Wintersonnenwende – multikulturell

Wenn ich so aus dem Fenster schaue, und wird nur sehr langsam hell, und dann bleibt der Tag trüb und so bald wird es wieder finster! Da freut man sich doch, dass die Wintersonnenwende naht und dann langsam, langsam die Tage wieder länger werden.

Selbstverständlich wird diese Wintersonnenwende in unseren Breiten gefeiert. Die Wintersonnenwende markiert den kalendarischen Winteranfang nach astronomischer Definition. Laut meteorologischer Definition beginnt der Winter aber schon einige Wochen vor der Sonnenwende. Bei der Sonnenwende im Dezember erreicht der subsolare Punkt – also der Ort, über dem die Sonne im Zenit (genau senkrecht) steht – seinen südlichsten Punkt am südlichen Wendekreis. In diesem Moment beginnt laut astronomischer Definition auf der Nordhalbkugel der Erde der Winter. Die Sonnenwende wird im Dezember in Wien am Montag, 21. Dezember 2020, um 11:02 MEZ stattfinden. In der Meteorologie beginnen die Jahreszeiten jeweils am ersten Tag des Monats, in den die Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden fallen – auf der Nordhalbkugel also: Frühling: 1. März; Sommer: 1. Juni; Herbst: 1. September; Winter: 1. Dezember.

Die Wintersonnenwende war in vielen antiken und frühmittelalterlichen Kulturen ein wichtiges Fest, das oft ein paar Tage vor bzw. nach dem Datum der tatsächlichen Sonnenwende gefeiert wurde. Zur Zeit der Einführung des Julianischen Kalenders lagen die Sonnenwenden auf dem 25. Dezember und dem 24. Juni.

Umstritten ist, ob und in welcher Form die Germanen und andere Völker in Nordeuropa um die Wintersonnenwende das Julfest feierten. Es wäre dann mit Feuer- und Lichtsymbolik zur Wintersonnenwende praktiziert worden. Historisch belegbare schriftliche Zeugnisse gibt es in Form von Kalenderstäben mit Runenzeichen. Die Kirche hatte vergeblich versucht, das Wort Julfest durch andere Begriffe zu ersetzen

Das christliche Weihnachtsfest, mit dem die Geburt Jesu gefeiert wird, findet nach der tatsächlichen Wintersonnenwende statt. Als das Weihnachtsfest im 4. Jahrhundert eingeführt wurde, legte man es auf den traditionellen kalendarischen Tag der Wintersonnenwende, den 25.12., der zur Zeit der Einführung des julianischen Kalenders der tatsächliche Tag der Wintersonnenwende gewesen war. Am 25.12. wurde auch das Fest des unbesiegten Sonnengottes gefeiert wurde.

Aber nicht nur wir (also nicht orthodoxe) Christen feiern während dieser Tage. Ost- und Westkirche feiern Weihnachten am 25. Dezember, aber die Mehrzahl der Ostchristen lebt nach dem alten, julianischen Kalender, so dass das Weihnachten auf den 7. Januar fällt.

Auch Zoroastrier sowie muslimische Völker des iranischen Kulturkreises und Zentralasiens zelebrieren zur Wintersonnenwende die Yalda-Nacht, die „längste und dunkelste Nacht des Jahres“. In der zoroastrischen Tradition waren Nachtstunden eine Zeit der Dämonen und anderer böser Handlanger des satanischen Ahrimans (Zerstörung bzw. das Zerstörerische).  Zudem wurde geglaubt, dass die dunklen Mächte in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres besonders stark und aktiv seien, und den Menschen wurde entsprechend empfohlen achtsam zu bleiben und den Schutz in der Menge mit vertrauten Freunden und Verwandten zu suchen. Aus diesem Brauch entwickelte sich das Familienfest, wie es heute noch besteht. Das Fest stammt ursprünglich aus altiranischer Zeit und wird noch heute von den mehrheitlich muslimischen Völkern des iranischen Kulturkreises und Zentralasiens gefeiert. Es handelt sich dabei um die „Geburt des (vorzarathustrischen Sonnengottes) Mithra“ (von Mihr, „Licht, Liebe, Barmherzigkeit, Freundschaft, Freundlichkeit, Mitgefühl“), dessen Symbol das gleichschenklige Kreuz ist.

In der Yalda-Nacht finden sich Freunde und Verwandte in den Häusern der Ältesten zusammen, wo sie die Nacht über gemeinsam feiern. Traditionell werden zu diesem Anlass vor allem Melonen, Granatäpfel, etc. gegessen. Meist sitzt man um das Korsi (viereckiger, niedriger Tisch, mit einer großen Decke belegt; unter dem Tisch befindet sich traditionell ein Becken mit glühenden Kohlen; um ihre Wärme langsamer abzugeben sind sie unter einer dicken Aschenschicht verborgen) und liest aus dem Dīwān (Sammlung von Gedichten) des persischen Dichters Hafis vor. Hierbei handelt es sich um das Fal-e Hafez (geboren um 1315 oder 1325; gestorben um 1390, Dichter und Mystiker), also um eine Art Orakelbefragung oder Weissagung anhand der Hafez-Gedichte.

Ein weiterer Brauch ist das Entzünden eines großen Feuers, das Licht und Hoffnung repräsentiert. Die Menschen freuen sich, dass das Licht neu geboren wird und sich gegen die Dunkelheit durchsetzt, denn nach der Yalda-Nacht werden die Tage wieder länger. In der altpersischen Tradition kam der Herrscher in der Yalda-Nacht vom Thron herab und begab sich in die Wüste. Er schickte Diener und Wächter in den Urlaub und ging in ein Dorf, um dort die Nacht mit einfachen Bauern zu verbringen und ihnen zuzuhören. Wäre vielleicht auch heutzutage für Politiker eine Methode, volksnähere Gesetze entwickeln zu können.

Freuen wir uns einfach, dass die Tage wieder länger werden und es wieder lichter um uns werden wird.  

Wintersonnenwende – multikulturell

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