Christas Greislerei der kleinen Freuden

Schon als ich heute zum Fenster hinausgeschaut habe, konnte ich mich freuen. Einerseits weil das Spitzel vom Stephansturm, das ich grad noch sehen kann, zartrosa geleuchtet hat, weil es heute keinen dicken grauen Nebel gibt, der manchmal sogar diesen Turm unsichtbar macht. Heute hat ihn die morgendliche Sonne angestrahlt und zum Leuchten gebracht.  

Beim frühmorgendlichen Hinausschauen konnte ich auch einen Blick auf meine Blumenschalen am Balkon werfen, in denen nicht nur noch die sommerlichen Stauden (dank Klimawandels sind sie noch nicht erfroren) stehen, sondern auch Schneerosen blühen. Meine Liebe zu Schneerosen kommt daher, dass meine Großtante aus Pernitz früher – im Mittwinter immer ein Packerl an uns geschickt hat, in dem sich Moos und Schneerosen befanden, das Moss haben wir dann in eine Schüssel gelegt, angefeuchtet, die Schneerosen und Blätter hineingesteckt – und es war Frühling. Als wir dann selbst die Wochenenden in unserem Häusel in Pernitz verbracht haben, bin ich immer in den Wald gegangen und abhängig vom Wetter und Schneelage konnte man fast den ganzen Winter dort Schneerosen finden, die ich dann in Wien wie oben beschrieben aufgestellt habe. Meine Schwiegertochter kennt meine Liebe zu den Schneerosen, so begleitetet jedes Jahr mein Weihnachtsgeschenk von ihr ein schönes Schneerosenstöckerl. Weil diese aber in geheizten Wohnungen extrem heikel sind, und bald traurig hängen, habe ich sie voriges Jahr umgehend auf den Balkon befördert und dort eingesetzt: heuer blüht sie zu meiner Freude zu Weihnachten, und üppig noch dazu.

Gestern wurde ich vor großem Ungemach bewahrt. Dazu muss ich aber ausholen. Bei uns gab’s zu Weihnachten für die Familienjause immer (auch) einen Weihnachtsstollen, nicht grad selbstgebacken. Daher mussten wir uns (wie übrigens bei den Krapfen) durchkosten, wer in Wien die besten Weihnachtsstollen bäckt. Wir beschränkten uns allerdings auf drei Konditoreien, unser diesbezügliches Stammgeschäft (wo am Sonntag immer die Mehlspeis gekauft wurde – und wird), jene Konditorei, die vor einigen Jahren damit geworben hat, den besten Weihnachtsstollen der Stadt herzustellen, und jenen, von der berühmtesten Zuckerbäckerei von Wien. Ich kann’s Ihnen ja verraten, mein (leider schon verstorbener) Mann, diesbezüglich sicher die Autorität in der Familie, entschied dass jener der K. u. K. Hofzuckerbäckerei Demel der beste wäre. Also begab ich mich gestern zum Demel, ja, dort wird (noch) verkauft, aber sitzen darf man halt nicht – wie überall (der nicht ganz so strenge Lockdown). Außerdem hat man dort ein gutes Sicherheitssystem, da der Eingang so eng ist, verlässt man das Lokal nach dem Einkauf durch eine Hintertür. Beim Eingang wurde gleich Kaiserschmarrn angeboten. Beinahe hätte ich eine Portion gekauft und hätte sie nach Hause genommen, aber da warte ich jetzt schon lieber, bis ich sie wieder dort essen kann. (Hoffentlich nach dem 18. Jänner 2021) Aber ich kaufte den Weihnachtsstollen, nicht die ganz kleine Variante, aber auch nicht die große, die ich sonst immer gekauft habe.

Selbstverständlich hatte ich eine Maske aufgesetzt, Variante FFP2, aber das führt dazu, dass meine Brillen anlaufen. Zum Bezahlen musste ich also die Brille abnehmen. Stolz mit einem Demel-Sackerl in der Hand, verließ ich das Geschäft – Sie wissen schon, über den Hintereingang. Ich war schon in Richtung Michaelerplatz unterwegs als mich von hinten jemand ansprach: „Sie haben Ihre Brille vergessen“. Die Verkäuferin/Kassierin – überreichte sie mir, mit dem freundlichsten aller Lächeln (ohne Mantel war sie herausgerannt).   Früher nannte man diese dort angestellten Damen Demelianerinnen („Ihr hochnäsiges Mienenspiel bürgt für Übersicht, Dienstbereitschaft, Integrität in diesem Wertvakuum“ wurde über sie geschrieben), und man wurde von ihnen in der dritten Person angesprochen. „Haben schon gewählt“ – ich habe es noch mit eigenen Ohren gehört, von einer schwarz gekleideten Demelianerin mit weißer Schürze. Ich gebe zu „die heutige Variante“ der dort angestellten Damen ist mir aber um vieles lieber.

Mir wäre es eine Zeitlang nicht aufgefallen, dass mir die Brille fehlt und ich hätte sie überall verzweifelt gesucht, viel der derzeit kostbaren Zeit damit verbracht, aber sicher nicht dran gedacht, dass ich sie grad beim Demel liegen gelassen habe.

Jetzt kann Weihnachten doch schon kommen – noch einmal schlafen ….

Christas Greislerei der kleinen Freuden

2 Gedanken zu “Christas Greislerei der kleinen Freuden

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