Zu den Schutzengeln

Engel sind omnipräsent, besonders zur Weihnachtszeit. In fast jeder Kirche zieren sie die Altäre, meist sind sie kindlich dargestellt, sitzen auf Wolken, in dieser Form nennet man sie Putten (in der Skulptur und Malerei eine Kindergestalt, die meist wenig bekleidet oder nackt auftritt, mit oder ohne Flügel).  

Egal, welchen Glauben man anhängt, für seine Kinder wünscht man sich einen Schutzengel – besonders wenn sie im Straßenverkehr unterwegs sind. Und wenn Kinder schon lang erwachsen sind, bemühen Eltern deren Schutzengel doch weiterhin?  

Ein Schutzengel ist nach mythologischer oder religiöser Vorstellung ein zum Schutz eines Landes, eines Ortes oder einer Person zugestellter Engel. Oft werden Engel als geschlechtslose Wesen verstanden, obwohl zumindest einige von ihnen als Jünglinge oder junge Männer beschrieben werden, z. B. jene vom leeren Grab Jesu oder auch die in Sodom erscheinenden Engel des Alten Testaments. Es wird auch von weiblichen Engeln berichtet, der angeblich aus einer Träne geboren wurde, die Jesus vergoss. Neben dem Christentum kennen auch die anderen abrahamitischen Religionen, der Islam und das Judentum, das Konzept der Schutzengel. Im Buddhismus werden die Bodhisattvas verehrt. Ebenso spielen unter anderem in der Esoterik, wie etwa in der Anthroposophie, Schutzengel eine Rolle. Auch antike sowie animistische Lokalreligionen kennen sogenannte Schutzgeister.

Engel, „Boten“, werden im Judentum durch Auslegung des Tanach und in langer Tradition meist als übernatürliche Wesen verstanden, die Gott im Himmel zur Seite stehen, aber streng von Gott (JHWH) zu unterscheiden und diesem untergeordnet sind. Sie können gelegentlich ausgewählten Menschen Gottes Willen und seine Anweisungen zu erkennen geben.

Im jüdischen Glauben an himmlisch-englische Wesen wird die komplexe Erklärung ihrer spirituellen Welt nicht in ein Ordnungsschema gepresst, wie es z. B. dann im frühen Christentum aufgebaut wurde. In späteren Schriften (etwa dem Buch Daniel) finden sich Namen von Engeln, denen bestimmte Aufgaben zugewiesen sind. Der Erzengel Gabriel z.B. gilt als Fürbitter und Schutzengel des Volkes Israel.

Beschreibungen von Engeln und Engellehren finden sich auch in apokryphen Schriften (= religiöse Schriften jüdischer bzw. christlicher Herkunft aus der Zeit zwischen etwa 200 vor bis ca. 400 nach Christus, die nicht in einen biblischen Kanon aufgenommen wurden).   So ist z. B. das Buch Henoch eine Chronik, die ausführlich über eine „Reise durch die zehn Himmel“ und über Engel, ihre Namen, ihre Aufgaben und ihre charakteristischen Eigenschaften berichtet. Das apokryphe Buch Tobit, das vermutlich aus dem 2. Jahrhundert vor Christus stammt, beschreibt das schützende Wirken des Erzengels Raphael, der Tobias auf seiner Reise begleitet.

Engel werden sowohl in der lateinischen als auch orthodoxen Kirche verehrt. Altkirchlichen Autoren war der Gedanke eines persönlichen Schutzgeistes aus ihrer antiken Umwelt vertraut, und sie fanden ihn biblisch bestätigt. Schutzengel sind nach dieser frühen Lehre aber von untergeordneter Bedeutung. Martin Luther lehnte die Lehre von Schutzengeln nicht ab, sondern kritisierte nur den Gedanken, dass die höchsten Engel sich nicht um unwichtige Menschen kümmerten. Johannes Calvin dagegen war skeptisch, ob es individuelle Schutzengel gebe; in der Folge wurde der Schutzengelglaube im Calvinismus im 17. Jahrhundert fast allgemein abgelehnt, hielt sich aber im Luthertum bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts und wurde danach symbolisch verstanden. Die Verehrung der Schutzengel in der Liturgie der katholischen Kirche hat sich vor allem im 15. und 16. Jahrhundert verbreitet. Dies geschah zunächst in Verbindung mit dem Fest des Erzengels Michael am 29. September; er gilt im Judentum mit 1670 legte Papst Clemens X. das Schutzengelfest für die katholische Kirche auf den 2. Oktober fest. Im Katholischen Katechismus liest man unter Anderem, dass Gott habe jedem Gläubigen, ja jedem Menschen einen besonderen Schutzengel beigegeben hat.

Hafaza oder Schutzengel sind nach islamischer Tradition Helfer-Engel, die mit der Aufgabe betraut sind, Menschen gegen Dschinn und böse Geister zu schützen. Gemäß der Überlieferung befinden sie sich vor und hinter jedem Menschen, sodass insgesamt vier Hafaza als Schutzengel über ihn wachen, zwei am Tage und zwei während der Nacht. Bei der Abenddämmerung und im Morgengrauen wechselt jeweils die Wache der Hafaza; in diesen ungeschützten Momenten haben die bösen Geister die größte Möglichkeit, ihren Einfluss auf den Menschen geltend zu machen. Eine weitere Klasse der Helferengel sind die Schreiberengel (al-Kiram al-Katibun), die die guten und schlechten Taten jedes Menschen aufzeichnen. Am Tag des Jüngsten Gerichts werden ihre Aufzeichnungen verwendet, um festzustellen, ob die Person würdig ist, in das Paradies aufgenommen zu werden.

In der darstellenden Kunst findet sich das Schutzengelmotiv seit der Renaissance in zahlreichen Bildwerken wieder. Eine Hochblüte erlebte das Bildthema in der Kunst des 19. Jahrhunderts. Vor allem bei den späten Nazarenern wurde es sehr beliebt und später in die religiöse Salonmalerei übernommen. Im Gegensatz zum mittelalterlichen Bildtypus trat der religiöse Charakter der Bilder zunehmend in den Hintergrund und wurde als künstlerisches Motiv im populären Wandschmuck ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert durch die sogenannten Schutzengelbilder in beiden Konfessionen zunehmend beliebter.

Ich wünsche Ihnen, dass besonders in Zeiten wie diesen, Ihr Schutzengel besonders gut auf Sie aufpasst.

Zu den Schutzengeln

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s