Extreme Schneemengen werden erwartet

Lawinengefahr in Corona-Zeiten (Lockdown)

Warum kommt der Schnee nie in der richtigen Menge, wo und wann er gebraucht wird? Derzeit gibt es eine Schneewarnung für das südliche Österreich. Die Österreichische Unwetterzentrale hat am 3. Dezember 2020 gleich für fünf Bundesländer die rote Warnstufe ausgegeben. In der Steiermark und Kärnten ist mit kräftigem Schneefall zu rechnen. In der Steiermark ist es aufgrund der Schneemassen bereits zu einigen Unfällen gekommen. Zwei Meter Neuschnee und Sturm mit über 100km/h werden erwartet: Der Winter erreicht nun Teile Österreichs mit voller Wucht. Die ÖBB (Bundesbahnen) haben ihren Zugbetrieb streckenweise vorübergehend eingestellt. Die starken Schneefälle sorgen für zahlreiche Verkehrsbehinderungen. Auf fast allen höhergelegenen Verbindungen gilt Schneekettenpflicht. An steilen Grashängen unterhalb von rund 2.600 Metern sind vermehrt mittlere und mehrfach große Gleitschneelawinen zu erwarten, hieß es.

Vor allem an steilen Schattenhängen wurden oberhalb von rund 1.800 Metern vermehrt mittlere und mehrfach große Schneebrettlawinen prognostiziert. Am Abend und in der Nacht könnten Lawinen im schwachen Altschnee anreißen und vereinzelt sehr groß werden. Wintersportler könnten sehr leicht Schneebretter auslösen, wurde gewarnt.

So besehen scheint es ja ein Glück zu sein, dass wir uns noch im Lockdown befinden. Stellen Sie sich vor, wie voll die Schiorte Österreichweit wären, wenn es keine Pandemie und keinen Lockdown gäbe. Ein Wochenende, ein Fenstertag (Montag) und dann noch ein Feiertag (Maria Empfängnis). Heißa, da wären doch die Schifans alle in die Wintersportorte unterwegs. Das geht jetzt dann doch nicht ganz so locker. Aber, wie Tante Jolesch weiland schon sagte: „Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist“. Hoffentlich kommt es zu keinen Lawinen oder Schneebrettern, denn auch Ärzte haben gewarnt, dass es auf Grund der Pandemie es nicht genug Spitalsbetten für Freizeitunfälle gäbe.

Lawinen können wir gar nicht brauchen. Welcher Österreicher erinnert sich nicht an das Unglück von Galtür im Februar 1999, mit 38 Toten.  Im Alpenkrieg (1915 bis 1918) des Ersten Weltkriegs starben mindestens 10.000 Soldaten an der österreichisch-italienischen Front in den Dolomiten durch Lawinenabgänge. Viele Lawinen wurden damals vorsätzlich vom Gegner ausgelöst!

Spätestens seit der Mensch den alpinen Lebensraum erschlossen hat, ist er von Lawinenabgängen bedroht. Aus der Literatur sind vor allem Heerzüge, die die Alpen überquerten, als betroffen bekannt. So verlor Hannibal auf seiner Alpenüberquerung im Jahre 218 v. Chr. angeblich rund die Hälfte seiner Soldaten (etwa 20.000 Mann) und eine unbekannte Anzahl von Elefanten durch Lawinen.

Als Lawinen werden Massen von Schnee, Eis oder Schlamm bezeichnet, die sich von Berghängen ablösen und zu Tal gleiten oder stürzen. Abhängig von der Art ihres Abgangs unterscheidet man zwei grundsätzliche Arten von Schneelawinen, und zwar nach der Art ihres Anrisses Schneebretter und Lockerschneelawinen, daneben teilt man sie auch nach ihrem Umfang und Ausmaß ein.

Ein sogenanntes Schneebrett kann sich spontan lösen oder durch die zusätzliche Belastung im Gelände ausgelöst werden. Sie treten in der Regel bei Hangneigungen zwischen 30° und 50° auf. Eine Lockerschneelawine ist durch einen punktförmigen Anriss gekennzeichnet. Durch eine Kettenreaktion wächst die Lawine. Solche Lawinen kommen vor allem in unverfestigtem Schnee vor. Lockerschneelawinen verlangen, wegen der zur Fortpflanzung der Bewegung notwendigen Energie, eine etwas höhere Hangneigungen als Schneebrettlawinen. Ein häufiges Auftreten wird bei etwa 40–60° Hangneigung beobachtet. Staublawinen entstehen, wenn eine große Schneemasse einen steilen Hang hinabstürzt und dabei weiteren Schnee aufnimmt. Der Schnee wird aufgewirbelt, sodass ein Schnee-Luft-Gemisch (Aerosol) entsteht. Eine Staublawine kann eine Geschwindigkeit von über 300 km/h erreichen.

An der Entstehung einer Lawine sind viele Faktoren beteiligt, die sich gegenseitig verstärken oder abschwächen können. Man kann die Entstehung einer Lawine nicht unabhängig von der Art der Lawine betrachten, da es sich z. B. bei Schneebrettern und Nassschneelawinen um ziemlich unterschiedliche Prozesse handelt. Auch die Gefahrenbeurteilung erfolgt darum je nach Lawinenart unterschiedlich. Eine große Menge Neuschnee innerhalb kurzer Zeit erhöht die Lawinengefahr, das entspricht leider der gegenwärtig erwarteten Situation.

Aktive Schutzmaßnahmen sollen dem Entstehen von Lawinen vorbeugen. Den kostengünstigsten Schutz bieten Wälder. Deshalb gibt es besondere Aufforstungsprogramme. Sind keine Bäume vorhanden, werden künstliche Schutzbauten (Lawinenverbauungen) erstellt. Dazu werden in Hängen, aus denen Lawinen abgehen können, Netze, Gitter oder windbrechende Barrieren aus Holz, Beton oder Stahl montiert. Dadurch wird die Schneedecke entweder unterteilt, so dass sich keine großen Schneebretter ablösen können, oder Schneeanhäufungen an kritischen Punkten werden verhindert. Schön sind sie leider selten, aber sinnvoll.

Das gesicherte Schigebiet zu verlassen bedeutet ein gewisses Risiko in Kauf zu nehmen. In meiner Jugend gab’s so etwa wie „gesichertes Schigebiet“ selten. Wir sind mit „Fellen“ auf den Schiern aufgestiegen und dann hinuntergefahren. Man lehrte uns, besonders bei Hangquerungen besonders aufzupassen, um die Hänge nicht „abzuschneiden und Schneebretter auszulösen – und wir hatten immer unsere roten Lawinenschnüre bei uns, die man bei beginnender Lawine auswerfen muss, damit man gegebenenfalls gefunden wird. Heute gibt es subtilere Methoden – das Lawinenpiepserl etc. und man ist nicht mehr gezwungen im ungesicherten Gebiet zu fahren.

Jedenfalls hoffe ich, dass diese diesmal erwarteten Schneemengen zu keinen Lawinen führen werden und alle die in diesen Gebieten unterwegs sind vernünftige Vorsicht walten lassen. Nicht vergessen: unsere Spitäler sind am Rande der Auslastung.

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