Vielleicht trage ich Eulen nach Athen

Zu Netflix und der Serie „The Crown“

Ja, ich gestehe. Ich bin ziemlich spät dran. Aber auch ich benütze jetzt Netflix.

Und das kam so: es hat mich schon länger etwas geärgert, dass in Gazetten gewisse „Serien“ besonders gelobt oder verdammt wurden, Freunde drüber sprachen, manches lobten, vieles als „Schmarrn“ bezeichneten, aber ich konnte nicht mitreden. Geht doch nicht!

Als jetzt meine Enkel bei mir eingezogen waren, eine Generation, die ja kaum mehr „nur fernsieht“, also die gebotenen Programme anschaut, war es keine Frage mehr: Netflix musste installiert werden.

Die Enkel installierten. Wir schauten gemeinsam eine Dokumentation an. War interessant. Dann wollte ich, ziemlich verspätet, die damals viel diskutierte Serie House of Cards anschauen. Der Beginn war mir bereits ziemlich zuwider – und die ganze Sache schien mir eh „Schnee von gestern“, also sah ich weiterhin klassisch fern. Dann führte mir ein Enkel eine Folge einer Serie vor, die sie selbst laufend sehen.  Das fand ich nun auch nicht viel besser, als die Krimiserien im „normalen“ Fernsehen.

Und jetzt reden auch meine Freunde schon länger wieder von „the Crown“. Also spätestens jetzt – so beschloss ich – muss ich die Handhabung von Netflix endlich g’scheit lernen. Die Umschaltung, die Auswahl, etc. mit der neuen Steuereinheit. So schwer ist es ja auch wieder nicht, halt ungewohnt.  Gestern, ist es mir, fast ohne zu fragen, wie ich weiterkommen sollte, gelungen.

Die Enkel waren recht neugierig, ob ich jetzt „bingen“ (Fernsehen, bis zum Koma) werde. Zwei Folgen an einem Abend, das reicht vollkommen aus, mehr – so wie man so wenig schön sagt – zieh ich mir nicht hinein. Ich höre den Originalton und habe mir die Untertitel dazugeschaltet – aber die in Englisch.

Im täglichen Leben interessiere ich mich ja eigentlich nicht für die „Royals“ und ihre G’schicht’ln. Aber die Königin Elisabeth II. ist immerhin bereits jetzt eine historische Persönlichkeit. Ihre „Geschichte“ verläuft zeitlich parallel mit meiner eigenen Geschichte.

Bis jetzt habe ich vier Folgen gesehen, und bin positiv überrascht. Da ich ja die Zeit erlebt habe, und auch schon damals das Zeitgeschehen verfolgt habe, ist mir ja das Geschehen in diesen fünfziger Jahren ziemlich vertraut. Allerdings war ich z.B. nie im Buckingham Palast oder in Sandringham House. Ich kannte auch die Downingstreet 10 nicht von Innen.  Auch, dass Prinz Philipp Clarence House umgebaut hat, war mir unbekannt. Sie meinen, dass das Trivia sind – naja, da haben Sie wohl recht.

Für mich – historisch interessant – ist die Rolle von Mary, der Großmutter der jetzigen Königin. Mary wurde von ihrer Patentante, der Königin Victoria mit deren geplanten Nachfolger verlobt – der Verlobte starb sechs Wochen nach der Verlobung. Aber auf Wunsch dieser starken Königin Victoria wurde sie dann mit dem jüngeren Bruder ihres ehemaligen Verlobten vermählt. Dennoch stellte sich diese Ehe als glücklich heraus. Sie war dann Mutter zweier Könige – Edward, nur sehr kurz, und George.  Sie muss eine sehr strenge Frau gewesen sein, aber mit viel Lebenserfahrung, die ihre Enkelin optimal beraten konnte.

Was mir z.B. nicht so klar war, ist diese „Nebel-Periode“ in London, die so viele Todesopfer gefordert hat und auch politische Konsequenzen hatte.  Sie war bekannt als „Great Smog“, im Jahr 1952.

Nun gespielt wird durchgehend hervorragend, auch die Ähnlichkeit mit den echten Personen ist weitgehend verblüffend. Und es geht nicht nur um die „Royals“ und ihre „Stäben“, sondern auch um die anderen Akteure dieser Periode, besonders, den Prime Minister, das Kabinett aber auch die Opposition. Besonders beeindruckend fand ich die Vorstellung von Churchill.

Faszinierend auch die „Gebräuche bei Hof“, z.B. dass der wöchentlich berichtende Prime Minister seine Agenden stehend vortragen, um sich dann, nach rückwärtsgehend entfernen musste. Aus jetziger Sicht – eine entwürdigende Situation, der alte Mann und die junge Frau.

Auch wusste ich nicht, dass der Ehemann von Elisabeth – mit seinem Onkel – geplant hatte, dass das englische Königshaus fürderhin nicht Windsor, sondern Mountbatten heißen sollte, wobei Windsor ja eigentlich erst seit 1917 den Namen Sachsen-Coburg und Gotha ersetzt hatte. Er, Philip,  hatte sich – wie es so scheint, bei vielem nicht gegen seine Gattin durchgesetzt. Trotzdem blieb man einander zugetan. Und ich verstehe heute – vielleicht etwas besser, dass der Duke of Edinburgh zuweilen durch etwas zynische Äußerungen aufgefallen ist.

Ich werde Sie aber in Zukunft sicher nicht über Trivia in Netflix auf dem Laufenden halten …

Vielleicht trage ich Eulen nach Athen

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