Glücksbringer zum Jahreswechsel

Sie gehen mir heuer ab

Früher kam zu Silvester immer ein Freund meines Mannes vorbei, wünschte uns ein gutes neues Jahr und brachte uns kleine Plastikschweinderln mit. Ich hob sie immer sorgfältig auf, es gab schon eine richtige Schweinefarm in einer Schüssel. Naja, beim Umräumen bzw. „Platzmachen“ für unsere WG wurde ich etwas spöttisch gefragt: brauchst Du das wirklich noch. Pflichtschuldig meinte ich nein – und die vielen Schweinderln waren dahin. Und neue bekomm ich keine mehr. Ja, und die silbernen Kleeblätter – eines davon emailliert, die sich ebenfalls in dieser Schüssel befanden, sind auch nicht mehr auffindbar.

Heute habe ich mich vergeblich umgeschaut, ob ich irgendwo Biskuit-Fische (Glücksfische) bekomme. Um Mitternacht aßen wir diese Fische, beim geöffneten Fenster um das Neue Jahr hereinzulassen und das Feuerwerk zu bewundern. Leider war es immer zu laut, um auch die Pummerin zu hören – aber vielleicht funktioniert das wenigstens dieses Jahr. Bei diesen Fischerln wusste ich nie, ob man sie von hinten nach vorne, oder von vorne nach hinten essen sollte, damit man im nächste Jahr Glück hat (vorsichtshalber habe ich immer zwei gegessen, halt in unterschiedlichen Richtungen).

Bei einem Standel, die gab’s schon immer, auch noch vor dem heuer ohnedies abgesagten Silvesterpfad, habe ich immer eine ganze Reihe von kleinen Glücksbringern gekauft – die wurden ebenfalls zu Mitternacht unter den Anwesenden verteilt. Man trug sie das ganze Jahr lang im Portemonnaie, damit darin möglichst das Geld nicht ausgeht. Unter diesen Glücksbringern waren z.B.  Marienkäfer – tunlichst mit sieben Punkten. Der Marienkäfer gilt als Himmelsbote seiner Namensvetterin Maria. Seine Wirkung bezieht sich auf die Schwachen der Gesellschaft. Kinder sollen beschützt und Kranke geheilt werden, wenn er ihnen zufliegt. Wer den glücksbringenden Marienkäfer jedoch abschüttelt oder gar umbringt, so heißt es, erzeugt den gegenteiligen Effekt und beschwört vielmehr Pech herauf. Ein Marienkäfer mit sieben schwarzen Punkten hat sogar noch eine weitere Symbolik: Er kann Hexen und Unglück bannen. Die Zahl Sieben ist nämlich eine Glückszahl. Wer dem Glückskäfer mit der Glückszahl an Punkten begegnet, ist somit doppelt gesegnet.

Oft war auch ein Fliegenpilz unter diesen Glücksbringern. In der altnordischen Sagenwelt ist der rote Fliegenpilz ein Glückspilz. Geringe Mengen des Fliegenpilzes halfen einer Sage nach Berserkern beim Kampf. Diese germanischen Krieger, gehüllt in Bärenfell, verspürten dank des Pilzes keine Schmerzen mehr und konnten unerschrocken gegen ihre Feinde antreten. Der Berserker galt als besonders stark und tapfer – scheinbar dank der Fliegenpilze. (Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich wohl keine Fliegenpilze verschenkt).

Ein Schweinderl war auch immer unter den Glücksbringern: Im frühen Mittelalter galt es als heiliges Tier, das für Reichtum stand. Wer sich zur damaligen Zeit ein Schwein leisten konnte, zählte zu den wohlhabenden Menschen. Außerdem symbolisierte die Sau Fruchtbarkeit und der Eber körperliche Stärke. Auch die Redensart „Schwein gehabt“ erklärt, dass jemand Glück im Unglück gehabt hat. Den Ursprung findet das Sprichwort zu der Zeit von kriegerisch-sportlicher Wettbewerbe. Der Verlierer erhielt abschließend ein Schwein und hatte Glück, nicht stark verletzt oder gar gestorben zu sein.

Ein Hufeisen war auch meist dabei: Das Hufeisen sollte damals die wertvollen Pferde der Griechen schützen und erhielt somit den Status eines Glücksbringers. Zusätzlich galt das Metall des Hufeisens als magisch. Wird es über der Tür aufgehängt, hält es angeblich Geister und den Teufel fern. Es scheiden sich zudem die Geister, wie genau das Hufeisen angebracht werden soll. Wenn die offene Seite nach oben zeigt, lässt sich Glück wie in einem Gefäß fangen und halten. Umgekehrt macht es aber genauso viel Sinn. Das Glück wird über einem ausgeschüttet und verteilt, sobald man die Tür mit dem Hufeisen passiert.

Ich habe immer ein Kleestöckerl zu Silvester zu Hause gehabt. Ich habe‘ die Kleestöckerl vor dem Lockdown, also vor Weihnachten in der Blumenhandlung gesehen, aber irgendwie habe ich es falsch gefunden, sie zu diesem Zeitpunkt zu kaufen. Also kein Kleestöckerl heuer. Eigentlich sollte man den vierblättrigen Klee in den Feldern suchen, das vierblättrige Kleeblatt ist recht selten in der Natur, da es sich bei diesem Glücksbringer um eine Mutation handelt – es wächst mit einem Blatt zu viel. Wenn das vierblättrige Kleeblatt auf Reisen begleitet, soll es den Besitzer vor Unglück beschützen. Es gibt Menschen, die immer vierblättrige Kleeblätter finden, und solche, die das nie tun (ich z.B.). Wenn man eines fand, trocknete man es in einem Buch – und schenkte es weiter. Laut Volksmund ist es wichtig, dass der Glücksklee natürlich entstanden, also nicht gezüchtet, ist. Immerhin kann bereits das Finden dieser raren Pflanze als glücklich bezeichnet werden. Gezielt kultivierter vierblättriger Klee gilt hingegen als Pechbringer (damit wäre das Kleestöckerl ohnedies fehl am Platz).  Der Glücksklee reicht im Aberglauben weit zurück. Es heißt, dass Eva ein vierblättriges Kleeblatt mitgenommen hat, als sie das Paradies verlassen musste. Somit hält der Finder auf Erden ein Stück Paradies in seinen Händen.

Naja, heuer werde ich ohne diese Objekte auskommen müssen, wirklich abergläubig bin ich ohnedies nicht, ich hoffe dennoch auf ein gutes Neues Jahr – und das wünsche ich Ihnen allen auch.

Glücksbringer zum Jahreswechsel

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