter“ wurden so genannte „Lichtersprüche“ vorgetragen, die in entsprechenden Weihnachtsbüchern oder dem Kalender Vorweihnachten „vorgeschlagen“ wurden. Das können wir somit vergessen.

Ein besonders großer Adventkranz hängt im Freien, über dem Brunnen des Mariazeller Hauptplatzes, er hat einen Durchmesser von 12 Metern und wiegt 6 Tonnen. Er ist mit 24 Lichtern bestückt, 4 für die Sonntage und 20 für die Werktage.

Die ursprüngliche Symbolik des Adventkranzes ist die Zunahme des Lichtes als Ausdruck der steigenden Erwartung der Geburt Jesu Christi, der im christlichen Glauben als „Licht der Welt“ bezeichnet wird. Der Kreis symbolisiert auch die mit der Auferstehung gegebene Ewigkeit des Lebens, das Grün die Farbe der Hoffnung und des Lebens, und die Kerzen das kommende Licht, das in der Weihnachtsnacht die Welt erleuchtet. Die Adventkränze können auch gesegnet werden.

Es gibt die Tradition, dass am Adventkranz nebeneinanderliegende Kerzen oder die Kerzen immer gegen den Uhrzeigersinn entzündet werden. Das Anzünden der gegenüberliegenden Kerze am zweiten Advent wird in dieser Tradition als falsch betrachtet. (Haben wir aber bisher immer gemacht)

Es gibt auch das jüdische Chanukkafest- aber dazu ein andermal.

In unseren Breiten gibt es noch einen Vorläufer des Adventkranzes:  Das Paradeisl erfüllt die gleiche Aufgabe wie ein Adventskranz. Traditionell besteht es aus vier roten Äpfeln, die mit meist bemalten oder als Schnitzarbeit verzierten Stöcken zu einer Dreieckspyramide verbunden werden. Auf jedem Apfel ist eine Kerze angebracht. Meist werden drei rote Kerzen sowie eine rosafarbene Kerze (in der Unteretage) verwendet, landschaftlich sind auch drei violette und eine rosafarbene Kerze im Gebrauch. Jeden Sonntag wird eine der Kerzen angezündet, am dritten Adventssonntag die rosa Kerze, passend zur liturgischen Farbe des Sonntags Gaudete (latein: „Freuet Euch“). Am vierten Adventssonntag leuchtet die Kerze auf der Spitze der Pyramide. Das Paradeisl steht oft auf einem mit Weihnachtsgebäck, Nüssen oder Äpfeln geschmückten Teller.

Das wäre doch einmal etwas – so zur Abwechslung.

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