Der Krampus

Es ist an der Zeit, an ihn zu erinnern, denn im Gegensatz zum Nikolo, den er in nicht gar so lang zurückliegenden Zeiten immer begleitet hatte, hat er keine Erwähnung bei den Ausnahmen vom Lockdown bekommen. Der Krampus, auch Kramperl oder Bartl (Kurzform von Bartholomäus), im Brauchtum eine Schreckgestalt in Begleitung des heiligen Nikolaus, ist eine Gestalt des Adventsbrauchtums in unseren Breiten. Der Zwarte Piet ist in den Niederlanden und Flandern der Helfer des Sinterklaas, des Heiligen Nikolaus in der niederländischen Überlieferung. Während der Nikolaus die braven Kinder beschenkt, werden die unartigen vom Krampus bestraft, so wurde mir als Kind erzählt, sogar in eine Butte gesteckt, die der Krampus am Rücken trug und gar mitgenommen! Die Gestalt des Krampusses stammt ursprünglich – wie auch viele andere dämonische Gestalten des Alpenraumes – aus der vorchristlichen Zeit.

Der Name leitet sich von mittelhochdeutsch Krampen „Kralle“‚ etwas Lebloses, Vertrocknetes, Verblühtes oder Verdorrtes ab. In vielen Gegenden hat sich die Gestalt des Krampus mit dem Perchtenbrauchtum (Schiachperchten, die mit ihren umgehängten Glocken nach einer Sage den Winter – bzw. die bösen Geister des Winters – austreiben sollen) vermischt.

Der Krampus Brauch war ursprünglich im ganzen Habsburgerreich und angrenzenden Gebieten verbreitet und wurde dann in der Zeit der Inquisition verboten, da es bei Todesstrafe niemandem erlaubt war, sich als teuflische Gestalt zu verkleiden. Jedoch wurde dieser Winterbrauch in manchen schwer zugänglichen Orten weitergeführt.

Erst seit Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich der sogenannte Einkehrbrauch (eigentlich ein Heische Brauch, bei dem es um das Fordern oder Erbitten von Gaben geht. Der Einkehrbrauch ist eine Sonderform, bei dem man sich in der Stube des Gastgebers bewirten lässt): Begleitet von Schreckgestalten, Teufeln und Tiermasken (Habergeiß) prüft und beschenkt der Nikolaus die braven Kinder, während die unartigen vom Krampus bestraft werden. In der Gegenreformationszeit entstanden entsprechende Stubenspiele. Der Krampus-Brauch ist seit jeher einem Wandel unterworfen. Im Mittelalter förderte die Kirche psychodramatisches Predigttheater für die Bevölkerung und tolerierte die daraus entstandenen Bräuche. Der Nothelfer, der Heilige Nikolaus, war als Belohner bei sittlichem Verhalten seit dem Mittelalter von großer Bedeutung. Er löste die ebenfalls belehrende und strafende Frau Berchte (5. Jänner) ab. So kamen die Vorläufer der heutigen Krampusse und Schiachperchten als Teufel ins Nikolausspiel. Seit dem 17. Jahrhundert wurden diese Spiele regelrechte Volksschauspiele und von Laien aufgeführt. Diese Umlauf- und Stubenspiele zogen am Land von Haus zu Haus und hatten im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt.

Aus dem Teufel entstanden die Kramperln als Begleiter des Heiligen Nikolaus. Im Spiel wollten sie die Seelen der Menschen gewinnen, zählten deren Verfehlungen auf und drohten ihnen (Höllen-)Strafen an. Der „Seelenwäger“ und Erzengel Michael (er ist Vorläufer des heutigen Engerls) setzte die Reue und Buße als Fürsprecher der Menschen dagegen. Als Unbekehrbare blieben die Teufel die einzigen ewig Verdammten, in der Hölle gefangen und angekettet, daraus stammen ihre Ketten, mit der Krampusse eifrig rasseln, um Kinder zu schrecken.

Seit dieser Zeit bildeten sich die Krampuspassen (Umzüge) parallel zum Perchtenlauf. Bei diesem dürfen nur die wehrfähigen, unverheirateten Männer des Dorfs teilnehmen, und mit ihm wurde die Veranstaltung seit Mitte des 19. Jahrhunderts wieder öffentlich.

Das Böse ist besonders in der harten Winterszeit stark und zeigt sich deshalb in dieser Gestalt, die entsprechend plastisch dargestellt wurde. Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo verbot um 1780 die Bräuche um den Krampus.  Sie galten als unzeitgemäß, als Ausdruck von Unbildung und als Anlass für Geldverschwendung, Aufruhr, Raufereien und Unmoral.

Heutzutage wird das Krampusgeschehen „eventisiert“.  Es gibt Krampus Umzüge, bei denen als Krampus Verkleidete unter lautem Lärm ihrer Glocken durch die Straßen ziehen, um Passanten zu erschrecken. Dabei machen sie auch Gebrauch von ihren langen Ruten. Mancherorts wird Jagd auf junge Mädchen gemacht, die dann mit den Ruten traktiert werden.

Krampustag ist der 5. Dezember, der Vorabend des Festes des heiligen Nikolaus am 6. Dezember. Üblicherweise erscheinen beide Gestalten gemeinsam am Abend des 5. Dezembers, zum Teil jedoch auch am 6. Dezember. Der Krampus hat dabei einen Mantel bzw. Hosenanzug aus Schaf- oder Ziegenfell zu tragen. Kuhglocken sind an einem Gürtel oder Gurt am Rücken angebracht sind. Rasseln oder Schellen hingegen werden nur von Schiachperchten verwendet. Manchmal genügt eine Kette zum Rasseln. Auch ein langer Schweif darf nicht fehlen. Die Rute ist aus Birkenzweigen gefertigt. Die Butte (oder Kraxn) ist ein auf dem Rücken befestigter Behälter, in dem – so wird gesagt – böse Kinder mitgenommen werden.

Krampus Attacken und Schlägereien sorgen regelmäßig für Entsetzen und öffentliche Diskussionen. Jährlich kommt es bei Krampusläufen zu Auseinandersetzungen. Gelegentlich rächen sich Zuseher für Rutenschläge und attackieren Krampusse. Und außerdem sind Krampusse ja Teil der schwarzen Pädagogik – und Kinder werden daher heutzutage diesen Schreckgestalten nicht mehr ausgesetzt.

Ich habe als Kind diesen Krampus sehr gefürchtet, der zusammen mit dem Nikolaus zu uns auf Besuch kam.

Der Krampus

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