Hinterfragen der Kritik an Blackfacing

unserer lieben Sternsinger

Oje, oje, schon wieder einer unserer liebgewordenen Traditionen dahin?

Wenn Sie meine Meinung zu dem bevorstehenden Fest hören wollen, dann können Sie dies in diesen beiden Blogbeiträgen lesen.

https://christachorherr.wordpress.com/2018/01/02/zu-den-heiligen-drei-koenigen/

https://christachorherr.wordpress.com/2017/01/05/die-heiligen-drei-koenige/

Aber heute geht’s mir um etwas anderes. Die Initiatoren des „Black Voices Volksbegehren“ haben in einem Offenen Brief an die Katholische Jungschar ein Ende des sogenannten Blackfacings, also des Gesichtschwärzens, bei den Sternsingern gefordert. Sie wiesen auf rassistische Ursprünge des Blackfacings hin.

Wie viele dieser Forderungen im Rahmen der „Political Correctness“-Ansprüchen stammt diese aus den USA, wo es allerdings eine von uns ganz unterschiedliche Kultur der „Schwarzen“ (ich bin schon so verschüchtert, dass ich nimmer weiß, wie man Leute aus Afrika bezeichnen soll) gibt.

Blackface ist eine Theater- und Unterhaltungsmaskerade, die in den Minstrel Shows des 18. und 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten populär wurde. Dabei malten sich weiße Darsteller das Gesicht dunkel an und spielten einen Schwarzen. Die Darstellung schwarzer Menschen durch dunkel geschminkte weiße Menschen wird als Blackfacing bezeichnet.

Eine Maske hatte in der klassischen Tradition des Narren aus der italienischen Commedia dell’arte die Funktion, dem dahinter verborgenen Sprecher Narrenfreiheit zu gewähren. Dieser konnte so seine Späße ungehindert treiben und musste keine Konsequenzen fürchten. Durch diese Maske konnten die Minstrels auch ernsthafte Kritik äußern, ohne richtig ernst genommen werden zu müssen.“ Blackface unterscheidet sich jedoch von den oft aus Holz modellierten Masken der Commedia dell’arte durch das typische Merkmal: schwarz gefärbtes Gesicht und durch Schminktechnik grotesk hervorgehobene Partien und freigestellter Mund.

Im Zuge der europäischen Expansion kamen an Fürsten- und Adelshäusern Hof- oder Kammermohren in Mode. Sie hatten die Doppelfunktion zwischen Diener und Dekorationsobjekt. Ich erinnere nur an unsere eigene Geschichte, an Angelo Soliman, Kammerdiener, Freimaurer oder schlicht „Hofmohr“, ein sozialer Aufsteiger am Wiener Hof. Soliman zählt zu den aufklärerischen und reformatorischen Geistern seiner Zeit. Auch Kaiser Joseph II. schätzt den „Mohr“ und spielt mit ihm Schach. Nach seinem Tod wurde er für das kaiserlich-königliche Naturalienmuseum präpariert und präsentiert.

Damals – in den USA, bei den Minstrel Shows trugen die schwarz geschminkten Personen weiße Handschuhe, die später in den Blackface Minstrels ein gängiges Ausstattungsmerkmal wurden. Die ersten varietéartigen Blackface Minstrel Shows fanden um 1830 in den Vereinigten Staaten statt und wurden kurze Zeit später auch in Großbritannien aufgeführt.

Blackface wurde zur Belustigung eines weißen Publikums eingesetzt. Weiße Künstler, deren Haut dunkel eingefärbt war, kombiniert mit dem Aufmalen wulstig betonter Lippen, stellten stereotype Figuren von Schwarzen dar. Plantagenarbeiter oder Hausangestellte wurden als naive, fröhlich singende Sklaven verhöhnt. Die zunächst in Minstrel Shows popularisierten rassistischen Bilder wurden Bestandteil der Alltagskultur, sie fanden Einzug in Radiosendungen, Film und Fernsehen und wurden zur Vermarktung von Konsumgütern verwendet. In Amerika bestand das Publikum überwiegend aus Männern der Arbeiterschicht, in Großbritannien wurden die Veranstaltungen von sozial bessergestellten Zuschauern besucht.

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg übernahmen auch Afroamerikaner, die sich mit Kohle tiefschwarz anmalten, diese Rollen, setzten sie aber ein, um die diskriminierende Kultur der Weißen zu ironisieren.

Im September 2019 sah sich der kanadische Premierminister Justin Trudeau im Parlamentswahlkampf Blackfacing-Vorwürfen ausgesetzt, weil er im Jahre 2001 an der West Point Grey Academy zu einem Kostümabend mit dunkel geschminktem Teint als Aladin erschienen war. Dieser Auftritt wurde von den politischen Gegnern kritisiert und in den Medien thematisiert. Ich erinnere mich noch daran, wie befremdlich ich diese Situation fand. Blackfacing wurde in Deutschland zum Anglizismus des Jahres 2014 gewählt. Das war in etwa die Begründung: „Jedes Mal, wenn ein schwarz geschminkter Weißer irgendwo auftritt, sagt das: Schwarze können das nicht. Schwarze kennen wir nicht. Schwarze gibt es in unserer Mitte nicht. Was Schwarze von dieser Rolle halten würden, wenn es sie in unserer Mitte gäbe, interessiert uns nicht.“

Knecht Ruprecht ist im deutschen Brauchtum der schwarzbemalte Gehilfe des Heiligen Nikolaus, seine Entsprechungen sind der Krampus in Österreich bzw.  der Zwarte Piet (deutsch schwarzer Peter) in den Niederlanden. Auch über diese Gestalten gab es bereits heftige Diskussionen im Zusammenhang mit Blackfacing.

All das hat jedenfalls mit unseren lieben braven Sternsingern recht wenig zu tun: bei ihnen ist vielerorts seit Jahrhunderten einem der drei Könige das Gesicht geschwärzt; Hintergrund sei nicht Diskriminierung, sondern eine Aufgeschlossenheit gegenüber Afrika. Heuer müssen diese Kinder aufgrund der Corona-Situation ohnedies Masken tragen, Singen dürfen sie auch nicht, sie müssen ihre Gesänge von einem Tonträger abspielen. Ja und vergessen wir nicht, die Heiligen Drei Könige oder Weisen aus dem Morgenland sind ja auch schon weitgehend weiblich geworden.  Heuer wird ohnedies eine schwarze Maske reichen – oder?

Hinterfragen der Kritik an Blackfacing

4 Gedanken zu “Hinterfragen der Kritik an Blackfacing

  1. Die Geschichte mit dem Kammermohr des Kaisers hat schon ihr G’schmäckle. Denn welcher andere Bedienstete des Hofes wäre nach seinem Tod wie ein Tier ausgestopft und ausgestellt worden?

    Die Ächtung des vermeintlichen Blackfacing ist allerdings eine ganz andere Sache. Jede Bewegung, die nur davon lebt, daß sie gegen etwas kämpft, muß notwendig dafür sorgen, den Kampf nicht zu gewinnen, sonst verliert sie ja die Existenzberechtigung. Die sogenannte Antifa kann ohne Faschisten nicht sein und muß also, wenn sie irgendwo ihr Ziel erreicht hat, neue Faschismen aufdecken, die sie bekämpfen kann. Gern werden auch solche Nebenkriegsschauplätze aufgemacht, um nicht auf dem wirklichen Feld der Menschenverachtung kämpfen zu müssen. Jim Knopf wird angegriffen, unter Ausblendung der Tatsache, daß Ausgrenzung wegen Anderssein und Andersabstammung gerade in diesem Buch behandelt wird, nämlich am Thema des Drachens Nepomuk.

    Bei den Sternsingern ist es das Gleiche: ein leichtes Ziel, noch dazu eines, das gemeinnützig agiert. Man könnte nun allerdings hinterfragen, ob es nötig ist, einen schwarzen Menschen darzustellen, der doch biblisch gar nicht bezeugt ist bzw. das Gegenteil steht dort geschrieben: es sind Mesopotamier.
    Aber der nächste Schritt wird sicher auch noch kommen, denn schon werden Menschen – vornehmlich Frauen – auf den sogenannten sozialen Netzwerken angegriffen, wenn sie Frisuren oder Kleidung aus anderen Kulturkreisen tragen. Die Argumentation ist ähnlich nichtig wie die Blackfacing-Mär in Europa, aber wer wagt es schon, sie zu hinterfragen. Denn mit aller Konsequenz durchgeführt bedeutet sie, daß nicht nur Europäer nur klassisch europäische Kleidung und Haarschnitte tragen dürfen, sondern auch afrikanischstämmige Menschen nur traditionell afrikanische Haarschnitte und Kleidung tragen dürfen. Und das nenne ich Rassismus. Mal ganz davon abgesehen, daß es „die“ afrikanische Kleidung oder Haartracht nicht gibt. Aber was soll der Unfug, anderen vorzuschreiben, wie sie sich kleiden und frisieren wollen?

    Gefällt mir

    1. danke für Ihre Ausführungen – nur nlch eine kliene Amerkung – in meiner Erinnerung stand jder „Heilige Köniog“ stellvertretend fürt erinen Kontinent, etwas das mit der Bibel herzlich wenig zutun hat … Leider – im Gegensatz zu früher – habe ich heuer noch keine gesehen!

      Gefällt mir

      1. Stimmt, das ist eine Tradition, die im frühen Mittelalter aufkam: jeden „König“ für einen der damals bekannten Erdteile stehen zu lassen. Interessanterweise wechselt dabei die Zuordnung der Namen gelegentlich. Hier bei uns kennt man die Sternsinger nicht. Bei den Schwiegereltern im Opel-Kreis einen sie ökumenisch, kommen aber dieses Jahr auch nicht in die Häuser. Man kann ihr Lied auf der Webseite der Kirchengemeinden abrufen, kann dort auch spenden und bekommt dann das Klebeband mit der Aufschrift „20+C+M+B+21“ zugestellt. Für das Sammelziel ist das besser als nichts, aber vom Geld abwehrend würde ich es vorziehen, einfach dieses Jahr als Fastenjahr zu sehen.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s