Zum Chanukka Fest

Nachdem ich ja schon ausreichend über den „seltsamen“ Advent in Wien geklagt habe: heute erster Adventsonntag, in „meiner“ Kirche: kein Adventkranz, keine Blumen, kein liturgisch richtiges Gewand für das Jesuskind … Traurig! Und ich auch noch schnell über die Weihnachtsbeleuchtung (?) in der Rotenturmstraße klagen möchte: diese roten „Bemmerln“ passen jetzt überhaupt nicht mehr in das veränderte, doch recht hübsche Straßenbild dort.

Rechtzeitig möchte ich jetzt – wie versprochen – über Chanukka schreiben, das ist ein jährlich gefeiertes jüdisches Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. Es beginnt am 25. Tag des Monats Kislev (November/Dezember). Chanukka 2020 startet am Abend des Donnerstags, dem 10. Dezember und endet am Abend, des Freitags 18. Dezember.

Es war das jüdische Jahr 3597 (164 v. Chr.). Der Makkabäer Aufstand der Juden Judäas gegen hellenisierte Juden und makedonische Seleukiden, wie er im Ersten Buch der Makkabäer, bei Flavius Josephus und im Talmud überliefert ist, war erfolgreich verlaufen. Makkabäer bedeutet entweder Hammer (was auf seine Kraft schließen lässt) oder er ist die Abkürzung für „Mi kemocha ba´elim adonai“ – „Wer unter den Göttern ist wie du, o Herr!“, der Schlachtruf der Makkabäer Armee. Die Makkabäer beendeten die Herrschaft des Seleukiden Reiches über Judäa und führten den traditionellen jüdischen Tempeldienst wieder ein. Sie beseitigten den zuvor im jüdischen Tempel aufgestellten Zeus-Altar, den hellenisierte Juden, die JHWH mit Zeus gleichgesetzt und auf griechische Art verehrt hatten, errichtet hatten.

Die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel, sollte niemals mehr erlöschen. Nach der späteren Überlieferung war aufgrund der Kämpfe mit den Seleukiden nur noch ein Krug geweihtes Öl vorzufinden. Dieses Öl reichte für gerade mal einen Tag. Für die Herstellung neuen geweihten Öls werden acht Tage benötigt. Durch ein Wunder habe das Licht jedoch acht Tage gebrannt, bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war. Zum Andenken an diese zweite Weihe des Tempels und den gewonnenen Kulturkampf gegen den Hellenismus, die neu gewonnene Autonomie und geistige Unabhängigkeit des Judentums wird Chanukka gefeiert. Es soll der kleinen und großen Wunder gedacht werden, die täglich geschehen. Daran erinnern die acht Lichter des 8- bzw. 9-armigen Leuchters Chanukkia. Jeden Tag wird ein Licht mehr angezündet, bis am Ende alle acht brennen.

Der Leuchter hat oft neun Arme oder Lichterhalter, das neunte Licht ist der Diener (hebräisch Schamasch). Nur mit diesem dürfen die anderen angezündet werden, nachdem die notwendigen Segen (hebräisch Brachot) gesprochen wurden. Als Lichter werden Kerzen oder Öllämpchen benutzt. Oft wird Olivenöl verwendet, wie bei der Menora im ehemaligen Tempel.

Nach der „Entweihung“ des Zweiten Tempels durch den Zeus Kult wurde das Chanukkawunder zur Erinnerung an die Wiedereinweihung gefeiert, datiert nach dem Fest der Tempelweihe, bis im Jahre 3830 jüdischer Zeitrechnung (70 n. Chr.) der Tempel durch die Römer endgültig zerstört wurde. Chanukka wird in Familien und Gemeinden gefeiert. Ich hoffe, dass heuer wieder ein Chanukka-Leuchter am Stock im Eisenplatz aufgestellt wird.

Aber Chanukka ist primär ein häusliches Fest. An den Chanukka-Abenden versammeln sich die Familien mit Freunden zu ausgelassenen Festen. Gemeindefeiern sind üblich, die Kinder bekommen Geschenke und Süßigkeiten. Gegessen werden vor allem in Öl gebackene Speisen wie Sufganiyot (Krapfen) oder Latkes (Kartoffelpuffer- eine Spezialität meiner Großmama) und weitere Spezialitäten der jüdischen Küche. Nach dem Anzünden der Lichter wird gesungen. Ursprünglich wurden die Lichter nur in den Häusern angezündet, später in den Synagogen und öffentlich auf Plätzen.

Die Chanukkia wird unmittelbar nach Einbruch der Dunkelheit angezündet. Dabei werden Gebete gesprochen, Lieder gesungen und die Chanukka-Geschichte erzählt. Beliebt ist das Spiel mit dem Dreidel, einem Kreisel, auf dessen Seiten vier hebräische Schriftzeichen (Nun Gimel He Schin) stehen. Die Schriftzeichen stehen für die Initialen des hebräischen Satzes Nes Gadol Haja Scham ‚Ein großes Wunder geschah dort‘. In Israel steht auf den Dreideln der Satz: Nes Gadol Haja Po ‚Ein großes Wunder geschah hier‘. Für den Zweck des Spiels werden die Buchstaben als Abkürzungen der jiddischen Worte (nichts, ganz, halb und stellen) ausgelegt.

Während der Chanukkatage erhalten Kinder Münzen und werden ermutigt, einen Teil des Geldes für wohltätige Zwecke zu spenden. Der bei einigen beliebte Brauch, zu Chanukka Gänsebraten zuzubereiten, wird mit dem anfallenden Fett begründet, das in Leuchtern verbrannt wird. (Heuer sollten ja genug Gänse, die im Lockdown zu Martini nicht verkauft werden konnten, vorhanden sein).

Die Kerzen werden nach dem Abendgebet angezündet, sobald am Himmel die ersten Sterne zu sehen sind. Solange die Lichter brennen, ruht jede Arbeit. Es gibt besondere Segenssprüche für dieses Fest. Der Chanukkaleuchter muss so aufgestellt werden, dass er der Öffentlichkeit ins Auge fällt, denn hinter diesem Gebot steht die Absicht, das Wunder publik zu machen. Es existieren verschiedene Traditionen, wie der Chanukkaleuchter angezündet wird. Bei uns werden sie von rechts nach links angezündet. Die siebenarmige Menora, der allgemein als Symbol des Judentums bekannte Leuchter, ist nicht identisch mit der Chanukkia.

Wir wünschen unseren jüdischen Mitbürgern ein schönes Chanukkia Fest!

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