Heute ist der Tag der Unschuldigen Kinder

der Kinder in Behtlehem oder den Lagern auf Lesbos?

Am heutigen Tag, dem 28. Dezember findet das Fest der Unschuldigen Kinder statt. Diese Bezeichnung sagt Ihnen vielleicht nichts, aber wahrscheinlich sind Sie mit dem Begriff Bethlehemitischer Kindermord besser vertraut.

Die Magier aus dem Osten (diejenigen, die wir zumeist als Heilige Drei Könige bezeichnen) hatten anfänglich die Geburt eines Königs im Palast des Königs Herodes vermutet.  Der dortige König war durch ihre Aussagen ziemlich beunruhigt, hatte empfohlen, das neu geborene Königskind weiter zu suchen und ihm, also Herodes danach die Information über den Ort mitzuteilen. Als die Magier ihm – auf göttliche Weisung in Form eines Traumes hin, keine weitere Auskunft über den Aufenthalt des Königskindes brachten, ließ Herodes aus Angst um seinen Thron den Kindermord von Bethlehem anordnen, um die möglichen Konkurrenten auszuschalten. Die Kirche verehrt die unschuldigen Kinder als die ersten Märtyrer und feiert ihr Fest in unmittelbarer Nähe zu Weihnachten. 

Die Bedeutung dieses Tages hat sich in den letzten Jahren auch dahingehend geändert, dass er eine Mahnung zum Schutz des ungeborenen Lebens wurde. Dargestellt wird dies alles sehr drastisch von Pieter Bruegel dem Älteren, als winterliches flämisches Dorf, das einer spanischen Strafexpedition unterzogen wird. Wesentlich drastischer ist die Darstellung durch Nicolas Poussin. Aber auch Rubens hat das grausame Gemetzel dargestellt.

Herodes war für seine Grausamkeiten bekannt. Er, der von den Römern gestützte Vasallenherrscher, witterte hinter jeder Ecke einen Konkurrenten, Intriganten oder Königsmörder. Also griff er zum Mittel des Präventivmordes und kannte dabei keine Verwandten. Sogar seinen eigenen Söhnen trachtete er nach dem Leben. Roms Kaiser Augustus musste sich einschalten, konnte ihnen nicht nur das Leben retten, sondern sie auch mit ihrem Vater aussöhnen.

Doch den Kindermord zweifeln die Historiker inzwischen an. Der römische Historiker Flavius Josephus, der in seinen Werken „Antiquitates Judaicae“ und „De Bello Judaico“ die Zeit und das Wirken von Herodes ausführlich beschreibt, erwähnt die Tat mit keinem Wort. Sinn macht sie indes für Matthäus und seinen theologischen Ansatz. Denn durch die Flucht von Maria und Joseph gelangt Jesus nach Ägypten. Damit aber wird das Wort des Propheten Hosea erfüllt: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Die meisten Forscher gehen heute davon aus, dass Jesus in den letzten Regierungsjahren des Herodes geboren wurde und nicht während der „Volkszählung“, von der der Evangelist Lukas berichtet und die nicht vor 6 n. Chr. stattgefunden haben kann.

Wir können jetzt an den Kindermord in Bethlehem glauben oder nicht, aber es gibt ein Heute: heute lassen wir Kinder in den Lagern auf Lesbos sterben. Das Lager besteht seit Mitte Oktober 2015. Aufgenommen werden besonders gefährdete und verletzbare Flüchtlinge, wie etwa alleinstehende Frauen, Familien sowie traumatisierte oder verletzte Menschen, die zuvor im Flüchtlingslager Moria waren. Nach dessen Brand im September 2020 diente es für einige Menschen als Ausweichlager.

In Folge der Zerstörung des Flüchtlingslagers Moria wurde für die meisten der durch den Brand obdachlos gewordenen Flüchtlinge in der Nähe des bereits bestehenden Flüchtlingslagers Kara Tepe ein zweites provisorisches Zeltlager auf einem ehemaligen Schießplatz direkt an der Küste eröffnet Der Presse sowie Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten ist der Zugang zum Gelände untersagt. In dem provisorischen Zeltlager leben rund 7500 Menschen, darunter 2500 Kinder.

Mitte Oktober 2020 gab es nach Regenfällen Überflutungen in dem provisorischen Zeltlager, wodurch sich die humanitäre Situation verschlechterte. Im Dezember 2020 bestanden weiterhin große Gesundheitsprobleme und mangelhafter Schutz vor Kälte und Nässe. In der Regel teilten sich je zwei Familien (7–8 Personen) eines der 1.000 Sommerzelte. 1.200 unbegleitete Minderjährige seien in fünf Großzelten untergebracht, davon sind nur zwei mit Stockbetten ausgestattet, in den anderen liegen die Kinder auf dem Boden. Es gebe viel zu wenige Toiletten und nur provisorische Kübelduschen mit kaltem Wasser. Es mangele an passender Kleidung. Pro Tag werde nur eine kleine Mahlzeit ausgegeben; die sei kalt, weil die Caterer ohne Wärmeboxen liefern. Es gibt auch keine Schule für die vielen Kinder dort.

Ab 31. Dezember 2020 sollten weitere 1.200 Menschen, die bisher noch in Containern im alten Flüchtlingslager Kara Tepe einquartiert waren, in das im September 2020 errichtete provisorische Zeltlager verlegt werden.

Am 23. Dezember 2020 wandte sich ein Großteil der Flüchtlinge in einem „Weihnachtsbrief“ an die europäische Öffentlichkeit. Darin übten sie harsche Kritik an der EU und an den verheerenden Zuständen im neuen Lager. Gefordert wurden weitere Hilfe und ein Mitbestimmungsrecht, so wie es in Moria galt. Das Schreiben wurde EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen übergeben und bei der Hilfsorganisation medico international veröffentlich.

Die geflüchteten Menschen auf Lesbos – sowie die Flüchtlinge an der europäischen Außengrenze in Bosnien habe keine Perspektive – sie können weder vor – noch zurück. Begehen wir an den Kindern dort nicht auch einen historischen Mord?

Heute ist der Tag der Unschuldigen Kinder

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