Was es so auf sich hat, mit den Barbarazweigerln

(schon einmal veröffentlicht)

Meine Barbarazweigerln stehen schon in der Vase – mit lauwarmem Wasser gefüllt, in der Nähe der Heizung mit viel Licht. Ich kann nur hoffen, dass sie blühen werden und nicht vertrocknen. Werden Sie auch schon welche aufstellen? Warum tun wir das eigentlich?

Vielleicht sagen Sie, weil wir das schon immer getan haben, oder weil Sie vielleicht etwas „Blühendes“ in der grauen Zeit zu Hause haben wollen. Alles zulässig, aber es hat dennoch andere Gründe. Diese Zweige werden, nach einem alten Brauch am 4. Dezember, dem liturgischen Gedenktag der hl. Barbara in der römisch-katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirche (Barbaratag), geschnitten und in einer Vase in der Wohnung aufgestellt. Je nach Gegend und Brauchtum werden Kirsch-, Apfel-, Birken-, Haselnuss-, Rosskastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder sogar Forsythienzweige verwendet. Sie sollen bis zum Heiligen Abend blühen und zum Weihnachtsfest die Wohnung schmücken. Der Brauch geht auf eine Überlieferung von der Heiligen zurück, nach der sie auf dem Weg in das Gefängnis mit ihrem Gewand an einem Zweig hängenblieb. Sie stellte den abgebrochenen Zweig in ein Gefäß mit Wasser, und er blühte genau an dem Tag, an dem sie das Martyrium erlitt (4. Dezember).

Das mit dem genauen Tag, das ist für Stadtbewohner schwierig, wir kaufen die Zweige auf einem Markt oder in der Blumenhandlung, wenn wir sie am 4. Dezember aufstellen, wurden sie dann doch schon einige Tage vorher geschnitten. Das ist nur dann ein Problem, wenn man ein wenig abergläubig ist und annimmt, dass das Blühen der Zweige auf Glück im kommenden Jahr hindeutet.  Teilweise war es Brauch, dass die jungen Mädchen jedem einzelnen Zweig den Namen eines Verehrers zuwiesen. Der Zweig, der zuerst blühte, sollte auf den zukünftigen Bräutigam hinweisen. Aber in unserem gesellschaftlichen System, indem man Partner über online Ehevermittlungen sucht, passt das nicht mehr so recht.

Barbarazweige waren früher auch Grundlage anderer Orakel, wie Ernteorakel, wo die Blütenanzahl die Erntegröße zeigte, oder auch zur Vorhersage von Lottozahlen fanden sie Anwendung. Dieser Brauch hat seine Analogien in vielen Kulturen („Lebensrute“) und zählt somit zu den vielen Orakel­bräuchen. Schriftlich nachgewiesen ist der Barbarabaum seit dem 13. Jahrhundert. Eine Bauernregel besagt: „Knospen an St. Barbara, sind zum Christfest Blüten da.“

Daneben gibt es den Barbaraweizen, der am Barbaratag auf einem Teller ausgesät wird und bis Weihnachten aufsprießen soll. Dieses „winterliche Grün“ ist als Teller-Saat oder Adonisgärtlein bekannt. Diese Idee gefällt mir sehr gut – vielleicht wird‘ ich’s versuchen (aber das mit meinem grünen Daumen funktioniert nicht so gut)

Aber wer war nun diese Heilige Barbara? Barbara von Nikomedien (Barbara = „die Fremde“) war eine christliche Jungfrau, Märtyrin des 3. Jahrhunderts. Der Überlieferung zufolge wurde sie von ihrem Vater enthauptet, weil sie sich weigerte, ihren christlichen Glauben und ihre jungfräuliche Hingabe an Gott aufzugeben. Barbara war der Überlieferung nach die Tochter des Dioscuros und lebte am Ende des 3. Jahrhunderts im kleinasiatischen Nikomedia (heute İzmit im Nordwesten der Türkei.). Einer anderen Tradition zufolge lebte sie in der Colonia Heliopolis (heute Baalbek im Libanon). Ihr Vater wird von den verschiedenen Versionen als König oder zumindest reicher Kaufmann oder als Angehöriger der kaiserlichen Leibgarde betrachtet.

Nach der Legende war Barbara eine sehr schöne und kluge junge Frau, so dass viele Männer aus Nikomedia um ihre Hand anhielten. Barbara jedoch wies die Verehrer zurück. Die junge Frau besuchte eine Gruppe junger Christen, die sich trotz der Christenverfolgung durch den Kaiser heimlich trafen. Barbaras Vater Dioscuros versuchte, sie von der Außenwelt abzuschirmen und sperrte sie in einen eigens dafür gebauten Turm. (Bei den Heiligendarstellungen ist Barbara immer diejenige mit dem Turm, daran kann sie erkannt werden, und es gibt einen Merkspruch: Für die „drei heiligen Madl“ mit Bezug auf ihre ikonographischen Attribute: Margareta mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl).

Hauptgrund für das Einsperren des Mädchens war der verzweifelte Versuch des Vaters, Barbaras Hinwendung zum Christentum zu verhindern. In der Abgeschiedenheit ihres Gefängnisses bekannte Barbara sich gegen den Willen des Vaters zum Christentum. Der Vater versuchte, sie mit Marterungen und Peinigungen umzustimmen, doch dies bestärkte sie noch in ihrem Glauben. Barbara konnte in einen Felsspalt fliehen, der sich wie durch ein Wunder vor ihr öffnete. Sie wurde dennoch von einem Hirten verraten. Dieser wurde von Gott in einen Stein (nach einer anderen Legende in einen Mistkäfer) verwandelt, seine Schafe in Heuschrecken oder Käfer. Dioscuros fand seine Tochter, schlug sie und brachte sie zum römischen Statthalter Marcianus, der sie zum Tode verurteilte. In der Stadt wurde sie schließlich so grausam misshandelt, dass ihre Haut am Ende in Fetzen vom Körper hing. In der Gefängniszelle erschien ihr Christus und heilte ihre Wunden. Der erbitterte Statthalter ließ sie in der Öffentlichkeit mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln foltern. Vor ihrem Tod betete Barbara, daraufhin erschien ein Engel und hüllte sie in ein schneeweiß leuchtendes Gewand. Letztendlich enthauptete der grausame Vater seine Tochter selbst. Er wurde kurz darauf vom Blitz getroffen und verbrannte, was sich der Legende nach im Jahr 306 unter Kaiser Maximinus Daia zutrug.

Im Zuge der Liturgiereformen des zweiten vatikanischen Konzils wurde die hl. Barbara aus dem römischen Generalkalender gestrichen, da ihre Existenz historisch nicht gesichert sei. Wegen der großen Verehrung, die sie im Volk genoss, blieb ihr Gedenktag jedoch in einigen Regionalkalendern erhalten. Die heilige Barbara zählt zu den vierzehn Nothelfern, und ihr Verhalten im Angesicht von Verfolgung und Tod gilt als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit im Glauben.

Den Märtyrerinnen ist es schon sehr schlecht gegangen, aber ich glaube, dass sie nichts dagegen haben, wenn wir Barbarazweigerln (zu ihren Ehren – oder auch nicht) aufstellen.

Was es so auf sich hat, mit den Barbarazweigerln

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