Ein Triumfeminat, das in jenem Reich regierte, in dem die Sonne nicht unterging

Drei Frauen, die in Abwesenheit des Kaisers regierten – Tante, Ehefrau, Tochter

Auf Universum History lief gestern ein Kurzfilm über Kaiser Karl V. Sehr hübsch dabei fand ich, dass die „Experten“ allesamt im Prunksaal unserer Nationalbibliothek saßen. Interessant fand ich auch, dass die vielen Gemälde (die meisten wohl in unserem Kunsthistorischen Museum zu finden) Karls parallel zur spielfilmartigen Handlung gezeigt wurden. Dabei allerdings wurden zumeist Kathedralen und Burgen gezeigt. Im Mittelpunkt davon stand erfreulicherweise Aachen.

Jetzt abgesehen von alledem wurde die Rolle der Frauen im Leben dieses Kaisers betont. Er hätte, dieses Riesenreich wohl kaum ohne deren Hilfe regieren können. Wesentlich in seinem Leben waren Maria von Ungarn (* 17. September 1505 in Brüssel; † 17. Oktober 1558 in Cigales). Sie war durch Geburt Prinzessin von Kastilien, Österreich sowie Burgund und wurde durch Heirat Königin von Böhmen und Ungarn. Nach dem Tod ihres Gatten wurde sie im Januar 1531 Statthalterin der Spanischen Niederlande, ihrer Heimat. Dort erzog sie den jungen Karl. Die politisch und geistig hochbegabte, aber auch kunstverständige Statthalterin Maria erzog die ihr anvertrauten Kinder liebevoll, ließ sie von niederländischen und spanischen Gelehrten unterrichten. An ihren von der flandrischen Kultur geprägten Höfen in Brüssel und Mechelen versammelte sie ausgewählte Künstler und Gelehrte, was diese zu Zentren des Renaissance-Humanismus werden ließ. Sie war es, die große Tochter Maximilians, die ihren Neffen zur Erbfolge erzog und ihn sorgfältig auf die fürstlichen Aufgaben seines künftigen Lebens vorbereitete.

Isabella von Portugal (* 24. Oktober 1503; † 1539), war Tochter des portugiesischen Königs Manuel I, Ehefrau Karls V. Sie war eine zierliche Frau von attraktivem Äußeren, hatte eine ausgezeichnete Ausbildung genossen und brachte durch den Kontakt mit den besten Wissenschaftlern Portugals und ihre Kenntnis der Berichte der portugiesischen Seefahrer über ferne Länder die besten Voraussetzungen für eine Ehe mit Karl V. mit.

Die Hochzeit fand am 10. März 1526 im prächtigen Alcázar von Sevilla statt. Das Volk umjubelte die grazile Portugiesin, die sich in reinstem Kastilisch für die unendlichen Ovationen bedankte und so sofort das Herz der Massen für sich gewann. Obwohl die Heirat des Kaiserpaars rein politisch motiviert gewesen war, verliebten sich die Eheleute rasch ineinander und führten eine äußerst glückliche Ehe, was auch für die Nachwelt in Form zahlreicher Briefe zwischen den beiden nachgewiesen ist. Karl V. brachte seiner Gattin stets eine weit über das damals übliche Maß hinausgehende höfische Verehrung entgegen. Im Sommer 1526 zog das jungvermählte Paar von Sevilla nach Granada um und logierte dort bis Jahresende in der Alhambra. Der Kaiser wurde deshalb sogar von Mitgliedern des Staatsrates gerügt, seine Flitterwochen nicht zu lange auszudehnen. Isabella war seit 1526 die einzige Ehefrau von Karl V.

In den Zeiten der monate- und jahrelangen Abwesenheit des Kaisers leitete Isabella alleine die Regierungsgeschäfte in Spanien für ihn, erstmals von 1529 bis 1533. Im Laufe der Zeit handelte sie nicht mehr nur nach dem Rat ihrer Minister, sondern traf zunehmend eigenständigere politische Entscheidungen. Als spanische Regentin diente sie ihrem Gemahl auch als wichtige Kontaktperson für vertrauliche Nachrichten. So unterhielt sie mit ihm eine intensive Korrespondenz, die sich häufig nicht um persönliche, sondern um politische Inhalte drehte. Sie führte Verhandlungen für Heiraten zwischen Mitgliedern des spanischen und französischen Königshauses und suchte dabei möglichst Eheverbindungen zwischen ihren eigenen Sprösslingen und den deutlich älteren Kindern Franz’ I. zu vermeiden. Als Befürworterin der italienischen Renaissance begünstigte sie die Ausbildung der spanischen Jugendlichen.

Es belastete Isabella schwer, oft so lange Zeiten ohne ihren Gemahl verbringen zu müssen. Für die zarte Frau waren außerdem alle ihre Geburten äußerst schwierig, sodass man jedes Mal um ihr Leben bangte. Schon nach der vierten Geburt erholte sie sich nur langsam, kümmerte sich aber nach wie vor im Auftrag ihres Gatten um die politischen Belange in Spanien.

Im Alter von 35 Jahren starb Isabella am 1. Mai 1539 zehn Tage nach der frühzeitigen Geburt des fünften Kindes, das nur wenige Stunden lebte. Karl V. war tief betrübt über das Ableben seiner Gattin. Er hegte eine so große Wertschätzung für sie, dass er nie wieder heiratete. Isabella wurde schließlich im Pantheon der Könige des Klosters El Escorial bestattet.

Maria (* 21. Juni 1528; † 26. Februar 1603)war die älteste Tochter von Kaiser Karl V. und dessen Gemahlin Isabella. Maria wuchs überwiegend in Madrid und Valladolid auf und wurde gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Philipp erzogen. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1539 wurde sie zur ranghöchsten Frau am Hof. Maria heiratete am 13. September 1548 in Valladolid Maximilian, ihren Cousin 1. Grades und späteren Kaiser. Von ihrem Vater berufen, übte sie zusammen mit ihrem Ehemann Maximilian II. während der Abwesenheit Kaiser Karls seit 1548 die Regentschaft in Spanien aus. Seit Oktober 1550 war Maria alleinige Statthalterin in Spanien. Ab 1552 lebte Maria ständig in Wien. Spanien hatte sie an der Seite ihres Mannes, der sie dort abholte, verlassen und die Regierungsgeschäfte ihrem Bruder Philipp übergeben. Im Jahr 1562 zur böhmischen und ein Jahr später zur ungarischen Königin gekrönt, wurde sie an der Seite ihres Mannes 1564 römisch-deutsche Kaiserin.

Ohne dieses Triumfeminat – aus Tante, Ehefrau und Tochter – wäre Kaiser Karl V. kaum in der Lage gewesen ein Reich erfolgreich zu regieren, in dem die Sonne nicht unterging.

Ein Triumfeminat, das in jenem Reich regierte, in dem die Sonne nicht unterging

5 Gedanken zu “Ein Triumfeminat, das in jenem Reich regierte, in dem die Sonne nicht unterging

  1. Isa schreibt:

    Hier geht aber einiges durcheinander. Maria von Ungarn war die jüngere Schwester Karls und hat ihn gewiss nicht erzogen. Gemeint ist wohl Maria von Österreich, die aber nie Königin von Ungarn war.

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