Ein wenig über die Zeit, in der Jesus Christus geboren wurde.

Über Augustus und Herodes

Gestern, am Heiligen Abend haben viele von uns vielleicht das Weihnachtsevangelium gehört. Heuer war zwar jenes von Johannes an der Reihe, aber uns allen bekannter und vertrauter ist jenes von Lukas, das über die Ereignisse rum um die Geburt Jesu Christi berichtet. In diesem Evangelium kommen zwei historische Personen aus dem damaligen öffentlichen römischen Leben vor. Einerseits der Kaiser Augustus und andererseits der Statthalter Quirinus.

Augustus (* 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius; † 19. August 14 n. Chr.) war der erste römische Kaiser. Es waren unruhige Zeiten, zu Ende der Republik in Rom. Schon zu Cäsars Lebzeiten hatte Bürgerkrieg im römischen Imperium geherrscht. Als der Senat sich im Jahr 60 v. Chr. weigerte, Pompeius’ Maßnahmen zur Versorgung seiner Veteranen anzuerkennen, schloss dieser mit Crassus und einem jungen politischen Aufsteiger, Julius Caesar, ein privates Bündnis ab, das Triumvirat. Diese ungesetzliche „Dreimännerherrschaft“ sollte sicherstellen, „dass nichts im Staate geschehen solle, was einem von den dreien missfiele“. Anfangs ging es noch um die Frage, Vorherrschaft des Senatsadels oder stärkere Beteiligung des Volkes. Dann aber ging es für die Republik um die Existenzfrage: Konnte sie überhaupt noch in der hergebrachten Form bestehen bleiben? Würde sie die nach Marius’ Heeresreform neu entstandene Macht der Militärgewalthaber zurückdrängen oder integrieren können oder ihr am Ende unterliegen? Dann kam es zum Bürgerkrieg zwischen Pompeius und Caesar, am 10. Januar 49 v. Chr. überschritt Caesar den Rubikon und begann damit den Krieg gegen die Republik. Ob Caesar tatsächlich die Königsherrschaft anstrebte, war zu seiner Zeit und ist bis heute umstritten. Seine Wahl zum Diktator auf Lebenszeit konnte nur eine vorläufige Lösung sein.

Der Großneffe und Haupterbe Gaius Julius Caesars gewann die Machtkämpfe, die auf dessen Ermordung im Jahr 44 v. Chr. folgten, und war von 31 v. Chr. bis 14 n. Chr. Alleinherrscher des Römischen Reiches. Am 13. Januar des Jahres 27 v. Chr. begann im Senat von Rom ein mehrtägiger Staatsakt, der den Ausnahmezustand des Bürgerkriegs auch offiziell beendete. Formal wurde damit die alte Ordnung der Republik wiederhergestellt, tatsächlich aber eine völlig neue, monarchische Ordnung mit republikanischer Fassade geschaffen: das spätere römische Kaisertum in Gestalt des Prinzipats. Der Senat verlieh Octavian am 16. Januar den neu geschaffenen Ehrennamen Augustus.

Der Alleinherrscher vor drei großen Aufgaben: den Staat neu aufzubauen, das Reich nach innen und außen zu sichern und die Nachfolge zu regeln, um seinem Werk auch über seinen Tod hinaus Dauer zu verleihen. Da Augustus all das gelang, markiert der Staatsakt vom Januar 27 v. Chr. nicht nur den Beginn seiner 40-jährigen Regierungszeit als Princeps, sondern auch den einer ganz neuen Epoche der römischen Geschichte, wobei es nach außen hin zu zahlreichen Expansionskriegen kam.

Unter der Devise der Wiederherstellung der Republik – restitutio rei publicae – betrieb er in Wirklichkeit deren dauerhafte Umwandlung in eine Monarchie in Form des Prinzipats. Damit begründete die julisch-claudische Kaiserdynastie. Seine Herrschaft führte im Inneren in eine langanhaltende Konsolidierungs- und Friedensphase, die als Pax Augusta verklärt wurde.

Das römische Palästina bestand von 63 v. Chr. bis etwa 634 n. Chr. Obwohl die Levante insgesamt römisch und Palästina der Provinz Syria zugeschlagen wurde, bestand dort zunächst eine Herrschaft des Hohepriesters von Jerusalem, dann ein Klientelkönigtum, das zwischen den Großmächten und den Kontrahenten der Spätphase der römischen Bürgerkriege lavierte. Dessen bekanntester Herrscher war der Idumäer Herodes, zumal Jesus von Nazareth gegen Ende seiner Herrschaft geboren wurde. Die Machtkämpfe innerhalb der Dynastie veranlassten Rom immer wieder zum Eingreifen. Der letzte Hasmonäerkönig wurde zugleich zum religiösen Oberhaupt aller Juden sowohl in Palästina als auch in der jüdischen Diaspora.

Als die Parther 40 v. Chr. in Judäa einfielen, floh Herodes nach Rom. Er genoss das Vertrauen des Marcus Antonius. Deshalb erklärte ihn der römische Senat zum befreundeten König – zunächst ein Titel ohne Land. Herodes eroberte mit römischer Unterstützung 37 v. Chr. Jerusalem und entmachtete die bis dahin regierende Familie der Hasmonäer. Nach der Schlacht bei Actium wechselte Herodes ins Lager des Octavian, der sein Königtum bestätigte (30 v. Chr.) und sein Herrschaftsgebiet vergrößerte. Das Reich des Herodes war ein neuartiges territoriales Gebilde mit multiethnischer und multireligiöser Bevölkerung.

Die Biografie des Herodes schrieb der jüdisch-hellenistische Historiker Flavius Josephus: einer eher positiven Darstellung in seinem Werk Jüdischer Krieg folgte eine stark negativ getönte Darstellung des Herodes in seinem späteren Hauptwerk Jüdische Altertümer. Sie zeigt Herodes in einer zentralen Rolle als Rivale und Verfolger des neugeborenen Jesus von Nazareth (Kindermord in Bethlehem). Es geht um den Besuch der Magier (auch Heilige Drei Könige) und deren Frage nach der Geburt des „Königs der Juden“ (d. h. Jesus). Herodes bangte um seine eigene Regentschaft und befahl schließlich die Ermordung aller Knaben bis zum Alter von zwei Jahren in Bethlehem. Das Lukas-Evangelium erwähnt Herodes nur kurz in seiner Eigenschaft als König. Nach Lukas sollen die Eltern Jesu auf Grund einer Volkszählung in Bethlehem gewesen sein. Eine Volkszählung fand erst nach dem Tod des Herodes statt.

Über den Statthalter Publius Sulpicius Quirinius erzähle ich Ihnen demnächst Näheres.

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